Wirtschaft in der Coronakrise

Keine Reisen, keine Feiern, keine Messen: Taxifahrer in der Region leiden unter Lockdown

Leidet mit den Gastronomen, die nicht aufsperren dürfen – auch finanziell: Andreas Haindl mit seinem Taxi am Busbahnhof in Wasserburg. Durch den Lockdown der Lokale bricht ihm vor allem das Nachtgeschäft weg.
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Leidet mit den Gastronomen, die nicht aufsperren dürfen – auch finanziell: Andreas Haindl mit seinem Taxi am Busbahnhof in Wasserburg. Durch den Lockdown der Lokale bricht ihm vor allem das Nachtgeschäft weg.
  • vonKarheinz Rieger
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Keine Messen, keine Konzerte, keine Oper, keine Flugreisen – das trifft auch die, die die Gäste dort hinbringen. Der erste Lockdown im Frühjahr hat die Taxibranche in der Region bereits schwer getroffen. Nun folgte der zweite Lockdown, der die Unternehmer auf eine noch härtere Probe stellt.

Rosenheim/Mühldorf/Traunstein – Wegen Corona weitgehend zusammengebrochen ist derzeit das traditionelle Taxi-Geschäft, vor allem das in den größeren Städten. Dies bestätigte Thomas Kroker, Geschäftsführer des Landesverbandes bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmer mit Sitz in München auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Kurierdienste als Kerngeschäft

Allerdings gibt es ein starkes Gefälle zwischen städtischen und ländlichen Gegenden. „Grundsätzlich kann man auch von einer Umkehr im Geschäftsbetrieb sprechen“, so Kroker. Was früher Randbereiche im Transportgeschäft betraf, wie Krankentransporte, Schülerfahrten, Besorgungen oder Kurierdienste sei jetzt das Kerngeschäft geworden. Dabei seien ländliche Gegenden im oberbayrischen Raum weniger in Mitleidenschaft gezogen worden, da hier bereits derartige Fahrten häufiger gefragt waren.

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Hotellerie - Gastronomie - Taxi, dieses Dienstleistungsdreieck sei nach Meinung Krokers außer Betrieb auch im Bereich Rosenheim Stadt. Meetings würden vermehrt via Videokonferenz abgehalten, der Tourismus sei stark reduziert. Gründe derzeit auf ein Taxi zu verzichten, gäbe es wegen Corona viele, vor allem da auch Gaststätten und vergleichbares Gewerbe geschlossen seien. Lediglich im Bereich Traunstein und Trostberg seien auch vor Corona bereits Arztfahrten, Schule oder sonstige feste Transporte zu 95 Prozent das Kerngeschäft gewesen.

Fahrer sind in andere Branchen gewechselt

Kein Vergleich also zu München, wo von den 3387 Taxis momentan 1420 eine Befreiung von der Beförderungspflicht beantragt hätten. Fahrer seien zum Teil bereits in andere Branchen gewechselt. Denn 12-Stunden-Schichten mit nur mehr 30 bis 50 Euro Tageseinnahme seien zum Beispiel in der Landeshauptstadt keine Ausnahme mehr. Eine genaue Analyse der Verluste läge regional abgestuft allerdings noch nicht vor. Nachfragen bei örtlichen Unternehmen bestätigen Krokers Aussagen.

„Ein Drittel der erwarteten Einnahmen ist heuer schon weggebrochen“, bedauert Andreas Haindl aus Wasserburg. Im Grunde sei alles aber fast so wie beim ersten Lockdown im Frühjahr. Vor allem das Fehlen des Nachtgeschäftes wegen des Ausfalls von Gastronomie und Veranstaltungen schlügen sich negativ in der Bilanz nieder.

Nur sechs von zehn Fahrzeugen im Einsatz

Beim Flughafentransfer ginge noch „a bisserl was“, das Hauptgeschäft beschränke sich derzeit auf Krankentransporte in die umliegenden Kliniken oder Fahrten zum Arzt. Etwa 20 pro Tag kämen da in der Regel zusammen, allerdings viel weniger als vor Corona. Von seinen zehn Fahrzeugen seien derzeit noch sechs unterwegs, Kurzarbeit musste erneut angemeldet werden. Bis April oder Mai könnte dieser Zustand weiter bestehen, fürchtet Haindl, denn auch Kurierfahrten seien zurückgegangen.

„Obendrauf kommt, dass die angebotene Fahrten von ehrenamtlicher Seite auch zu Einnahmeeinbußen bei uns führen. Diese Dienstleistungen werden ja kostenlos angeboten und daher bevorzugt“, stellt er fest.

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Ähnlich, auch was das Drittel an Geschäftseinbußen betrifft, schaut es bei Enzos Taxi in Mühldorf aus. Von seinen drei Fahrzeugen sind manchmal eines, manchmal zwei im Einsatz. Das Flughafentransportgeschäft sei praktisch ganz zusammengebrochen, stellt Enzo-Geschäftsführer Vincenzo Ciarletta fest. Bis 22 Uhr seien Beförderungen abends aber noch möglich, hauptsächlich genutzt von Fahrgästen am Bahnhof.

„Hygienemaßnahmen werden jedenfalls alle eingehalten“, so Ciarletta. Er nennt die Trennwände zwischen vorderen und hinteren Sitzen, Desinfektion der Türgriffe oder auch das Tragen von Masken seien grundsätzlich die Regel. Dass es bei der Gastronomie und den Abendlokalen Corona-bedingt endlich wieder weniger streng hergehen möge, wünscht er sich für seinen Betrieb und natürlich die Wirte am meisten.

Rund 25 Prozent weniger Einnahmen

Noch niemanden ausstellen musste das Bus- und Taxi-Unternehmen Huber in Haag wegen Corona, obwohl man auch hier etwa 25 Prozent weniger Einnahmen verzeichnet. Grund: Die traditionellen Personenfahrten sind auch hier weitgehend weggebrochen.

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Über die Runden kommt der Betrieb von Jürgen Huber derzeit dennoch, weil ohnehin schon im Vorfeld von Corona etwa 80 Prozent der Fahrten Kranken- oder Patiententransporte waren. Und die fallen wegen Corona nicht aus. Glücklicherweise sei zudem die Physiotherapie nicht Opfer der Beschränkungen geworden und die Kunden wollen oder müssen hingefahren werden. „Bei der ersten Welle waren die Praxen ja zu, das ist dieses Mal glücklicherweise nicht so.“

So könnten von den vier Fahrzeugen drei sicher eingesetzt bleiben, das verbleibende sei aber auch noch nicht abgemeldet worden, so der Firmenchef.

Eingeschränkte Reisetätigkeit

Vornehmlich Flughafentransfers bilden normalerweise das Hauptgeschäft von Andreas Käsweber aus Pfaffing. 85 Prozent dieser Fahrten sind im Lockdown jetzt weggefallen, hauptsächlich auch wegen der eingeschränkten Reisetätigkeit. Von seinen 18 Fahrzeugen sind derzeit noch sechs regelmäßig eingesetzt. Allerdings sei ein Trend bei der Buchung von Sammeltaxis hin zu Einzelbuchungen erkennbar.

Befürchtungen vor einer Ansteckung

„Die Leute befürchten wohl, sich anzustecken, wenn mehrere Leute im Taxi sitzen und fahren dann lieber allein“, stellt Käsweber fest. Mit einer völligen Erholung des Geschäfts rechnet er nicht so schnell, da viele Firmen auf Grund von Erfahrungen mit digitalen Konferenzen künftig vermehrt auf Geschäftsreisen verzichten werden. Mindestens bis Mitte nächsten Jahres werde es trotz Impfstoff wohl enorme Einschränkungen geben, ist seine Prognose. Er bleibt aber generell optimistisch. „Wir stehen das schon durch!“, ist seine Devise.

Nicht für eine Stellungnahme verfügbar waren die Betreiber von Funktaxi Edelweiß in Rosenheim.

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