Kreisverband Volks- und Raiffeisenbanken Rosenheim: Wachstum in allen Bereichen

Die Vertreterdes Kreisverbands der Volksbanken und Raiffeisenbanken Rosenheim und Umgebung beim Fototermin vor Corona: Christian Weber, Anton Wendlinger, Hubert Kamml, Christian Trattner, Florian Kreuz, Werner Strasser (von links). re

Zwei Herren an ihren Schreibtischen sind auf dem Monitor zu sehen, live aus Home Office: In kleiner Runde und ungewohnter Form fand die Jahrespressekonferenz des Kreisverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken Rosenheim und Umgebung statt.

Von Katharina Heinz

Rosenheim – Lediglich Hubert Kamml von der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee als Vorsitzender des Kreisverbandes und Christian Trattner von der Raiffeisenbank Aschau-Samerberg als sein Stellvertreter führten durch die Online-Konferenz. Grrund: Man wolle das System des Netzwerks nicht überlasten, so die Erklärung.

Banken spüren Krisen-Auswirkungen

Dieser Wunsch lässt sich in Corona-Zeiten auch auf das Gesundheitssystem und die deutsche Wirtschaft übertragen. Die Auswirkungen der Krise sind auch in der Region Rosenheim und bei den heimischen Banken zu spüren. „Das Bewusstsein der Bürger hat sich verändert“, sagte Kamml betont. Das Bedürfnis nach Gesundheit und Sicherheit stehe laut Kamml nun an erster Stelle. Deutschland befinde sich in der schwersten Rezession nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Starker Fall des Bruttoinlandsproduktes erwartet

Das Bruttoinlandsprodukt wird in 2020 voraussichtlich um 6,5 Prozent – über zwei Milliarden Euro – zurückgehen, die Arbeitslosenquote lag im April bereits 5,8 Prozent. Die Anmeldung von Kurzarbeit betreffe aktuell über zehn Millionen Menschen und man könne nicht absehen, für wie viele der Weg in die Arbeitslosigkeit führe, sagte Kamml. Die Folgen sind weniger Konsum und eine gestiegene Sparquote. Doch nicht alle verlieren: Denn während die Pandemie die Region schwäche, kurbele sie das Online-Geschäft an. „Für Amazon ist es gerade wie Weihnachten“, sagte Kamml.

Bankenregulierung schränkt Handlungsspielraum von Kreditinstituten ein

Auch die Arbeit der Genossenschaftsbanken werde nicht einfacher, wie Vorstands-Kollege Trattner berichtete. So sei insbesondere während der Corona-Krise deutlich geworden, wie die Bankenregulierung den Handlungsspielraum von Kreditinstituten einschränke. Die Forderung von der Politik an die Banken, „einfach mal fünf gerade sein zu lassen“, kann Trattner nicht nachvollziehen. Immerhin müsse man sich an geltendes Recht halten. „Die meisten Kredite werden aber innerhalb weniger Tage gewährt“, sagte er. Die Ablehnungsquote betrage nur fünf bis sieben Prozent.

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Vorstand Kamml ist zuversichtlich, dass sich die Lage wieder normalisiert. Außerdem habe man sich bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken gut für die Zukunft aufgestellt. Das Motto der Pressekonferenz lautete daher: „Morgen kann kommen.“ Die bayerischen Genossenschaftsbanken mit 18,2 Milliarden Euro Eigenkapital und 176 Milliarden Euro Bilanzsumme bezeichnete der Vorstand als „stabile Säule im Finanzsystem“. Eine positive Entwicklung verzeichne man auch im Kreisverband Rosenheim und Umgebung. Die sechs Genossenschaftsbanken kamen laut Kamml in 2019 gemeinsam auf eine Bilanzsumme von über 6,9 Milliarden Euro, ein Plus von 2,7 Prozent. Trotz einer sehr unterschiedlichen Größenstruktur pflege man eine gute Nachbarschaft im Kreisverband.

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Zahl der Kundenkredite in 2019 um 6 Prozent gestiegen

Die Kundenkredite stiegen in 2019 auf über 5,2 Milliarden Euro, ein Plus von 6,2 Prozent. Überwiegend würden langfristige Kredite vergeben, sagte Kamml. Die Stabilität der Bank zeige sich darin, dass trotz niedriger Zinsen die Kundeneinlagen stiegen – auf über fünf Milliarden Euro, ein Plus von 2,1 Prozent. Das Eigenkapital betrug in 2019 über 800 Millionen Euro, ein Plus von 3,3 Prozent. Das Fazit: Für den Kreisverband war das Jahr 2019 von Wachstum geprägt. Auch die Mitglieder stiegen auf insgesamt 102  036 Teilhaber in 2019, ein Plus von 0,6 Prozent. Die 1 184 Mitarbeiter des Kreisverbands hatten auch während des Lockdowns alle Hände voll zu tun. Kurzarbeit habe es nicht gegeben, sagte Kamml. Zwar seien die Schalterbetriebe an einigen der 77 Standorten eingeschränkt, die Bargeldversorgung an den 139 Automaten sei aber gesichert. Die Berater seien telefonisch oder online erreichbar.

Mit Kreditanträgen überschüttet worden

Auch mit Kreditanträgen sei man überschüttet worden. Weitere Maßnahmen seien Soforthilfen für Unternehmer und Tilgungsaussetzungen gewesen. Außerdem unterstütze man die Arbeit des Sozialdienstes katholischer Frauen und das Rote Kreuz. Statt einer Dividende will man 50 000 Mundschutzmasken für die heimischen Schulen spenden. Unterstützung für die Region gibt es aber auch unabhängig von Corona. So leisten die Genossenschaftsbanken des Kreisverbands Gewerbesteuer von über zehn Millionen jährlich und haben allein im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Euro für soziale Zwecke gespendet.

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