Meine Volksbank Raiffeisenbank

Hubert Kamml übergibt das Zepter bei Bayerns größter Genossenschaftsbank

Hubert Kamml, der Vorstandsvorsitzende der „Meine Volksbank Raiffeisenbank eG“, geht in den Ruhestand.
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Hubert Kamml, der Vorstandsvorsitzende der „Meine Volksbank Raiffeisenbank eG“, geht in den Ruhestand.
  • vonKatharina Heinz
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Für die und mit den Menschen in der Region zu arbeiten, das war und ist für Hubert Kamml wichtig. Jetzt geht der 60-Jährige in Rente, gibt den Vorstandsvorsitz der „Meine Volksbank Raiffeisenbank“ auf. Jetzt ist Zeit für Genuss.

Rosenheim – Hubert Kamml sitzt entspannt am großen Konferenztisch im obersten Stockwerk der Volksbank Raiffeisenbank-Hauptverwaltung in der Tegernseestraße. Er hat im Laufe seiner Karriere schon viele Zeitungsinterviews gegeben. Und dennoch ist es heute ein besonderer Anlass. Denn es wird eines der letzten Gespräche mit Pressevertretern sein, das Kamml als Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftsbank führt. Zum Jahresende verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Der Zeitpunkt passt einfach

„Ich werde vollständig ausscheiden und alle Ämter in Zusammenhang mit der Bank abgeben“, sagt Kamml. Nicht, weil der 60-Jährige muss. Sondern weil der Zeitpunkt dafür passt, wie er erklärt. Das Geldinstitut befinde sich in einer „super Position“ und insbesondere die Verschmelzung von Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG und der „VR meine Raiffeisenbank eG“ aus Altötting im Juli sei ein großer Erfolg gewesen.

Sein erster Chef gab die Initialzündung

An seine eigene Zeit als Nachwuchskraft im Bankengeschäft erinnert sich der Grassauer gut. Seinen Berufsweg begann er 1977 mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Volksbank in Prien. Sein damaliger Chef, Gerhard Ruf, habe ihn gefördert. Der junge und dynamische Vorstand habe bei ihm die Initialzündung ausgelöst, sich in der Branche weiterzuentwickeln.

Größte Genossenschaftsbank Bayerns

Nach einer Weiterbildung zum Verbandsprüfer und einigen Jahren im privaten Bankgewerbe wechselte er zur Genossenschaftsbank. Seit 1999 ist Kamml Vorstandsvorsitzender des Geldinstituts, das nach mehreren Verschmelzungen inzwischen „Meine Volksbank Raiffeisenbank eG“ heißt und die größte Genossenschaftsbank Bayerns sowie die drittgrößte in Deutschland ist.

Mathematische Begabung und Rechentalent

„Eine mathematische Begabung und ein Talent zum Rechnen hatte ich schon immer“, so Kamml. Doch in seiner Funktion als Bank-Vorstand waren ihm nicht nur die Zahlen, sondern auch die Menschen wichtig. „Einer für alle und alle für einen“ – dieses Motto der genossenschaftlichen Idee gefällt ihm besonders.

Arbeitgeber für 1300 Mitarbeiter

Denn für die Genossenschaftsbank sei der Gewinn kein Selbstzweck, sondern eine Notwendigkeit, um das eigentliche Ziel zu erreichen: Die Mitglieder der Gemeinschaft zu fördern. „Wir arbeiten für und mit den Menschen der Region“, betont er. Etwa als Arbeitgeber für über 1300 Mitarbeiter, als Kreditgeber für kleine und mittlere Unternehmen oder auch als Unterstützer sozialer Zwecke.

In der Krise investieren

Doch die Genossenschaftsbank ist auch mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Neben der Niedrigzinsphase nennt Kamml die aktuelle Notwendigkeit, in neue Felder zu investieren. Gerade in Corona-Zeiten und durch zunehmende Konkurrenz aus dem Internet sei eine Investition in die IT wichtig. Entwicklungen wie die Baufinanzierungs-App „Laura“ kosteten zunächst Geld und bringen nicht gleich einen Gewinn. Doch auch hier helfe die Verschmelzung, durch die man schlagkräftiger geworden sei und Synergien nutzen könne.

Arbeitsplätze in der Region sichern

Mit Blick auf die Corona-Pandemie betont der Vorstandsvorsitzende auch die Bedeutung von nachhaltigem Handeln. Es sei jetzt besonders wichtig, Arbeitsplätze in der Region zu sichern und den Wirtschaftskreislauf in der Region zu stärken. Sein Geldinstitut betrachtet er als gut aufgestellt: „Die Herausforderungen werden die Bank treffen, doch wir werden es aushalten.“ Denn durch das stabile Wachstum der vergangenen Jahre sei man gut gerüstet.

Wolfgang Altmüller wird Nachfolger

Auch die Nachfolge ist bereits geregelt. Kollege Wolfgang Altmüller (Altötting), der inzwischen nach Rosenheim gezogen ist, wird an Kammls Schreibtisch Platz nehmen. Er war bisher zusammen mit Kamml als Vorstandsvorsitzender tätig, wird diesen Posten nun alleine ausführen und ist damit unter anderem für die strategische Ausrichtung und die Personalentwicklung zuständig. Er wird im Vorstand unterstützt von Reinhard Frauscher und Roland Seidl, die sich um Vertrieb und Kundengeschäft kümmern, sowie Kreditchef Mirko Gruber, der unter anderem auch den Bereich „Unternehmensmanagement“ verantwortet. „Ich gehe mit einem guten Gefühl“, so Kamml.

Viele Videobotschaften zum Abschied

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Denn eine feierliche Verabschiedung ist wegen Corona nicht möglich. Kamml übergab das Zepter kürzlich bei der Mitgliederversammlung, die online stattfand. „Aber ich habe sehr viele Videobotschaften zum Abschied bekommen, was mich sehr bewegt hat“, erzählt er.

Täglich in der Bank anrufen und fragen, ob alles läuft – das will Kamml auf keinen Fall tun. Ganz im Gegenteil freut er sich, sein Privatleben zu genießen, wie er betont. Bergwandern, Langlaufen, Skifahren stehen auf dem Programm, sobald es eben möglich ist.

Genießen und Tipps geben

Außerdem möchte der Vater eines erwachsenen Sohnes mit seiner Steirischen musizieren und sich im IT-Bereich weiterbilden. Auch eine Rolle als Unternehmerbegleiter oder Ratgeber für junge Start-Ups kann er sich vorstellen – rein privat allerdings. Denn nach über 23 Jahren „mit Haut und Haaren“ im Dienste der Genossenschaftsbank sei jetzt an der Zeit, „Genuss ins Leben zu bringen“.

Hubert Kammls Werdegang

  • Ab 1977 Ausbildung bei der Volksbank in Prien eG
  • Ab 1982 Prüfer beim Bayerischen Raiffeisenverband
  • Ab 1989 Prokurist sowie Kredit- und Innenleitung bei der Ersten Rosenheimer Privatbank
  • Ab 1992 Abteilungsleiter Firmenkunden bei der Hypobank
  • Ab 1997 Vorstandssprecher der Ammerseebank eG
  • Ab 1999 Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Mangfalltal eG
  • Ab 2005 Vorstandsvorsitzender der Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim eG
  • Seit 2013 Vorstandsvorsitzender der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG

Die „Meine Volksbank Raiffeisenbank eG“:

  • Bilanzsumme: Über 8,6 Milliarden Euro
  • Betreutes Kundenvolumen: Über 18,4 Milliarden Euro
  • Eigenkapital: über eine Milliarde Euro
  • Über 123.000 Mitglieder
  • Über 320.000 Kunden.

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