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Kaum Nachwuchs, schwierige Arbeitsbedingungen

Könige der Landstraße sind Mangelware: Auch in der Region fehlen Lkw-Fahrer

LKW-Fahrer dringend gesucht: Die Branche der einstigen „Könige der Landstraße“ hat ein Image-Problem, sagt Stephan Lettl Junior von der Wasserburger Spedition Lettl Transporte. Darum haben Speditionen Personalengpässe.
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Lkw-Fahrer dringend gesucht: Die Branche der einstigen „Könige der Landstraße“ hat ein Image-Problem, sagt Stephan Lettl Junior von der Wasserburger Spedition Lettl Transporte. Darum haben Speditionen Personalengpässe.
  • VonLars Becker
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In der Corona-Zeit konnten sich viele Trucker für kurze Zeit mal wieder als „Könige der Landstraße“ fühlen. Sie wurden in der Krise für die Lieferung dringend nötiger Waren gefeiert, sogar für Klopapier. Jetzt hat sich vieles wieder geändert. Und nicht zum Besseren.

Wasserburg/Nußdorf am Inn – Inzwischen ist längst wieder Alltag eingekehrt. „Sie wurden als Helden des Alltags wertgeschätzt. Jetzt sind sie wieder die Prügelknaben“, sagt Stephan Lettl Junior von der Wasserburger Spedition Lettl Transporte auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Die berühmt-berüchtigten „Elefantenrennen“ auf der Autobahn bringen viele Autofahrer zur Weißglut. Und wenn es Staus oder Unfälle gibt, werden schnell Lkw als Schuldige benannt.

„Wir haben ein Imageproblem“

„Wir haben ein Imageproblem“ sagt Lettl junior. Und das bringt handfeste Probleme für die Speditionen aus der Region mit sich. „Der Fahrermangel in deutschen, bayerischen und oberbayerischen Speditionen nimmt seit Jahren zu“, bestätigt Sabine Lehmann, Geschäftsführerin des Landesverbandes Bayerischer Spediteure (LBS).

Ein Puzzleteil des Problems ist, dass früher viele Wehrpflichtige bei der Bundeswehr „nebenbei“ ihren Lkw-Führerschein machen konnten. Lettl Junior: „Das gibt es nicht mehr. Und 8000 für einen Führerschein zahlt man auch nicht aus freien Stücken.“ Auch bei der europaweit agierenden Spedition Dettendorfer mit einer Niederlassung in Nußdorf am Inn ist die Personalsituation permanent angespannt. „Wir beschäftigen 250 Kraftfahrer und haben immer offene Stellen. Wenn es nicht mehr genug Fahrer gibt, werden wir auch keine Wertschöpfung in der Gesamtwirtschaft mehr haben. Die Fahrer sind das wichtigste Glied der Logistikkette“, sagt Georg Dettendorfer aus der Geschäftsführung im Gespräch mit der Zeitung.

Den Lastwagenfahrern fehlt der Nachwuchs

Seit Jahren jedoch hören viel mehr einstige „Könige der Landstraße“ aus Altersgründen auf, als junge dazukommen. Das hat viel mit dem schlechten Image in der Öffentlichkeit zu tun, aber auch mit veränderten Anforderungen der jungen Menschen. „Die Trucker-Romantik von einst dient angesichts des hohen Verkehrsaufkommens und der persönlichen Belastung für viele junge Leute nicht mehr als erstrebenswertes Motiv zur Berufswahl. Ein veränderter Lebensstil – Stichwort: Work-Life-Balance – ist mit der oft langen Abwesenheit von Zuhause nicht mehr vereinbar“, weiß Lehmann.

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Die Speditionen können diese Einschätzung bestätigen. Die meisten Kandidaten wollen nicht mehr tagelang am Stück unterwegs sein und stattdessen mehr für Zeit für sich und die Familie haben. Die Spedition Lettl hat das Glück, dass sie viel im Transport von frischen Lebensmitteln unterwegs ist.

Lohndumping der Konkurrenz aus Osteuropa macht Spediteuren zu schaffen

„Wir können fast jedes Arbeitszeitmodell darstellen. Zum Beispiel zwei Fahrer auf einem Lkw – wenn einer fährt, kann der andere bei der Familie sein“, berichtet Stephan Lettl junior. Zudem bemüht man sich in Wasserburg viel um die Rekrutierung von Nachwuchs – derzeit werden wieder zwei Azubis ausgebildet.

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Der Fernverkehr hat es da bei Abwesenheitszeiten von schon mal ein bis zwei Wochen am Stück deutlich schwieriger. „Neben dem Thema Work-Life-Balance ist natürlich auch Geld ein wichtiger Aspekt. Die Löhne im Speditionshandwerk sind nicht so gestiegen wie in anderen Branchen“, berichtet Georg Dettendorfer. Das hat auch viel mit dem Lohndumping der Konkurrenz in Osteuropa zu tun.

3000 Euro – für einen ganzen Monat auf der Straße

Der Durchschnittsverdienst für Lkw-Fahrer liegt um die 2000 Euro, Spitzenverdiener können bis zu 4000 Euro verdienen. Allerdings sind die Arbeitsbedingungen dann häufig außergewöhnlich. Ein Insider berichtet von einem Gehaltsangebot von 3000 Euro für einen Lkw-Fahrer – dafür sollte er aber einen Monat am Stück unterwegs sein.

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Bei Dettendorfer bemüht man sich, mit planbaren Arbeitszeiten – zum Beispiel 14 Tage unterwegs und danach 14 Tage frei – die Attraktivität des Fernfahrer-Jobs wieder zu erhöhen.

Keine Unterstützung seitens der Politik

Aber dann gibt es wie zum Beispiel auf der Inntal-Autobahn Richtung Österreich immer auch wieder Querschüsse der Politik. „Blockabfertigung und künstliche Staus verbessern natürlich nicht das Image unseres Berufs“, sagt Dettendorfer.

Auch die Infrastruktur mit fehlenden Parkplätzen passt längst nicht mehr zum gigantischen Verkehrsaufkommen. Eine Patentlösung für die Probleme in Sachen Lkw-Fahrermangel gibt es nicht. „Das Image des Berufs muss vor allem besser werden“, sagt Lettl junior. Sonst kann es irgendwann passieren, dass tatsächlich kein Klopapier in den Regalen mehr liegt.

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