Jeder elfte Haushalt von Armut bedroht

Die Gewerkschaft NGGwarnt vor „Schieflage in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt“. re

Rosenheim/Mühldorf. – Arm trotz Arbeit: Ein großer Teil der 18 100 Menschen, die im Landkreis Mühldorf sowie 16 600 in Rosenheim nur einen Teilzeit- oder Minijob haben, ist nach Einschätzung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) von Erwerbsarmut bedroht – auch weil immer weniger Firmen in der Region nach Tarif zahlen.

„Insbesondere Frauen, die halbtags oder nur einzelne Tage in der Woche arbeiten, fehlt am Monatsende das nötige Geld. Für viele Familien im Kreis ist ein Kinobesuch oder ein neuer Schulranzen längst zum Luxus geworden“, sagt Georg Schneider von der NGG Rosenheim-Oberbayern mit Blick auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Danach ist jeder elfte Haushalt (9,1 Prozent) im Regierungsbezirk Oberbayern armutsgefährdet. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat.

Schneider warnt vor einer „Schieflage in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt. Wer sich um Tarifverträge drückt und auf prekäre Jobs statt Vollzeitstellen setzt, der sorgt für magere Lohnzettel“, kritisiert der NGG-Geschäftsführer. So kommt eine Teilzeitkraft, die 25 Wochenstunden in einer Bäckerei oder Fleischerei arbeitet, die nicht nach Tarif zahlt, auf einen Verdienst von durchschnittlich rund 1000 Euro brutto im Monat. Die Armutsgrenze für eine Familie mit zwei Kindern liegt nach amtlicher Definition hingegen bei aktuell 2174 Euro pro Monat – netto.

„Längst nicht nur Alleinerziehende, sondern zunehmend auch Doppelverdiener haben Schwierigkeiten, über diese Grenze zu kommen.

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