50 Jahre, eine Firma: Bei Ernst Deml und der Schreinerei Zangerl aus Rott hat's funktioniert

Ernst Deml bedient die computergesteuerte Plattensäge in der Schreinerei Zangerl, für die er 50 Jahre lang tätig ist. Kirchgraber

Man muss sich eigentlich nicht erst die Statistik ansehen, um zu verstehen, dass die Geschichte von Ernst Deml eine besondere ist. Seit 50 Jahren arbeitet er in ein und derselben Firma, der Max Zangerl GmbH in Rott.

Von Thomas Kirchgraber

Rott – Im Jahr 2017 verblieben Mitarbeiter im Schnitt zwar immerhin 11,2 Jahre in ein und dem selben Unternehmen, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) berechnet hat. Im Vergleich zur Betriebszugehörigkeit von Ernst Deml ist das schon fast wenig.

Eine naheliegende Entscheidung

Die Wahl seines Arbeitgebers ging er vor mehr als 50 Jahren pragmatischer an, als das die meisten Jugendlichen heute tun. „Ich wollte schon immer Schreiner werden“, erinnert sich der Betriebs-Jubilar, „und der Betrieb von Max Zangerl lag halt günstig in der Nähe.“

Die Ausbildung dort war grundsolide. Zuerst einmal lernte der Lehrling die Grundlagen des Schreinerhandwerks: das Zinken, also das Herstellen von Schwalbenschwänzen für Steckverbindungen, dann das Zapfen zum Verbinden von Holzteilen oder das Herstellen von Fußschemeln und das Setzen von Furnieren.

Vom Lehrling zum Gesellen und wie es weiterging

Deml half mit bei der Herstellung von Bank-Mobiliar und fertigte die Schrankauszüge zum Sortieren von Formularen und Auszügen – damals noch Schreinerarbeiten, in Massivholz ausgeführt. Später ersetzte der Werkstoff Stahl viele der Holzteile und die Computer übernahmen die Archivierung statt der Aktenschränke.

Er wusste, was er an seinem Arbeitgeber hatte

Später, als er vom Lehrling zum Gesellen und zum respektierten „Altgesellen“, also zum Abteilungsleiter aufgestiegen war, widerstand er Angeboten anderer Firmen. Für ihn gab es mehrere Gründe dafür. „Ich wusste schon immer, was ich am Zangerl hatte. Solide Arbeitsbedingungen, die Aufträge gingen nicht aus – und das Geld für meine Entlohnung auch nicht!“

Die Gesellen waren damals die unmittelbaren Chefs, nach drei Jahren stieg er selbst auf, die Hierarchien wurden flacher, die Arbeit im Team immer wichtiger. „Und es kam auf die Persönlichkeit und das Können des Altgesellen an, um respektiert zu werden“, erinnert sich Ernst Deml.

Das Unternehmen veränderte sich

Auch der Personalstand stieg: 1969 waren es noch 13 Angestellte, heute sind es 40. Die Firma wandelte sich vom reinen Fertigungsbetrieb zu einem Planungs-Unternehmen, das die Qualität der eigenen Entwürfe schnell und flexibel umsetzt.

Dazu computergesteuerte Maschinen, die nahezu jegliche handwerklichen Schritte ausführen können. Ernst Deml hat all das mitgetragen. „Ich kann halt beides - das Arbeiten mit dem Holz und das Steuern mit dem Computer. Gelernt ist halt gelernt!“

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Selbstständig hätte sich Ernst Deml schon auch machen können. Doch er entschied sich bewusst dagegen. Die Unterlagen für diesen Schritt lagen schon daheim auf dem Tisch. Doch warum sollte er eine sichere Position aufgeben, die ihm beruflich alle Freiheiten ließ, die er wollte? Zudem stand der Bau des eigenen Hauses an und da brauchte Ernst Deml finanzielle Sicherheit.

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Und so vergingen die Jahre. Auch mit neuem Chef änderte sich nichts an Ernst Demls Treue zum Unternehmen. „Als ich anfing, hat der Bub vom Senior, der kleine Max, gerade zum Laufen angefangen“, erinnert sich Betriebsjubilar Ernst Deml.

„Jetzt ist er schon seit vielen Jahren mein Chef und hat mich überredet, über meinen Ruhestand hinaus noch für ein paar Tage in der Woche auszuhelfen. Da habe ich gerne zugesagt. Schließlich hat man mir ja auch seinerzeit erlaubt, für meine selbst gebauten Möbel die Maschinen im Betrieb zu nutzen.“

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