Hotellerie und Gastronomie im Landkreis Traunstein profitieren von Urlaub dahoam

Nicht nur wie hier auf dem Ferienbauernhof Moierhof in Truchtlaching profitieren die einheimischen Gastgeber gerade von einem Touristenansturm nach dem Motto „Urlaub dahoam“ im Zeichen von Corona.
+
Nicht nur wie hier auf dem Ferienbauernhof Moierhof in Truchtlaching profitieren die einheimischen Gastgeber gerade von einem Touristenansturm nach dem Motto „Urlaub dahoam“ im Zeichen von Corona.
  • vonAxel Effner
    schließen

Nach dem Lockdown im Frühjahr sind Restaurants und Hotels in Traunstein und Umgebung jetzt fast alle ausgebucht. Sie wollen mit Aktionen die Hauptsiasion möglichst bis i nden Herbst verlängern. Dagegen droht der Traunsteiner Clubszene das endgültige Aus.

Traunstein/Chiemgau – Der „Urlaub dahoam“ beschert auch dem Chiemgau einen bisher ungewohnten Ansturm von Touristen. Nachdem die heimische Gastronomie und Hotellerie während des Lockdowns von Mitte März bis Ende Mai ihre Kapazitäten teilweise bis auf Null zurückfahren mussten, arbeiten viele Betriebe aktuell „absolut am Limit“, wie Marcus Eismann, stellvertretender Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Traunstein und Inhaber des Alpenhotels Wittelsbach in Ruhpolding, erzählt.

Er ergänzt: „Überall ist viel los und die konsequente Umsetzung der Corona-Sicherheits- und Hygieneregeln erfordert organisatorisch einen großen Mehr-Aufwand.“

Neues Personal aus den großen Städten

Den Verlust von Service- und Führungsmitarbeitern, die im März und April um ihre Existenz gebangt haben und sich andere Stellen in Altenpflegeheimen oder in der Industrie gesucht haben, konnte Christoph Leinberger, General Manager des Hotels Gut Ising bei Seebruck, ab Juni durch die Neueinstellung von Abgängern in der Hotellerie der größeren Städte auffangen. „In München oder auch Salzburg ist durch Reisebeschränkungen sowie den Wegfall von Veranstaltungen und von Auslands- oder Gesundheitstouristen die Auslastung bis auf 20 Prozent gefallen. Das kommt uns bei der Stellensuche zugute.“

Aktuell profitiert das Hotel mit seinen vier Restaurants von dem „deutlichen Zuwachs einheimischer Gäste aus der Umgebung“. Statt 450 bis 500 Speisen gehen täglich bis zu 600 Essen raus. Auch die Reisedauer der Übernachtungsgäste hat sich verlängert. „Statt vier buchen viele jetzt sieben Tage“, sagt Leinberger. Bis Mitte Oktober sei man gut ausgelastet.

Lesen Sie auchWirtschaft in der Corona-Krsie: Umfrage zeigt verheerende Prognose der Betriebe

„Wir sind bis November durchgehend gebucht“, sagt Matthias Untermayer. Der staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt und Landwirtschaftsmeister betreibt mit seiner Frau Susanne, die nicht nur Bankkauffrau, sondern auch staatlich geprüfte Technikerin für Hauswirtschaft und Ernährung ist, den Moierhof in Truchtlaching. Der vielfach ausgezeichnete Ferienbauernhof mit umfangreichem Familienprogramm sowie 14 Wohneinheiten und rund 60 Betten profitiert vom „hybriden Urlaubsgast“, wie Untermayer es nennt.

„Die Gäste genießen einerseits die frisch kernsanierten Luxus-Appartments inklusive Zirbensauna und Wellnessbad, andererseits helfen die Kinder im Stall mit oder erleben Abenteuer auf dem hofeigenen Spielplatz oder in der Natur. Die sind perfekt aufgehoben, das kommt gut an.“

Frühstückskorb ersetzt Buffet

Im Zuge der Corona-Sicherheitsregeln hat Untermayer das Frühstücksbuffet durch einen Frühstückskorb ersetzt, den man ungestört an separaten Plätzen genießen kann. Zusätzliche Hygienestationen bieten Sicherheit. Gerade in der Krise profitiere der Hof von der hohen Zahl an Stammgästen.

Nach dem aktuellen Ansturm auf die regionalen Campingplätze, auf Wanderparkplätze und touristische Attraktionen im Zuge des gefragten „Urlaub dahoam“ stellt man sich bei den Touristikern bereits auf eine Saisonverlängerung ein. „Wir sind jetzt in der Hochsaison je nach Wetter immer wieder ausgebucht, wollen diesen Trend aber durch entsprechende Programmangebote und Aktionen noch länger nutzen“, sagt Anna Esterlechner, die Leiterin der Tourist-Info in Seebruck. Ebenso laufen in der Zentrale des Chiemgau Tourismus-Verbands in Traunstein bereits entsprechende Planungen.

Lesen Sie auchAm Chiemsee wird der Kampf gegen die Mückenplage zum Wettlauf gegen die Uhr

Wenig zuversichtlich ist dagegen Udo Henning. Der Chef des „Café Festung“ will im nächsten Jahr das 25-jährige Bestehen des Clubs und anerkannten Kulturtreffpunkts in Traunstein feiern. „Während fast alle Branchen wieder hochfahren, gibt es für die rund 4000 Clubs und Bars in Bayern immer noch kein Öffnungsszenario“, moniert er. Obwohl viele Betreiber innovative Hygienekonzepte entwickelt hätten. „DJs, Musikbands und Tanzen gehören auch zur Kultur“. Ebenso bräuchten gerade junge Menschen Orte, wo sie sich abends treffen könnte. Angesichts der wild sprießenden ungeregelten Spontan-Partys an Flussufern und in Parks hält Henning eine Partykultur „unter kontrollierten Bedingungen“ in Sachen Hygieneschutz für wesentlich besser.

Clubszene droht das Aus

Während er sich im Café Festung mit Biergartenbetrieb und Essenverkauf gerade so über Wasser halte, sei dies in dem von ihm gemeinsam mit Christoph Schraufstetter betriebenen Traunsteiner Club „Salon Erika“ in Bahnhofsnähe nicht möglich. Bei der Übernahme 2018 habe er eine fünfstellige Summe investiert. Der Vermieter habe aktuell zwar die Miete ausgesetzt, „aber im Unterschied zu den Gastwirtschaften dürfen wir die Clubräume trotz leistungsstarker Lüftung nicht zur Vermietung für Privatfeiern nutzen“. Ohne Einnahmen stehe aber „auch in Traunstein die Szene definitiv vor dem Aus“.

Kommentare