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Insolvenz bei Hefter: Krise im Maschinenbau erreicht Prien

Saniert sich in Eigenverwaltung: Hefter Maschinenbau am Standort Prien. Hier arbeiten derzeit 160 Mitarbeiter und 25 Azubis. Berger, re

Das Priener Unternehmen Hefter steht für Qualität im Maschinenbau und blickt auf eine über 50-jährige Tradition zurück. Nun ist der Betrieb in eine Umsatzkrise geraten und hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.

Prien – Die Geschäftsführung von Hefter Maschinenbau und Hefter Cleantech hat am vergangenen Donnerstag Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Auslöser für die Insolvenz war, wie Egbert Hartmann aus der Geschäftsführung unserer Zeitung erklärt, ein plötzlicher Umsatzrückgang um 20 Prozent: „Einige wichtige Kunden mussten ihre Abrufe von bestellten Maschinen zeitlich verschieben.“ Hartmann betont, dies beschränke sich nicht auf eine bestimmte Branche. Gespürt habe man den konjunkturellen Rücksetzer vorher zwar schon, aber dass es so schnell in die Krise gehen würde, habe den Maschinenbauer überrascht.

Bestellte Maschinen wurden verspätet abgerufen

Jetzt gilt die Sorge der Geschäftsführung den 160 Mitarbeitern und den 25 Azubis am Standort Prien: „Wir hatten den Mitarbeitern freilich keine schöne Botschaft zu überbringen, aber sie stehen zur Firma und wir stehen zu den Beschäftigten. Für die Auszubildenden sieht es positiv aus, für sie ändert sich erst einmal nichts.“

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Grund zur Hoffnung macht ein potenzieller Investor, genauer gesagt, seien gleich mehrere mögliche Käufer an Hefter interessiert, so Hartmann weiter. Schon länger vor der Umsatzkrise habe man sich mit dem Gedanken getragen, einen Investor ins Boot zu holen. Dann hätten sich die Ereignisse überschlagen. Dass es einmal zur Insolvenz kommen würde, sei am Anfang des Investorenprozesses nicht abzusehen gewesen. Nun aber gebe es einen konkreten Interessenten.

Zu Details will sich Hartmann zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern, nur so viel: Man wünsche sich, dass die strategische Ausrichtung zum Priener Traditionsunternehmen Hefter passe und der Investor idealerweise auch einen mittelständischen, familiären Hintergrund mitbringe.

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Gegründet wurde der Maschinenbauer 1963 in Prien von Georg Hefter, das erste Serienprodukt war ein Schleifbock mit Mehrfachnutzen. Hartmann selbst ist seit neun Jahren in der Geschäftsführung, unterstützt wird er dabei seit Kurzem vom Sanierungsspezialisten und Partner der TrueNorth Management Consultants, Wolfgang Ströbele, der seit August zusätzlich als CRO in die Geschäftsführung berufen wurde.

Geschäftsbetrieb läuft weiter

Beide haben nun die Aufgabe, das ins Schlingern geratene Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Hilfe bekommen sie dabei von den Restrukturierungsexperten der Düsseldorfer Kanzlei Baker Tilly und deren Partner Jens Weber. Die Kanzlei ist auf Unternehmensfortführungen in Eigenverwaltung spezialisiert.

Baker Tilly informiert, dass die Geschäftsbetriebe der Hefter Maschinenfabrik und der Hefter Cleantech unter der Leitung von Hartmann und Ströbele ohne Einschränkungen, aber unter der Aufsicht eines vorläufigen Sachwalters, fortgeführt werden. Hierzu bestellt hat das als Insolvenzgericht zuständige Amtsgericht Rosenheim den Rosenheimer Rechtsanwalt Dr. Michael Miersch.

Komplettverkauf geplant

Wie Baker Tilly weiter informiert, seien die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter über das Insolvenzgeld gesichert. Kunden und Lieferanten seien persönlich über den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen informiert worden.

„Wir werden die Sanierung in Eigenverwaltung nutzen, um die Gesellschaft finanzwirtschaftlich neu aufzustellen“, stellt Hartmann die Ziele der Geschäftsführung vor und fügt an, man habe die Lage im Griff. Bei Hefter ist man zuversichtlich, den Investorenprozess noch im Laufe dieses Jahres abzuschließen. Geplant sei ein Komplettverkauf, keine Beteiligung.

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Bei Hefter hofft man jedoch, dass der seit über 50 Jahren bekannte Firmenname bestehen bleiben wird. Dieser sei bei Kunden und Lieferanten etabliert und nach wie vor positiv belegt, „wenn möglich soll sich daran nichts ändern.“

Maschinenbauer blicken pessimistisch in die Zukunft

Hefter ist nicht der einzige Maschinenbauer, der in Schieflage geraten ist. Insgesamt erreichte im zweiten Quartal des Jahres ein regelrechtes Tief die Branche, wie das jüngste Maschinenbau-Barometer der Beratungsgesellschaft PWC deutlich zeigt: Demnach sind die Konjunkturerwartungen des deutschen Maschinenbaus stark gesunken.

Nur noch rund 36 Prozent der Entscheider blicken für die nächsten zwölf Monate optimistisch auf die inländische Konjunktur. Entsprechend haben viele Unternehmen ihre Umsatzprognosen nach unten korrigiert. Im ersten Quartal waren noch 45 Prozent der Maschinenbauer besserer Stimmung, 2018 zum gleichen Zeitpunkt immerhin 68 Prozent.

Über 50 Jahre Firmengeschichte

1963 gründete Georg Hefter in Prien den gleichnamigen Maschinenbaubetrieb. Zunächst auf 80 Quadratmetern, dann wächst das Unternehmen rasch. 1966 folgt der Umzug auf das heutige Firmengelände in der Bernauer Straße. 1974 entwickelt Hefter Geräte zur Registrierung von Lottoscheinen. 1987 wurde die erste Koordinatenstanzmaschine installiert. Einen Schwerpunkt bilden Entwicklung und Produktion von Dosier- und Dosier-Mischanlagen zur Verarbeitung von Kunststoffen.

1993 wird Hefter Cleantech gegründet; die weltweit einzige Reinigungsmaschine mit variabler Arbeitsbreite wird vorgestellt. 1995 freut man sich über den ersten 3D-CAD Arbeitsplatz, drei Jahre später erwirbt Hefter die Firma Systemform. Im Jahr 2000 bringt Hefter einen autonomen Reinigungsroboter auf den Markt. 2004 eröffnet Hefter die Produktion in Ungarn, steigt 2010 in den 3D-Druck ein.

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