Homeoffice: Mehr als eine Lockdown-Lösung?

Auch die OVB-Autorin war aus ihrem Homeoffice beim ROSIK-Forum zugeschaltet.
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Auch die OVB-Autorin war aus ihrem Homeoffice beim ROSIK-Forum zugeschaltet.

Wie ist es Unternehmen gelungen, im Corona-Lockdown erfolgreich auf Homeoffice umzustellen? Und wie lässt sich diese Art des Arbeitens auch auf Dauer nachhaltig gestalten? Diesen und weiteren Fragen sind die Teilnehmer beim ROSIK Forum „Homeoffice Strategien im Mittelstand“ nachgegangen.

von Katharina Heinz

Rosenheim/Wasserburg – Das Forum fand erstmals virtuell als Videokonferenz statt – Referenten und Gäste befanden sich daher passend zum Thema im Homeoffice.

Die Corona-Krise wirkt als Beschleuniger der digitalen Transformation. Denn ohne große Vorbereitung waren Unternehmer und Mitarbeiter gefordert, aus dem Homeoffice produktiv zu sein. Das ROSIK-Forum wollte daher anhand einiger Beispiele über Strategien, Werkzeuge und mögliche Stolpersteine berichten. Die Rosenheimer Initiative zur Förderung der Informations- und Kommunikationstechnik (ROSIK) hatte dazu gemeinsam mit den Wirtschaftsförderungsagenturen der Landkreise Traunstein und Rosenheim eingeladen. Moderator der Veranstaltung war Professor Dr. Reiner Hüttl von der TH Rosenheim.

Die wildenTage im März

Los ging es mit einem Traditionsunternehmen aus der Region. Peter Tscherwenka von der roNet GmbH ist IT-Berater für die Flötzinger Brauerei Rosenheim und berichtete von den „wilden März-Tagen“, dem Beginn des Corona-Lockdowns. Rund 50 PC-Arbeitsplätze aus Produktion und Verwaltung galt es, in das Homeoffice zu überführen. Ausgezahlt habe es sich dabei, dass man die Mitarbeiter im Verkauf bereits davor mit mobilen Rechnern ausgestattet hatte. Der Wunsch, mit Microsoft Teams eine Software für Zusammenarbeit und Videokonferenzen einzuführen, sei dann vom Flötzinger-Geschäftsführer gekommen. Tscherwnenka hätte diesen Vorschlag nicht gemacht, erzählte er. Denn bei der Einführung einer Daten-Cloud seien Mitarbeiter Großteils zuvor nicht sehr angetan gewesen. Umso überraschter sei er gewesen, mit welcher Begeisterung „Teams“ angenommen worden sei. „Auch nicht-IT-affine Mitarbeiter haben sich auf das Tool gestürzt und ihren Vorteil daraus gezogen“, berichtete er.

Tobias Kurz vom IT-Systemhaus itelio aus Kiefersfelden fasste die Fallstricke auf dem Weg in Homeoffice zusammen. Zunächst einmal könne nicht jeder von Zuhause aus arbeiten, etwa Angestellte in der Produktion. Doch wo es möglich war, seien viele Unternehmen ins Homeoffice gezogen – „aber nur irgendwie“, so seine Erfahrung. Herausforderungen seien etwa die Auswahl der Werkzeuge, schlechte Internetverbindungen, die Schulung der Mitarbeiter und fehlende Organisationskonzepte. Ganz alltägliche Probleme waren die Arbeitsplätze oder Hardware der Mitarbeiter im Homeoffice. Wegen des Zeitdrucks durch den Lockdown hätten viele Unternehmen auch die IT-Sicherheit hintenangestellt. „Hauptsache raus aus dem Büro“ sei die Devise gewesen, so Kurz.

Thema IT-Sicherheit hinten angestellt

Wie wichtig die Auswahl der passenden Werkzeuge ist, das thematisierte auch Thomas Hirthe von der ACP IT Solutions AG aus Rosenheim. In seinem Unternehmen seien Tools für Cloud-Working oder die Zusammenarbeit schon vor Jahren eingesetzt worden – aber nur von einigen IT-affinen Mitarbeitern. Das habe insgesamt eher zu Unstimmigkeiten geführt. Um Chaos und unnötige Datenberge zu vermeiden, musste ein Fahrplan für das digitale Arbeiten aufgestellt werden. Dank dieser Vorarbeiten sei dann bei Corona alles recht reibungslos gelaufen. Hirthe aber weiß, andere Unternehmen sind noch nicht so weit. Sie haben jetzt mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Und da sei es wichtig, die passenden Tools genau auf die Firmenprozesse abgestimmt zu finden. Denn seiner Meinung nach werde das Homeoffice bleiben, auch nach Corona.

Preis für das beste Homeoffice-Foto

Dass dabei auch die sozialen Kontakte nicht zu kurz kommen dürfen, betonte Josef Willkommer von der TechDivision GmbH aus Kolbermoor. Sein Unternehmen setzt auf diverse Maßnahmen, um die Motivation der Mitarbeiter im Homeoffice hoch zu halten. Über einen regelmäßigen Feedback-Fragebogen wird die Zufriedenheit abgefragt. Bei „TechDivision Home Stories“ werden die besten Fotos aus dem Homeoffice mit Preisen belohnt. Eine virtuelle Lounge lädt zum Smalltalk und freitagsabends zum Feierabendbier ein. Sein Feedback: „Die ersten Rückmeldungen der Mitarbeiter waren positiv. Auch die betriebswirtschaftlichen Zahlen passen. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeiter im Homeoffice tendenziell sogar im Durchschnitt mehr arbeiten.“

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Homeoffice klappt auch bei einem Global Player – das zeigte Alexander Wörndl-Aichriedler von der Palfinger AG mit Sitz nahe Salzburg, einem weltweit agierenden Industrieunternehmen. 2000 Mitarbeiter in das Homeoffice zu schicken – das habe sich zwar angefühlt, wie am offenen Herzen des Unternehmens zu operieren. Aber Standardisierung und eine gute Netzwerkplanung habe geholfen. Statt „Homeoffice“ benutzte Wörndl-Aichriedler den Begriff „Teleworking“. Schließlich sei es egal, ob der Mitarbeiter von Zuhause oder seinem Segelboot aus arbeite. Hauptsache die Leistung stimme.

Er sah daher mehr eine kulturelle als eine technische Herausforderung, wenn man das remote Arbeiten beibehalten wolle. „Sie müssen den Mitarbeitern vertrauen, sonst werden Sie als Vorgesetze wahnsinnig“, sagte er.

Moderator Hüttl blickte in seinem Schlusswort nach vorne. Denn die spannende Frage werde es jetzt sein, wie die Unternehmen in Zukunft ihren individuellen Weg in Sachen Homeoffice finden werden.

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