Erfolg als Familienunternehmen

Kreislauf regionaler Wertschöpfung auf einem Kirchdorfer Hof: Milch und Müsli aus einer Hand

Baut praktisch sein eigenes Müsli an: Bio-Landwirt Sepp Heindl aus Kirchdorf. Er liefert den Hafer für das Barnhouse Krunchy-Müsli und ist Mitglied der Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land.
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Baut praktisch sein eigenes Müsli an: Bio-Landwirt Sepp Heindl aus Kirchdorf. Er liefert den Hafer für das Barnhouse Krunchy-Müsli und ist Mitglied der Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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„Das ist unser Müsli und unser Joghurt“, sagen die vier Kinder von Irmi und Sepp Heindl aus Kirchdorf stolz, wenn sie frühstücken. Und sie meinen es wörtlich: Die Zutaten zum Bio-Joghurt von Berchtesgadener Land und zum Krunchy-Müsli von Barnhouse stammen nämlich von ihrem Hof. Ebenso das Glas Milch.

Kirchdorf/Mühldorf/Piding – „Wir besitzen 50 Milchkühe, die produzieren eine durchschnittliche Jahresleistung von rund 7000 Liter Milch“, erklärt Bio-Landwirt Sepp Heindl. Hier ist die Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land ein dankbarer Abnehmer – seit 2008 sind die Heindls Genossenschaftsmitglieder. Jeden zweiten Tag kommt der Milchlaster und holt 1600 Liter zertifizierte Naturland-Milch. Den durchschnittlichen Milchpreis aktualisiert die Molkerei auf ihrer Homepage. Derzeit gibt es 44,83 Cent pro Kilo für die Bergbauern-Milch – für konventionelle sind es 43,73 Cent. Bio-Naturland-Milch bringt 53,80 Cent und für Bio-Demeter-Milch bekommen die Bauern 55,96 Cent (bisheriger Jahresdurchschnitt).

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Im Jahr 2013 hat das Familienunternehmen rund 150 000 Euro in den Stallumbau investiert – damit die Tiere mehr Platz haben. 2015 wurden noch einmal 120 000 Euro in einen gebrauchten Melkroboter gesteckt.

Für die die Barnhouse Naturprodukte GmbH in Mühldorf betreibt der Biohof bereits seit fünf Jahren Hafer-Vertragsanbau. Jetzt im Herbst ist das erste Krunchy-Müsli mit Heindl‘schem Getreide „vom Band“ gegangen.

Dinkel aufgrund der Fruchtfolge

Bis zu 60 Dezitonnen je Hektar können die Heindls aus dem Haferanbau erwirtschaften. „Der Haferpreis liegt netto bei 38 Euro – vorausgesetzt ist ein Hektoliter Gewicht von 54 Kilo. Heuer hatten 3,10 Hektar angebaut und nächstes Jahr werden wir wegen der Fruchtfolge Dinkel für Barnhouse ernten“, sagt Irmi Heindl.

Mit Blick auf Corona sagt sie, der wirtschaftliche Einfluss sei beim Verkauf von Rindern und Kälbern zu spüren. „Die Erlöse sind niedriger. Die Lokale haben alle zu, es gibt keine Volksfeste, das Oktoberfest fiel aus. Da ist das Vermarkten halt schwieriger“, erklärt sieim Gespräch mit der Zeitung.

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Ihre Haupteinnahmequelle sei das Milchgeld, das sei stabil. „Die Milchabholung war und ist durch die Speditionen und die Molkerei stets gesichert.“ Da viele der Mitglieder Nebenerwerbsbetriebe seien, habe „Berchtesgadener Land“ im Frühjahr alle seine Lieferanten mit einer Corona-Hilfe in Höhe von 1000 Euro im Frühjahr unterstützt.

„Persönlich merken wir, dass das Ansehen und die Wertschätzung der regionalen und ökologischen Landwirtschaft bei der Bevölkerung durch Corona ansteigt“, sind sich die Heindls einig.

Nachfrage nach Butter und H-Milch steigt

Corona wirkt sich auch auf die Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG aus. „Die Nachfrage nach unseren Großgebinden wie Milch, Sahne, Quark im fünf und zehn Kilo Eimer ist aufgrund des Lockdowns im Frühjahr und nun auch wieder im Herbst praktisch um 80 Prozent reduziert“, sagt Pressesprecherin Barbara Steiner-Hainz. Die Nachfrage nach H-Milch und Butter sei im Frühjahr und nun auch im Herbst dagegen wieder deutlich gestiegen. Hier mussten aufgrund der eingehenden Bestellmengen durch den Lebensmittelgroßhandel Kürzungen vorgenommen werden.

Sie erklärt: „Aufgrund unserer Herkunftsgarantie für Rohstoff und Verarbeitung können wir die Produktion nicht ohne Weiteres steigern. Dass der Betrieb in dieser schwierigen Zeit so normal wie möglich weiterläuft, verdankt die Molkerei den frühzeitig ausgegebenen Verhaltensregeln an die Mitarbeiter, der Absage aller nicht existenziellen Meetings, aber auch der stark regionalen Ausrichtung“, so die Sprecherin.

Die Milch kommt aus der Region, verarbeitet wird sie in Piding und Hauptabsatzmarkt ist Bayern. „Diese weitgehende Unabhängigkeit von globalen Märkten ermöglicht der Molkerei eine Stabilität, die sie durch vollständige Abnahme der Milch und Auszahlung des Milchgelds an die Bauern, weitergeben kann“, so Barbara-Steiner-Hainz. Der Umsatz der Molkereigenossenschaft betrug 2019 etwa 200 Millionen Euro. 1700 Landwirte zwischen Watzmann und Zugspitze liefern ihre Milch.

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