„Jeder Tag ist ein Kampf“ - Bäckern, Metzgern und Almwirten macht Corona-Krise zu schaffen

Die Versorgung mit Fleisch- und Wurstprodukten ist trotz Corona sowohl in als auch außerhalb der Metzgerei Hilger sichergestellt: Raimund Hilger und sein Team befüllen den Fleischautomaten regelmäßig. Schöne

Der Einzelhandelsverkauf läuft zwar unter verschärften Hygiene-Bedingungen weiter, das für die Betriebe aber ebenso wichtige Geschäft mit Gastronomie und Großabnehmern ist völlig zusammengebrochen.

Rosenheim – Die Corona-Krise spinnt weiterhin ihre Fäden. Die bayerische Staatsregierung hat auch die komplette Schließung von Restaurants und Cafés angeordnet. Das trifft nicht nur Gastronomen, sondern auch Bäckereien, Metzgereien und Hüttenwirte.

Wintersaion schon beendet

Am Sudelfeld wurde die Wintersaison heuer schon drei Wochen früher beendet. Elke Robl, Inhaberin des Berggasthauses Waller-Alm, musste einige ihrer Angestellten nach Hause schicken. „Wir haben viele Mitarbeiter aus Rumänien, die sind schon alle heimgeflogen. Der Rest ist noch unter Kurzarbeit auf der Hütte.“ Die Situation sei schwierig, denn alle Kosten würden weiterlaufen.

Lebensmittel nach Möglichkeit einfrieren

„Die Pacht muss weiterhin bezahlt werden, das ist schon einmal ein Batzen. Hinzu kommen Dinge wie Strom, Wasser und zusätzlich Steuervorauszahlungen, die wir leisten müssen“, erklärt sie.

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Von den Lebensmitteln, die auf Vorrat lagern, würde alles eingefroren werden, bei dem dies möglich ist. „Oben am Berg erscheint die Welt einem noch in Ordnung, obwohl unten alles ganz anders aussieht. Wir können jetzt nur positiv denken und hoffen, dass es bald besser wird“, sagt Robl.

Im Café Bergmeisterwaren letzte Woche die Tische nur noch spärlich besetzt. Durch die neuen Ausgangsbeschränkungen mussten nun auch Cafés und Restaurants komplett schließen.

Mit Einschränkungen hat auch Manfred Miedl, Chef der Bäckerei Miedl, zu kämpfen. „Das Hauptaugenmerk liegt jedoch darauf, die Produktion zu sichern und das haben wir getan. Wir sind Grundversorger und müssen schauen, dass die Bevölkerung weiterhin Nahrungsmittel erhält“, betont Miedl.

Überaus wichtig sei es, die Vorgaben des bayerischen Gesundheitsministeriums bezüglich der Hygienemaßnahmen und Abstandsbeschränkungen einzuhalten. „Bei uns wird in vielen verschiedenen Schichten gearbeitet, sodass sich die Mitarbeiter untereinander möglichst nicht treffen. Da ziehen alle an einem Strang.“

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Mit dieser Einstellung geht auch Peter Wiesholzer, Wirt der Käser-Alm am Samerberg, mit der Corona-Krise um. „Wir müssen jetzt solidarisch sein. Also so wenig wie möglich rausgehen und Kontakt mit anderen Menschen haben“, macht der Wirt deutlich.

Er habe mit Aushilfen gearbeitet und diese nun in den Urlaub geschickt. „Die haben alle noch andere Jobs, da ist das nicht ganz so schlimm. Ab Mai arbeite ich wieder mit fest angestellten Mitarbeitern, da muss ich schauen, wie die Lage ist.“

Da es in der Käse-Alm nur Brotzeiten gibt, hat er nicht viel mit überschüssigen Lebensmitteln zu kämpfen. „Eier und Mehl sind noch zu Kuchenböden verwertet worden, die ich dann eingefroren habe. Der Rest wurde im Verwandten- und Freundeskreis verteilt, das hat gut funktioniert“, so Wiesholzer. Doch auch er sagt, dass die Corona-Krise für ihn irgendwann zur Existenzkrise wird. „Eine gewisse Zeit geht das schon, aber auch nicht ewig.“ Er werde versuchen, Soforthilfen in Anspruch zu nehmen.

Bäckereien sind systemrelevant

Ähnlich wie sein Kollege Manfred Miedl sieht auch Christian Bauer die Bedeutung der Bäckereien, insbesondere in Zeiten wie diesen. „Wir gehören zur kritischen Infrastruktur“, meint der Chef der Bäckerei Bauer. „Auch die Supermärkte sind abhängig von Lieferketten, von uns Bäckern. Wir sind die Produzenten und wir müssen weiter funktionieren.“ Deswegen sei er auch konsequent gewesen und habe schon vor den Ausgangsbeschränkungen in allen Filialen die Cafés geschlossen. „Die Abstandsregelung von 1.50 Meter habe ich für schwer durchsetzbar gehalten und wir wollten da auch keine Diskussionen führen. Unsere Aufgabe ist es, die Grundversorgung zu gewährleisten“, zeigt sich Bauer bestimmt.

Läden bereits umgerüstet

In der Rosenheimer Metzgerei Hilger hat man sich schon für die neue Situation infolge des Coronavirus gerüstet. Alle drei Läden in Rosenheim, Kolbermoor und Stephanskirchen wurden umgebaut und angepasst, erklärt Inhaber Mondi Hilger. „Wir stellen überall Schilder auf, informieren die Kunden und die Mitarbeiter waschen sich nach jedem Kontakt mit Geld die Hände.“ Zudem würde das Ladengeschäft entzerrt, nicht mehr so viele Kunden auf einmal hereingelassen. „Manche haben das zu Beginn gar nicht ernst genommen. Die mussten ermahnt werden, Abstand zu halten. Aber jetzt wird es immer besser.“

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Sorgen machen Hilger die vielen Stornierungen von Restaurants. „Die Gastronomie macht 60 Prozent unseres Umsatzes aus.“ Bis jetzt gibt es noch keine Kurzarbeit in den Metzgereien, aber die Mitarbeiter hätten schon weniger Arbeit. Nichtsdestotrotz müsse niemand Angst haben, dass es in den nächsten Monaten keine Produkte mehr gebe, betont der Chef. Die Herstellung sei hinreichend gesichert: „Trotzdem ist jeder Tag ein Kampf.“

In den Filialen der Bäckerei Bergmeister sind sogenannte Hauchschutze aus Akryl oder Plexiglas installiert worden. „Das sind Abtrennwände aus Acryl oder Plexiglas, die die Kunden von den Verkäufern abschirmen. Unten ist nur eine kleine Öffnung, durch die die Ware hindurchgereicht wird“, erläutert Nicole Bugl.

Sie ist zuständig für die Pressearbeit und weiß, dass die Wände das Ansteckungsrisiko minimieren. „Das Geld wird auch nur noch über die Zahlteller ausgetauscht, jeder Verkäufer hat einen extra Handschuh dafür.“

„Große Unruhe im Personalbereich“

In Zeiten von Corona wird Einkaufen mit möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen immer wichtiger. Deswegen herrscht beim Fleischautomaten der Metzgerei Palmberger auch sehr rege Nachfrage. Der Automat steht direkt vor dem Hauptgeschäft und wird laut Metzgermeister Andreas Palmberger sehr gut benutzt.

Großkunden fallen weg

Durch die kürzlich verhängten Ausgangsbeschränkungen seien Gastronomie und Großverbraucher als Kunden komplett weggebrochen. „Zudem beliefern wir Schulen, Kindergärten und Caterer. Das fällt alles weg“, so Palmberger. Massive Umsatzeinbußen seien die Folge. Das könne mit dem Einzelhandel nicht abgefangen werden. „Wir versuchen mit Hochdruck, den Betrieb aufrechtzuerhalten“, so Palmberger Dazu würden Einlasskontrollen, Fiebermessungen und Fragebögen an die Mitarbeiter gehören. „Es herrscht durch die ganze Situation große Unruhe im Personalbereich“, sagt er.

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