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Nachhaltigkeit im Sport

Kletterstar Alexander Huber fordert: „Verbraucher haben es in der Hand“

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Extremkletterer Alexander Huber
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Green Week: Verbraucher sind  im Sport bei Nachhaltigkeit entscheidend. Kletterer Alexander Huber spricht gegen über der OVB Heimatzeitungen über Bewusstsein, Materialien und Nutzerverhalten. Jeder ist zum Wohle der Natur gefragt und gefordert.

Raubling - 15 Millionen Sportler sind regelmäßig in der Natur unterwegs, der DAV geht außerdem von rund 500 000 Sportkletterern in Deutschland aus. Beim Wandern, Klettern, Kanufahren, Segelfliegen, Tauchen, Reiten und mehr spielt neben dem Sport das Naturerlebnis eine zentrale Rolle. Aber Sportarten wie etwa Skifahren können in hohem Maße die umliegende Natur schädigen. Abfälle, zusätzliche Verkehre und Lärmbelästigungen, wie bei Sportgroßveranstaltungen, haben negative Auswirkungen auf Mensch und Natur.

Huber fährt 20000 Kilometer pro Jahr per Zug

Kletterexperte Alexander Huber am Samstag im Rahmen  der "Green Week" beim Sportartikelhändler IKO in Raubling zu Gast, forderte  gegenüber den OVB-Heimatzeitungen mit Nachdruck, dass die Sport- und Freizeitbranche nachhaltig sein muss.  Der gebürtiger Trostberger reist für Sport und Vorträge um die Welt – lebt aber daheim im Kreis Traunstein als Bergbauer und setzt aufs E-Bike und die Bahn, um seine Ökobilanz wieder auszugleichen.

Menschen wollen in die Natur hinaus

Zum Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Sportszene sagt er: "Das Bewusstsein ist da, dass man die Natur nicht nur nutzen, sondern auch schützen muss. Wir sind in diesem Punkt heute schon weiter, als man manchmal denkt – noch vor 40,50 Jahren wurde auch bei uns im Wald einfach der Müll abgeladen."

Auf dem Gipfel

Aber es müsse trotzdem noch mehr geschehen. Speziell das moderne Sport- und Freizeitverhalten sorge dafür, dass Millionen von Menschen in den Bergen, an Gewässern und auf Waldpfaden unterwegs sind. "Das stimmt, aber man darf nicht den Sport an sich verteufeln.

Problem: Individuelle Mobilität

Aus meiner Sicht ist das größte Problem die individuelle Mobilität, also dass jeder und jederzeit mit dem Auto unterwegs ist, auch in der Freizeit. Mehr mit der Bahn zu fahren sowie E-Mobilität und vor allem E-Bikes könnten hier eine gute Lösung sein", so Huber. Schon allein deshalb, weil es auch die Städte entlasten würde.  In dieser Hinsicht hat laut dem Kletterer auch der Deutsche Alpenverein noch zu wenig unternommen, um das Thema Mobilität für Bergsportler mehr ins Bewusstsein zu rücken.

Hier finden Sie Informationen für Vereine:  Umweltschutz und Nachhaltigkeit für Sportvereine

Aber: Sport- und Outdoorbekleidung sollen Wasser abweisen, Wind und Kälte trotzen – das funktioniert am besten mit Synthetik und chemischer Beschichtung. "Hier sind in erster Linie die Hersteller gefordert – das Wichtigste ist, dass die Materialien langlebig sind. Etwas nicht nach kurzer Zeit wieder wegwerfen zu müssen, ist auch ein Beitrag zum Umweltschutz", betont Huber. Einen Bergschuh etwa sollte man gut und gern zehn Jahre tragen können.

Sportkleidung: Alternative bei Materialen

 Es gebe, was Material betreffe, bereits Alternativen, die bestimmte Hersteller schon nutzen. Etwa Schafwolle. Sie habe gerade bei Nässe hervorragende Wärme- und Isoliereigenschaften, sei sogar antibakteriell. "Letztlich kommt es aber darauf an, wie gut der Verbraucher solche Angebote annimmt." Und: "Synthetische Materialien mögen nach Gebrauch ein Recycling- oder gar Müllproblem darstellen, aber die Schäden, die durch individuelle Mobilität entstehen, wiegen aus meiner Sicht schwerer", sagt Huber.

Flugreisen nicht verteufeln,  aber Zeit in vollen Zügen genießen

Einen Zwiespalt gibt es: Er selbst ist in der ganzen Welt unterwegs, reist viel mit dem Flugzeug. "Das stimmt. Bei Interkontinentalreisen gibt es zum Flugzeug derzeit keine Alternative. Aber ich versuche, das auszugleichen, indem ich bei uns in Mitteleuropa mit dem Zug fahre, rund 20 000 Kilometer im Jahr. Das ist sicher noch nicht das, was langfristig als nachhaltig angesehen werden kann, aber ich versuche, mich substanziell in diese Richtung zu bewegen", beschreibt Huber einen Teil seiner Ökobilanz.  

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Was er Menschen rät, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie ans Urlaubsziel nur mit dem Flieger kommen? "Macht Eure Fernreisen. Aber nehmt Euch Zeit dafür! Das größte Problem verursachen die vielen, billigen Kurzreisen per Flugzeug – sieben Tage Thailand, zwei Tage Mallorca und dann noch auf eine griechische Insel weiterfliegen. Ich bin überzeugt davon, dass mit den Kurzreisen keiner wirklich gewinnt. Erholung kommt vor allem dann, wenn man beim Reisen auch Zeit hat. Deswegen ist es in jeder Hinsicht besser, wenn man sich diese für die Fernreisen entsprechend nimmt", so Huber.

Beliebt: Sport in der Natur

Er selbst bringt seinen Kindern die Begeisterung für Sport und Natur nahe. Kinder sind  sogar sehr gut mit Freizeit- und Sportartikeln ausgestattet. Kunststoff ist  dabei aber allgegenwärtig. "Was ich jetzt sage, wird die Sportindustrie nicht gern hören: Bisher haben wir alles, was die Kinder in Sport und Freizeit brauchen, von der Kleidung übers Rad bis zum Ski, Second Hand in den entsprechenden Läden und den Basaren beim Skiclub und den Vereinen gekauft. Und da bekommst du alles", so Huber. 

Kindern Bewusstsein mitgeben

Und: "Meine Kinder wachsen mit einem anderen Bewusstsein für die Umwelt auf, als meine eigene Generation."

Die Sportbranche habe in puncto Nachhaltigkeit  in Hubers Augen einiges erreicht, aber es gebe noch viel zu tun. Genauso wie sich beim Verbraucherverhalten noch viel tun müsse. Es helfe wenig, wenn Marken die hochwertigsten Artikel nachhaltig produzieren, diese aber nicht den entsprechenden Absatz fänden.

Verbraucher am Zug - Einfluss auf Handel

"Das gilt hier genauso wie bei den besten, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die nicht viel bewirken, solange die große Masse der Lebensmittel agrarindustriell produziert ist".

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