Konichiwa in Rosenheim: Geschäftsleute aus Japan und der Region trafen sich beim Japan-Wirtschaftstag

Im Gespräch:Stadtdirektor Michael Keneder, Generalkonsul Tetsuya Kimura, Ichikawas Bürgermeister Hirotami Murakoshi, Rosenheims Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Alfons Maierthaler, der Vorsitzende des Fördervereins Städtepartnerschaft Ichikawa-Rosenheim, Udo Satzger, und Moderator Diethard Schinzel (von links) beim Japan-Wirtschaftstag. Heinz

Viele lächelnde Gesichter, höfliche Zuvorkommenheit am Büffet und so manch eine leichte Verbeugung: Im Rosenheimer Sparkassen-Hochhaus fand der 5. Japan Wirtschaftstag statt. Auf Einladung der Stadt waren zahlreichen Unternehmer aus der Region gekommen, um sich zu Themen rund ums Japan-Geschäft auszutauschen.

Rosenheim – Aus dem Land der aufgehenden Sonne war extra eine Wirtschaftsdelegation angereist. Tetsuya Kimura, der japanische Generalkonsul aus München, sowie Hirotami Murakoshi, der Bürgermeister der Rosenheimer Partnerstadt Ichikawa, begleiteten die Geschäftsleute.

Das Motto des Tages lautete: „Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan eröffnet neue Chancen insbesondere auch für bayerische Unternehmen.“ Dass bei den wirtschaftlichen Beziehungen mit japanischen Partnern aber auch kulturelle wie sprachliche Hürden überwunden werden müssen, zeigten die Erfahrungsberichte aus einigen Unternehmen.

Deutsche Unternehmen lieferten im Jahr 2018 Produkte und Dienstleistungen im Wert von 20,4 Milliarden Euro nach Japan. Im Gegenzug wurden in Deutschland japanische Waren im Wert von 23,7 Milliarden Euro gekauft, womit sie Deutschland zum wichtigsten europäischen Handelspartner Japans machen. Um die Kooperationen weiter voran zu treiben, hat Japan das Handelsabkommen JEFTA mit der Europäischen Union abgeschlossen, das am 1. Februar in Kraft trat. „Damit werden verschiedene Verfahren vereinfacht und Handelshindernisse abgebaut“, erklärte Generalkonsul Kimura.

Besondere Chancen für die bayerisch-japanische Zusammenarbeit ergeben sich seiner Ansicht nach zum Beispiel im Bereich von Agrarprodukten wie Milch oder Wein. Der Konsul sieht Deutschland und Japan außerdem als Hightech-Nationen, die sich auch in diesem Gebiet gut ergänzen könnten. Weil Kooperationen am besten im persönlichen Austausch gelingen, hatte die Stadt Rosenheim bereits im fünften Jahr zum japanisch-deutschen Austausch geladen.

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„Wir arbeiten sehr erfolgreich mit dem Japan-Wirtschaftstag, weil es dabei gelingt, die verschiedenen Protagonisten zusammen zu bringen“, sagte Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Neben Vertretern der beratenden Stellen wie der IHK oder der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan seien immer auch viele Unternehmer anwesend, mit denen man in Kontakt kommen könne. Zwar sei die wirtschaftliche Bedeutung Japans für die Region Rosenheim nicht messbar. „Aber ich erkenne ein hohes Interesse der Unternehmen an der Wirtschaft Japans und einzelne Unternehmen der Region arbeiten schon länger erfolgreich mit japanischen Partnern“, so die Oberbürgermeisterin.

Manch ein Kontakt entsteht bereits während der Studienzeit. So berichtete Prof. Dr. Eckhart Lachmann, Vizepräsident der TH Rosenheim, über regelmäßige Studentenaustauschprojekte. Abkommen bestehen mit der Chiba University of Commerce sowie mit der Chiba University. Summer Schools mit Studierenden aus Rosenheim in Japan und umgekehrt, Studentenaustausche sowie gemeinsame Workshops gehören dazu. „Junge Menschen sind die besten Botschafter ihres Landes“, so Professor Lachmann.

Doch auch Herausforderungen müssen überwunden werden, wenn man Geschäfte mit japanischen Partnern machen will. „Die Sprach-, Kultur- und Zeitunterschiede machen es nicht einfacher, aber dafür spannender“, meinte Ingo Stelzel von der IWIS Group München, die Präzisionsketten und mechanische Antriebstechnik herstellt.

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Wenn etwa Dolmetscher im Einsatz seien, müsse man langsam und in einfachen Sätzen sprechen. Wichtig für japanische Geschäftsleute seien außerdem Zeitpläne. Termine müssten daher unbedingt eingehalten werden. Im Gegenzug seien die japanischen Partner stets sehr höflich und respektierend. Philipp Dahm, Geschäftsführer des Spezialstoffe-Herstellers ROHI aus Geretsried, thematisierte unterschiedliche Prüfnormen. Bei der Ausstattung einer Flugzeuglinie mit Stoffen hatte sich für sein Unternehmen die Schwierigkeit von japanischen Anforderungen ergeben.

Die Normen habe man nicht lesen können und auch keine entsprechende Prüfmaschine gehabt. Also musste das Produkt nach Japan geschickt und dort geprüft werden. „Die Zusammenarbeit mit japanischen Kunden ist am Anfang sehr akkurat und anstrengend, aber dafür passt es dann später“, so Dahm.

Herausfordernd und bereichernd zugleich

Dr.-Ing. Michael Klos von der Firma Yaskawa, die unter anderem in Allershausen Industrieroboter herstellt, sprach fiskalische Hindernisse an. So habe seine Firma Niederlassungen in aller Welt, um eine gewisse Währungssicherheit herzustellen. Bei einem sehr volatilen Yen zum Euro könne man sonst sehr viel Geld verlieren. Trotz weiterer Herausforderungen wie der Disposition und der Logistik betrachte er es aber stets als bereichernd, mit japanischen Partnern zusammen zu arbeiten.

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