IHK-Regionalausschuss tagt in Schwindegg - „Die weitere Entwicklung ist ein offenes Szenario“

Beim IHK-Regionalausschuss in Schwindgg: (von links) Herbert Prost, Leiter der Geschäftsstelle IHK Mühldorf, Dr. Robert Obermeier, IHK für München und Oberbayern, Ingrid e-Osl, Vorsitzende IHK-Regionalausschuss, und Roland Kamhuber, Bürgermeister Schwindegg.
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Beim IHK-Regionalausschuss in Schwindgg: (von links) Herbert Prost, Leiter der Geschäftsstelle IHK Mühldorf, Dr. Robert Obermeier, IHK für München und Oberbayern, Ingrid e-Osl, Vorsitzende IHK-Regionalausschuss, und Roland Kamhuber, Bürgermeister Schwindegg.

Skeptische Töne beim Treffen des IHK-Regionalausschusses – Auftragslage bei neuen Aufträgen zum Teil bei Null. Treffen des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf in Schwindegg. Viel Branchen mussten Kurarbeit anmelden. Ein Lichtblick für die Inn-Salzach-Region sei, dass die Einbrüche im bayernweiten Vergleich relativ moderat sind.

Von Nicole Sutherland

Mühldorf/Schwindegg – Die Corona-Krise stellt die Wirtschaft vor große Herausforderungen. „Die weitere Entwicklung ist ein offenes Szenario bis heute. Der notwendige Lockdown zieht ungeahnte Folgen nach sich“, betonte die Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf, Ingrid Obermeier-Osl, bei einem Treffen in Schwindegg.

Die Relevanz des Themas ließ sich an der hohen Teilnehmerzahl der Versammlung ablesen. Eine Umfrage unter den Teilnehmern des Regionalausschusses ergab, dass einige Betriebe mit dem Abbau von Überstunden und Betriebsurlaub über die Runden kamen. Viele Branchen mussten Kurzarbeit anmelden.

Neuauftragslage gleich Null

In mehreren Unternehmen wurden nur noch vorhandene Aufträge abgearbeitet und die Neuauftragslage ist gleich Null. Andere Unternehmen hingegen boomen. So zum Beispiel der Hobbygärtner- und der Computerbedarf. Das Verbraucherverhalten wurde allgemein als vorsichtig eingeschätzt, die Kunden als verunsichert. Die Gastronomie beklagte das Ausbleiben der Gäste in den Biergärten. Supermärkte hingegen verzeichneten durch die Hamsterkäufe verdreifachte Umsätze und konnten auch mehr Personal einstellen.

Umsatzsreuersenkung bringt hohen Verwaltungsaufwand

Die Unternehmer der Region waren durchwegs aufgebracht wegen der Umsatzsteuersenkung. Sie bringe allgemein hohen Verwaltungsaufwand, lautete das Credo. Im Bankgewerbe sei ein Innovationsschub zu bemerken. Viele Banken akzeptieren nun elektronische Dokumente und arbeiteten in der Krise mit Videokonferenzen.

Dr. Robert Obermeier von derIHK für München und Oberbayern zeichnete ein dunkles Bild der bayerischen Wirtschaft. „Sie ist abgestürzt und befindet sich in der Wirtschaftskrise“, sagte er. Und: „Glauben Sie derzeit keiner Prognose.“ Denn keiner habe ein verlässliches Modell, um zu sagen, wie es wird. In die Vergangenheit zu schauen, um die Zukunft zu prognostizieren, funktioniere hier nicht. Zum Beispiel sei der Markt für Busreisen für ältere Leute völlig eingebrochen. Der Markt für Wohnmobile als Reisealternative boome hingegen. Ausbleibender Umsatz und laufende Ausgaben führen bei rund einem Fünftel der Unternehmen zu Liquiditätsschwierigkeiten. Sie müssen daher Kosten senken. Die staatliche Soforthilfe soll dazu beitragen, liquiditätsbedingte Insolvenzen abzuwenden. Jedoch sagen laut Dr. Robert Obermeier 82 Prozent, sie brauchen keine weitere staatliche Unterstützung mehr. Ein Lichtblick für die Inn-Salzach-Region sei, dass die Einbrüche im bayernweiten Vergleich relativ moderat sind.

Möglichkeiten der Entlastung für Kommunen ist begrenzt

Auf die Bedeutung der Gewerbebetriebe für die Kommunen wies Schwindeggs Bürgermeister Roland Kamhuber (CSU) als Gastgeber beim Regionalausschusstreffen hin. Als Ausbildungsstätten trügen sie zur Ortsentwicklung bei. Weil der Wettbewerb derzeit härter werde, käme es darauf an, frühzeitig zu erkennen, wohin die Entwicklung geht, sagte er im Bürgerhaus

Max Heimerl (CSU) gab als Mühldorfer Landrat und Chef des Gesundheitsamtes einen Überblick über die Corona-Zahlen im Landkreis. Von 500 Infizierten im Landkreis gab es 27 Todesfälle. Inzwischen hat der derzeit letzte Corona-Patient das Krankenhaus in Mühldorf verlassen. „Das Infektionsgeschehen im Landkreis hat sich extrem beruhigt“, so Heimerl. Je mehr Lockerungen es gibt, desto mehr Disziplin werde gebraucht. Und auch wahr wäre, dass wir so niedrige Zahlen haben, weil sie hart erarbeitet sind. Mit Prognosen – unter anderem zur Kreisumlage – will Heimerl bis zum Herbst warten. Der Landkreis Mühldorf sei höchst verschuldet, daher sei die Möglichkeiten der Entlastung für die Kommunen begrenzt. Nicole Sutherland

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