IHK-Präsident Eberhard Sasse findet bei CSU-Veranstaltung in Kolbermoor deutliche Worte

Der Präsident der IHK für München und Oberbayern, Eberhard Sasse, rief die Unternehmer zu „Leidenschaft, Mut und Zuversicht“ auf.

Die CSU hatte eingeladen, rund 100 Gäste aus Wirtschaft und Politik kamen. Sie erlebten in den Räumlichkeiten von Premium Cars in Kolbermoor den Präsidenten der IHK für München und Oberbayern, Eberhard Sasse, der sich in deutlicher Weise zu den Verhältnissen in Wirtschaft und Politik äußerte.

Kolbermoor – „Wir brauchen in unseren Betrieben wieder Leidenschaft, Mut und Zuversicht.“ Das war eine der Kernbotschaften, die Dr. Eberhard Sasse für seine Zuhörer hatte. Der Präsident der IHK für München und Oberbayern sprach vor rund 100 geladenen Gästen – Unternehmer und Politiker aus der Region – auf einer Veranstaltung der CSU Rosenheim mit dem Titel „Wirtschaft und Politik im Gespräch“.

Ungleichgewicht trotz besserer Stimmung

Die Stimmung in der Wirtschaft habe sich nach einer jüngsten Umfrage der IHK unter rund 3600 Unternehmern zwar stabilisiert, so Sasse. Unter dem Strich würden die Signale für 2020 sogar ein verhaltenes Wachstum signalisieren. Dennoch dürfe das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wirtschaft im Ungleichgewicht sei. Neben dem „Turbo“ der Bauwirtschaft, die nach wie vor boome, gebe es andere Bereiche wie etwa Automotive oder die Maschinenindustrie, die mit Rückgängen von circa 15 Prozent zu kämpfen habe.

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„Für Politiker wie Kevin Kühnert bedeuten diese Zahlen nur eine Schmälerung der Unternehmergewinne, sind also vertretbar, in Wahrheit gehen sie jedoch an die Rücklagen“, sagte Sasse. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD übersehe bei seinen Überlegungen noch einen weiteren wichtigen Punkt: Rund 95 Prozent der 3,6 Millionen Unternehmen in Deutschland seien keine Großkonzerne, sondern Familienbetriebe. Und für die stelle ein Angreifen der finanziellen Rücklagen immer auch die Frage nach der Möglichkeit des dauerhaften Überlebens.

„Zerrbild des Unternehmers“

Mit dieser Kritik nahm Sasse Gedanken auf, die Willi Bonke und Andreas März zuvor bei ihren Grußworten geäußert hatten: Sie hatten beklagt, dass derzeit ein Zerrbild des Unternehmers gezeichnet werde und dafür tiefere gesellschaftliche Entwicklungen verantwortlich gemacht. Willi Bonke, Geschäftsführer der Firma Premium Cars, in deren Räumen die Veranstaltung stattfand, sprach von einem „Kulturkampf gegen das Auto“, der derzeit geführt werde und das sei ein Kampf gegen eine Industrie, die den deutschen Wohlstand sichere.

Andreas März, Vorsitzender des Bezirks Rosenheim im Wirtschaftsbeirat Bayern, fasste diese Kritik noch weiter: Es gehe im Prinzip um Angriffe auf die gesamte Idee der sozialen Marktwirtschaft, die doch die Erfolge der letzten siebzig Jahre möglich gemacht habe. Mehr noch: „Letztendlich geht es dabei sogar um einen Angriff auf die Gesellschaft: Wer Ökologie gegen Ökonomie auszuspielen versuche, treibt einen Spalt in einen gesellschaftlichen Zusammenhalt, der uns hat groß werden lassen“, so März.

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Einschätzungen, die inhaltlich auch von den CSU-Landtagsabgeordneten Otto Lederer und Klaus Stöttner geteilt wurden, Einschätzungen denen auch Sasse nicht widersprach, die er aber als Aufforderung zum Handeln interpretiert haben wollte. „Aufhören zu jammern, stattdessen Ärmel aufkrempeln“ sei die Devise, wobei er mit Ärmel aufkrempeln durchaus auch ein aktives Zugehen auf die Politik meinte. Man müsse den Politikern mit den eigenen berechtigten Forderungen lästig sein, sich unter den Politikern auf die stützen, die ihrerseits bereit und mutig genug wären, in ihren Parteien und Gremien selbst wieder unangenehm zu werden.

Forderung nach neuem Steuersystem

Als konkrete Forderungen nannte Sasse dabei ein „vernünftiges Steuersystem“, das die Gesamtsteuerbelastung der Unternehmen von derzeit 30 Prozent auf die international üblichen 25 Prozent senke. Weitere Stichworte waren die Senkung der Energiekosten, die in den letzten zehn Jahren um rund 70 Prozent gestiegen seien, sowie der Bürokratieabbau: „Den Unternehmern müssen die Fußfesseln abgenommen werden“, forderte Sasse und das Mittel dazu seien keine Gremien, in denen ausführlich und grundsätzlich diskutiert werde: „Grundsatzgremien erinnern mich daher immer etwas an den Berliner Flughafen“, sagte der IHK-Präsident, „was jetzt gefragt ist, ist entschlossenes Handeln“.

Denn eines, so Sasse, sei klar: Wenn man jetzt nichts unternehme, sei Deutschland in der Tat dabei, den Anschluss an die Weltwirtschaft zu verlieren. „Wenn wir aber handeln, werden wir wieder an der Spitze stehen“. Das sei die Leitlinie, an der sich die Unternehmer orientieren und die sie vor allem an ihre Mitarbeiter weitergeben müssten: Aufbruchsmentalität entwickele sich immer auch aus der Basis heraus.

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