MARKETING IN SOZIALEN MEDIEN

„Kommunizieren auf Augenhöhe“

Corinna Kirchnerkümmert sich um Chiemgau Tourismus in den sozialen Netzwerken.
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Corinna Kirchnerkümmert sich um Chiemgau Tourismus in den sozialen Netzwerken.

Soziale Kanäle wie Facebook, Youtube, Instagram, Pinterest & Co. zu nutzen ist für viele Unternehmer und Dienstleister in der Region selbstverständlich. Welche Erfahrungen machen sie damit und lohnt sich der hohe Zeitaufwand überhaupt – oder geht es vor allem ums Dabeisein?

Rosenheim/Kolbermoor/Traunstein – Die Krones AG, Anlagenbauer mit großem Standort in Rosenheim, bespielt sie alle, die momentan relevantesten Social Media- Kanäle: Facebook, Twitter, Youtube, Linkedin, Xing, Instagram. Dazu kommen drei unternehmenseigene Blogs, wie Social Media-Managerin Maria Seywald erklärt. Seit 2010 ist das Unternehmen in den sozialen Medien aktiv. Auf den ersten Blick ist die Bandbreite der genutzten Kanäle ungewöhnlich, stellt Krones doch keine Produkte für den Endverbraucher her. Doch Krones sieht damit nicht nur die Möglichkeit gegeben, bestehenden und potenziellen Kunden die eigenen Produkte näherzubringen, sondern auch, sich gegenüber Mitarbeitern und gesuchten Kräften als Arbeitgebermarke zu stärken. „Social Media lässt uns sehr schnell und unkompliziert mit unseren Zielgruppen ins Gespräch kommen und dort erreichbar sein, wo viele Menschen nun mal einen großen Teil ihrer Zeit verbringen – in sozialen Netzwerken“, sagt Seywald.

So eigne sich Youtube dafür, in Filmen Technologien und Innovationen zu erklären. Das Messegeschäft, stark auf die Kommunikation mit Geschäftskunden und -partnern ausgerichtet, werde mittlerweile stark mit Kurznachrichten via Twitter begleitet, fast in Echtzeit.

Der Microbloggingdienst Twitter erlaubt nur telegrammartige Kurznachrichten, die Tweets. Für die Unternehmen in der Region scheint der Dienst im Gegensatz zu den anderen Kanälen weniger Relevanz zu haben. Das Kolbermoorer Autohaus Eder beispielsweise nutzt den Kanal im Zusammenhang mit seinem Sport-Sponsoring, wie Marketingmanager Christian Unger erzählt. Um Tweets als regionaler Fahrzeughändler abzusetzen, sei Twitter aber weniger interessant.

Interesse ist das Stichwort für Corinna Kirchner. Sie ist mit ihren 24 Jahren das, was heutzutage oft als „Digital Native“ bezeichnet wird: Jemand, der praktisch mit den digitalen Medien aufgewachsen ist. Sie ist bei Chiemgau Tourismus verantwortlich für das Online-Marketing. Gäste für den Chiemgau zu gewinnen, sei der Hauptauftrag ihres Teams. Über die Gäste-Facebook-Seite könne man zunächst mit verschiedenen Themen die Personen erreichen, die schon einmal dort Urlaub gemacht hätten.

Wie relevant ist Facebook in Zukunft?

Jetzt hat Facebook allerdings angekündigt, seinen Algorithmus so zu ändern, dass die Reichweite von Unternehmensbeiträgen zugunsten privater Beiträge zurückgeschraubt werden soll (siehe Infokasten). Zwar macht man sich deswegen beim Tourismusverband keine größeren Sorgen. Kirchner weiß aber: „Hier wird die Reichweite sinken, erste Anzeichen haben wir bereits registriert.“ Was Facebook will: Firmen sollen künftig mehr kostenpflichtige Anzeigen schalten, statt gratis Posts zu versenden. Kirchner sagt dazu, man werde deshalb nicht den eigenen Werbe-Etat aufstocken. Wichtiger sei es, online und offline breit aufgestellt zu sein und „solche Turbulenzen“ über andere Kanäle auszubalancieren. „Die Herausforderung der Zukunft ist es, die Inhalte dorthin zu bringen, wo sich die potenziellen Gäste im Netz aufhalten. Und das ist in zehn Jahren vielleicht nicht unbedingt Facebook.“

Diesen Kanal bezeichnet Unger für Auto Eder derzeit dennoch als „sehr relevant“. Mit Themen rund um die Mobilität und das Unternehmen selbst informiere man die Kunden. „Wir kommunizieren wöchentlich zwischen drei und fünf Beiträge. Dabei geht es oft auch um unsere Sport-, Sozial- und Kultursponsorings in der Region.“ Wichtig sei dabei die Kommunikation auf Augenhöhe „und dass der Benutzer die Möglichkeit hat, ganz unkompliziert das Social Media-Team anzuschreiben und seine Fragen zu stellen.“

Die Änderungen bei Facebook versteht Unger teilweise; bezeichnet die künftig geringere Sichtbarkeit von Firmenbeiträgen als logische Konsequenz: „Letzten Endes werden neben Facebook auch die Werbetreibenden davon profitieren, dass die Akzeptanz der Plattform damit insgesamt wieder erhöht wird.“ Instagram spielt außerdem eine Rolle für Auto Eder: „Dort treffen wir jüngere Menschen und damit eine andere Zielgruppe an. Viele davon sind unsere Kunden von morgen, andere streben eine Ausbildung bei uns an.“

Bewertungsportale nicht unterschätzen

Für Veranstaltungsvideos nutze man einen eigenen Youtube-Kanal; zur Suche von Mitarbeitern Xing und Linkedin. Social Media-Marketing, so Unger, beginne eigentlich schon beim Bewertungssystem: Bei Google, gefolgt von Facebook und im speziellen Fall, dem Gebrauchtwagenbereich etwa, die Bewertungen der großen Autobörsen wie mobile.de und AutoScout24.de. „Heute ist es selbstverständlich, dass man sich über ein Unternehmen informiert, wenn man eine größere Anschaffung plant und noch keinen persönlichen Bezug zur entsprechenden Firma hat.“

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