Kolbermoorer Firma Cubeware weltweit erfolgreich mit der Auswertung elektronischer Daten

Das Kolbermoorer Softwarehaus Cubeware hat einen indischen Eigentümer, der engen Kontakt zu den Oberbayern hält. Zum Beispiel anlässlich der Eröffnung des hauseigenen Thinktanks, dem C-Lab in München. Im Bild von links nach rechts: Datenwissenschaftler Udaysimha Nerella, Produktentwicklungs-Leiter Michael Dratz, die beiden Datenwissenschaftler Christoph Schauer und Alina Nizamutdinova sowie die Kolbermoorer Geschäftsführer Peter Küssner und Suresh Saligram. re

Gelten Daten als wertvoller Rohstoff der Wirtschaft, ist Business Intelligence-Software als das Instrument, mit dem sie optimiert werden können. Ein BI-Spezialist der ersten Stunde ist Cubeware aus Kolbermoor. Inzwischen ist man eng mit dem „indischen Silicon Valley“ verbunden.

Rosenheim / Kolbermoor – Ein Pionier in Sachen Business Intelligence (BI), eine Methode zur Erhebung, Speicherung und systematischen Auswertung von elektronischen Daten, ist das Kolbermoorer Unternehmen Cubeware, das einen weiteren Sitz in Rosenheim hat. 1997 gegründet, hat der BI-Spezialist heute international acht Niederlassungen – darunter in den USA und Indien – mit 125 Mitarbeitern und betreut 4 000 Firmenkunden weltweit. Konzerne, Mittelständler und Fachabteilungen unterschiedlichster Branchen setzen auf die Lösungen aus Oberbayern. Vor gut einem Jahr kam der Münchener Wirtschaftsingenieur Peter Küssner zur Verstärkung der Geschäftsleitung an Bord des Softwarehauses. Gemeinsam mit dem Inder Suresh Saligram arbeitet er seitdem an der Neuausrichtung von Cubeware.

Denn Unternehmen im IT-Umfeld müssen laufend mit dem rasant wachsenden und sich verändernden Markt Schritt halten, agil und flexibel sein. Für Peter Küssner kein Problem: Der 55-jährige Wahl-Chiemgauer hat schon mehrfach mittelständische Softwareanbieter aufgebaut und weiterentwickelt. Ursprünglich gelernter Kfz-Mechaniker, hat er sich übers Studium auf dem zweiten Bildungsweg und Stationen im Ausland zum Unternehmensberater hochgearbeitet, bevor er selbst Unternehmer wurde.

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Verbindung zu Indien typisch für Branche

Seit er im September 2018 in Kolbermoor die Ärmel hochkrempelte, hat er viel von dem geschafft, was er sich vorgenommen hatte. Zum Beispiel das Cubeware Lab mit Sitz in München ins Leben gerufen (wir berichteten), einen Think Tank, in dem die Themen Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und Internet der Dinge zusammenlaufen.

Einst aus der TH Rosenheim heraus gegründet, hat sich die Struktur von Cubeware im Laufe der Zeit komplett gewandelt. Offen spricht Küssner darüber, dass sich das einstige Start-up dreier Studenten seit 2016 im Portfolio der indischen India Builders Corporation mit Sitz in Bangalore befindet, rund zehn Flugstunden entfernt. Diese investiert in Immobilien, Kaffeeplantagen und eben auch in IT- und Technologiefirmen weltweit.

Bangalore gilt als das indische Silicon Valley.

Für Küssner ein relevantes Detail: Die Gruppe ist familiengeführt und setzt sich für Bildung und soziale Belange ein. So exotisch der indische Investor in der regionalen IT-Welt ist, so normal ist ein asiatischer Eigentümer oder Anteilseigner in der Branche. Speziell Indien gilt nicht erst seit gestern als IT-Standort der Zukunft, etwa, wenn es um Softwarewartung geht. Ausgerechnet die begehrten Technologiepartnerschaften mit den wichtigsten Größen der Branche, etwa Microsoft, Oracle und IBM erforderten dies – eine Entwicklung, die wohl unumkehrbar sei. Ein weiterer Grund dafür sei, dass hierzulande Fachkräfte schwer zu bekommen seien, sagt Küssner: „An allen unseren Standorten stellen wir gerade Leute ein, nur ausgerechnet in Bayern ist das zurzeit schwer.“

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Daten werden zu Bildern

Fachkräfte nach Rosenheim zu locken, sei eine der schwersten Herausforderungen. „Das liegt am knappen, bezahlbaren Wohnraum hier. Mich wundert nicht, dass Talente sich gegen den Standort entscheiden.“ Eine Stelle in Frankfurt oder Düsseldorf zu besetzen, sei leichter als in Rosenheim, hat Küssner erfahren müssen. Mit dem Wunsch nach Verbindlichkeit spricht er ein menschliches Bedürfnis nach Sicherheit an, das die eigenen Kunden aus der Wirtschaft haben und das sich in der Kernkompetenz von Cubeware verwirklicht: BI-Software verbildlicht Daten und wie sie miteinander in Beziehung stehen. Wer vor dem PC sitzt, sieht also zum Beispiel, welche und wie viele Rohstoffe in Produkt X geflossen sind, wo diese herkamen und was nach der Produktion mit der Ware passiert ist.

Da beschäftigt zum Beispiel ein Unternehmen 28 000 Mitarbeiter in 40 Ländern, der Jahresumsatz liegt bei 1,5 Milliarden Euro. Der Aufwand für das Berichtswesen ist enorm, allein das Datenmanagement mit mehr als 80 Gesellschaften des Unternehmens eine echte Herausforderung. Bevor eine BI-Lösung zum Einsatz kam, mussten Daten in Excel-Tabellen erfasst werden, per E-Mail versandt und in einer betriebsinternen Softwarelösung zusammengeführt werden. Auch, wenn in vielen Unternehmen das Prozedere heute noch so aussieht: Zeitgemäß erscheint es in Zeiten der Digitalisierung nicht mehr.

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Das ist bei zahlreichen Unternehmen der Region angekommen; so erstellt Cubeware zum Beispiel Lösungen für Firmen wie Adelholzener, die Eder-Gruppe, Kathrein, Gabor, Rohrdorfer Zement und Amoena. Darüber hinaus zählen unter anderem Edeka, Ehrmann, Dennree, das Rote Kreuz, Weleda und VW Nutzfahrzeuge zu den Referenzen der Rosenheimer.

Den Markt aus neuer Perspektive sehen

Wenngleich er Cubeware nicht selbst gegründet hat, denkt Küssner bis heute wie ein Unternehmer und wünscht sich Mitarbeiter, die „querdenken, mal unbequem sind.“ So findet er gut, dass der Investor sich für viele Branchen neben der IT interessiert: „So jemand betrachtet den Markt unter ganz neuen Gesichtspunkten.“ Das passiert gerade im Cubeware Lab, wo eine Atomphysikerin, ein Spezialist für Maschinelles Lernen und ein Volkswirt forschen. Zur Eröffnung in diesem Frühjahr kam selbst die indische Geschäftsführung – wenn es interdisziplinär und interkulturell zugeht, ist das ganz nach Küssners Geschmack.

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