Jetzt ist auch die Region betroffen: Sparkasse kündigt Prämiensparern

Den Prämiensparkonten aus den Jahren 1993 bis 1998 „gehts an den Kragen“. Sie werden zum Jahresende aufgrund der aktuellen Rechtssprechung wegen der Niedrigzinsen gekündigt. dpa
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Den Prämiensparkonten aus den Jahren 1993 bis 1998 „gehts an den Kragen“. Sie werden zum Jahresende aufgrund der aktuellen Rechtssprechung wegen der Niedrigzinsen gekündigt. dpa
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Jetzt hat es auch die Sparer in der Region erwischt: Die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling kündigt alte Prämiensparverträge auf. Aktuell informieren die Kundenberater die betroffenen Kunden. Die Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG ist davon bis dato nicht betroffen. Sie hat ein anderes Vertragsmodell mit begrenzter Laufzeit.

Rosenheim/Wasserburg/Mühldorf – Aktuell informieren die Kundenberater die betroffenen Kunden. Betroffen sind nach Angaben von Alfons Maierthaler, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, Verträge, die zwischen 1993 und 1998 geschlossen wurden.

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Die Juristen des Geldinstituts sehen nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe keine Alternative. „Wir müssen reagieren“, so Maierthaler auf Nachfrage unserer Zeitung. Sonst würde man sich strafbar machen. Denn: Seit der Finanzkrise sind die Zinsen im Keller. Langjährige Prämiensparer müssen deshalb die Kündigung ihrer attraktiven Altverträge mit hohen Zinsen durch die Sparkassen hinnehmen, wenn sie die einmal vereinbarte Bonusstaffel ausgeschöpft haben.

„Alle Einzahlungen, Prämien und Zinsen aus der Vergangenheit sind gesichert. Die Verträge haben den Höchstsatz erreicht.

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Der Vertrag endet zum Jahresende“, so Maierthaler. Dies sei analog zu sehen, wie wenn der Telefonanbieter den Tarif eines Kunden nicht mehr anbietet und bei gesetzlichen Änderungen et cetera auf einen neuen Tarif umsteigen muss. „Unsere Berater stehen den Kunden mit Rat und Tat im Zuge einer Aufklärungsoffensive zur Seite und bieten Alternativen, die den aktuellen Gegebenheiten angepasst sind, vorzuschlagen und anzubieten“, so der Vorstandsvorsitzende. Bis dato hätten die informierten Kunden verständnisvoll reagiert. Rund 4000 Sparverträge, 14 Prozent aus dem Bestand, sind im Einzugsgebiet der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling betroffen.

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„Wir machen nichts unrechtmäßiges“, betont Maierthaler. Die Verhältnisse hätten sich mit Minuszinsen auf dem Kapitalmarkt geändert. Ähnlich gelagert sei der Fall vor 50 Jahren mit Erbbauzinsen gewesen. Damals habe man auch Anpassungen vornehmen müssen. Der höchstmögliche Ertrag von 50 Prozent war nach dem 15. Jahr erreicht, eine feste Laufzeit beim Prämiensparen nicht vereinbart.

Die Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG schließt Kündigungen momentan aus. Nach Angaben von Mirko Gruber, stellvertretender Vorstandssprecher der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG hat man andere Modalitäten als die Sparkasse. Bei den Prämiensparmodellen habe von jeher die Laufzeiten begrenzt. „Für uns gilt es natürlich auch, wirtschaftlich zu sein. Unsere Juristen prüfen ebenfalls die Konditionen sowie das Gerichtsurteil“, so Gruber. Zur Zeit sehe man bei den Altverträgen aber keinen Handlungsbedarf. Neuabschlüsse wiederum seien entsprechend modifiziert.

Die Stellungnahmen der Sparkassen Wasserburg sowie Altötting-Mühldorf lagen bis Redaktionsschluss nicht vor (Bericht folgt).

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