Jahresrückblick 2019: Das bewegte die Wirtschaft in der Region

+
Ein Bild mit Symbolkraft: Aus Kathrein wird Ericsson.

Für manche ging es aufwärts, für manche abwärts. Und für das ein oder andere Unternehmen kam beides im gleichen Jahr. Es war ein bewegtes Jahr 2019 für die Unternehmen in der Region. Es passierte deutlich mehr als die endgültige Übernahme des Rosenheimer Traditionsunternehmens Kathrein durch Ericsson.

Das Ende eine Ära: Ericsson übernimmt Kathrein

Rosenheim - „Beim Kathrein“ zu arbeiten, kam über viele Jahre fast einem Beamtenstatus gleich: Der Arbeitsplatz galt als sicher, viele Mitarbeiter waren über Jahrzehnte im Unternehmen beschäftigt. In den vergangenen Jahren änderte sich das, die Firma geriet zunehmend in Schieflage und musste Hunderte Stellen abbauen.

Auch mithilfe eines Sanierungsexperten war Kathrein als eigenständiges Familienunternehmen nicht zu retten. Am 1. Oktober 2019 übernahm der schwedische Telekommunikationskonzern Ericsson mit dem Antennen- und Filtergeschäft das Herzstück von Kathrein – und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr.

Licht und Schatten bei Marc O'Polo

Stephanskirchen - Es ging gut los, das Jahr 2019: Die Marc O’Polo AG möchte am Firmensitz in Waldering, einem Ortsteil von Stephanskirchen, auf 1100 Quadratmetern ein „House of product and design“, also Vermarktungs- und Ausstellungsfläche sowie Büros für die Designer, errichten. Zwar sind durch die Planung Grund- und Geschossflächenzahl ausgereizt, aber weder Landratsamt noch Gemeinde haben Einwände. Mehr Platz, mehr Büros, mehr Autos? Vielleicht, aber das Textilunternehmen hat schon bisher mehr Parkplätze angelegt, als es hätte tun müssen. Und plant für die Erweiterung 70 Stellplätze, davon eine Tiefgarage mit mindestens 25 Stellplätzen – möglicherweise auch deutlich mehr.

Die Marc O'Polo-Zentrale in Stephanskirchen.

In der zweiten Jahreshälfte trifft es die Marc O‘Polo AG, Jahresumsatz 2017/2018 440 Millionen Euro, hart: Das Modehaus wird Ziel eines Cyber-Angriffs. Die Attacke habe eine Störung des IT-Systems in größerem Umfang verursacht, so ein Sprecher des Hauses gegenüber der Heimatzeitung. Auch das Kommunikationssystem war beeinträchtigt.

Krones durchlebt ein schwieriges Jahr

Rosenheim/Raubling - Die Krones AG, weltgrößter Hersteller von Getränkeabfüllanlagen aus Neutraubling, durchlebt ein schwieriges Jahr. Der Gewinn schrumpft um vier Fünftel zusammen.

Das Unternehmen mit Standorten in Rosenheim und Raubling verhängt einen Einstellungsstopp und besetzt Stellen nicht nach. 2020 soll der Stellenabbau laut einer Sprecherin weitergehen.

Meggle verleiht zum achten mal seinen Gründerpreis

Wasserburg - Bayern Ministerpräsident Markus Söder überreichteheuer den achten Meggle-Gründerpreis. Platz eins errang das Design- und Projektmanagement Oberhaizinger IDP aus Marktl am Inn, auf den zweiten Platz kam die Chiemgauer Genussmanufaktur in Palling, Rang drei ging an die Rotmilan Holzgestaltung in Frasdorf.

Die Prämie von 50 000 Euro wurde unter den drei Preisträgern aufgeteilt.

Philipp Lahm will Pflegeproduktehersteller Sixtus nach Bad Aibling verlegen

Bad Aibling - Mit weniger Mitarbeitern und externer Produktion will Ex-Fußballprofi Philipp Lahm seinen Pflegeproduktehersteller Sixtus nach Bad Aibling verlegen.

In der Kurstadt soll das Geschäft ab 2020 mit der Geschäftsführung, einer weiteren Mitarbeiterin und einer Auszubildenden fortgesetzt werden. Im Vorfeld dazu gab es Kündigungen.

Hefter stabilisiert trotz Insolvenz seinen Umsatz

Prien - Das Priener Unternehmen Hefter Maschinenbau meldete im August 2019 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Auslöser war ein überraschender Umsatzrückgang um 20 Prozent: Konjunkturbedingt mussten wichtige Kunden Aufträge verschieben. Grund zur Hoffnung gibt ein potenzieller Investor für die 160 Mitarbeiter am Standort Prien – und eine neuerliche gute Auftragslage.

„Das ist in dieser Situation, trotz Insolvenz und Konjunkturschwäche, etwas Besonderes und der guten Vertriebsarbeit und dem Zusammenhalt unter den Mitarbeitern zu verdanken“, so Sanierungsspezialist und Geschäftsführer Wolfgang Ströbele. Die Neuausrichtung dauere bis ins erste Quartal 2020 an.

Bankenhochzeit: Fusion von VR-Bank Rosenheim-Chiemsee und Altötting

Rosenheim/Altötting - Eine „Elefantenhochzeit“ auf dem Bankensektor sorgte für Aufmerksamkeit: Um sich für die Zukunft zu rüsten, haben sich die Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG und die VR meine Raiffeisenbank eG mit Sitz in Altötting zusammengeschlossen. Mit der Fusion bilden sie deutschlandweit drittgrößte Volksbank-Raiffeisenbank.

Wermutstropfen: Die VR-Bank Rosenheim Chiemsee musste ihr Prestigeprojekt „Volksbankhaus“ in Rosenheim, Bahnhofstraße, stoppen. Das Risiko aufgrund des Rosenheimer Seetons im Untergrund wird als zu hoch erachtet.

Damit sollen die Weichen für eine sichere und wettbewerbsfähige Zukunft für ihre über 123 000 Mitglieder und 320 000 Kunden gestellt werden. Zusammen wird das Bankhaus über 1300 Mitarbeiter haben. Die dezentralen Standorte und damit das Geschäftsstellennetz (101 Filialen) sollen erhalten bleiben.

Schön-Klinik streicht Stellen und verlagert weg von Prien

Prien - Diese Nachricht schockierte Anfang Oktober Prien: Die Schön-Klinik-Gruppe streicht bis zu 90 Arbeitsplätze in der Zentralverwaltung (gesamt 350 Mitarbeiter) und verlagert nach über 30 Jahren den Verwaltungssitz weg vom Chiemsee nach München, in Flughafen-Nähe.

Hintergrund: Man will das Unternehmen für die Zukunft rüsten und internationaler ausrichten, heißt es von Seiten der Geschäftsführung. Und: Man erwartet sich eine Kosteneinsparung von bis zu zehn Millionen Euro. Die Umstrukturierung soll bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Der Klinikbetrieb Roseneck wird indes in Prien verbleiben.

Innovationszentrum: Cohu baut und mauert

Kolbermoor/Rosenheim - Aus Multitest wird Cohu: Mit der Übernahme des Traditionsunternehmens in Rosenheim fallen etwa 200 Stellen weg. Weitere rund 200 Mitarbeiter sollen eine neue Perspektive am Cohu-Standort in Kolbermoor erhalten, heißt es zur Jahresmitte. Dort entsteht ein Innovationszentrum, in dem zukunftsweisende Maschinen und Kontaktierungen entwickelt, konstruiert sowie deren Prototypen gefertigt und in Betrieb genommen werden sollen.

Zum Stand der Dinge und zur Zukunft der Mitarbeiter will sich Cohu offenbar nicht äußern: Anfragen der OVB-Heimatzeitungen lässt das Unternehmen unbeantwortet.

Autohaus Weinberger: Lange Firmengeschichte endet mit Insolvenz

Wasserburg - 1965 wurde es gegründet, 54 Jahre später ist Schluss: Am 1. Januar 2019 wurde das Insolvenzverfahren über das Autohaus Weinberger mit Sitz in Wasserburg und einer Niederlassung in Rosenheim eröffnet.

Etwa 100 Fahrzeuge aus dem Bestand wurden bei einer Auktion im vergangenen Frühjahr zu Geld gemacht.

Stellenabbau bei Schletter: Solar-Zulieferer beendet Produktion in Kirchdorf

Kirchdorf - Schlechte Nachrichten kommen im Spätherbst für die Produktionsmitarbeiter von Schletter: Der Solar-Zulieferer plant, seine Produktion vollständig ins Ausland zu verlagern und nicht mehr am Firmensitz in Kirchdorf bei Haag zu fertigen. Bislang werden dort noch Edelstahl-Dachhaken und Gestelle für Freiland-Solarmodule produziert, außerdem erledigen die Mitarbeiter Vormontage-Arbeiten.

Der Solar-Zulieferer Schletter beendet seine Produktion in Deutschland, rund 50 Stellen fallen weg.

Rund 50 Arbeitsplätze fallen im Lauf des ersten Halbjahrs 2020 weg. Man wolle die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter ausbauen, teilt das Unternehmen mit. Die Produktion in Kirchdorf zu beenden, sei „ein strategisch richtiger und konsequenter Schritt“, sagt Schletter-Geschäftsführer Florian Roos.

Schattdecor eilt vom Umsatztief zum Rekordjahr

Thansau – Nachfragedelle und Kurzarbeit: Im ersten Quartal sieht es nicht gut aus für Schattdecor, Weltmarktführer bei Dekordrucken. Umso besser läuft es in den Monaten danach. 2019 macht die Gruppe erstmals mehr als 800 Millionen Euro Umsatz.

Röther-Gruppe übernimmt Escape

Brannenburg – Aufatmen bei vielen Mitarbeitern der insolventen Escape Clothing GmbH in Brannenburg: Sie werden vom neuen Eigentümer, der Ganemi GmbH, weiterbeschäftigt. Diese gehört zur Röther-Gruppe, die denJeans-Spezialisten Escape zum 31. Juli übernimmt und als „Timezone“ GmbH firmiert. Damit einher geht der Escape-Umzug nach Rosenheim.

Kommentare