Vom Hörsaal in den Chefsessel: Junge Gründer schaffen Durchbruch mit App für Starbulls

Von der Hochschule zum eigenen Chef:Tobias Jonas (stehend) und Marinus Staber (sitzend) sind die Junior Software Engineer und haben es mit ihrer Firma innFactory gewagt. Sie sind ein Vorbildunternehmen von Stellwerk 18 in Rosenheim. Schlecker

Immer mehr Studenten starten sofort nach ihrem Studium in die berufliche Selbständigkeit. Start-ups boomen. Doch nur eines von zehn Jungunternehmen übersteht die ersten fünf Jahre. Der Weg ist steinig, wissen auch Tobias Jonas, Anton Spöck und Maximilian Grassl aus Rosenheim. Doch für die drei Jungunternehmer scheint sich der Einsatz zu lohnen. Ihre Software-Schmiede „innFactory“ zählt zu den Vorzeige-Unternehmen des digitalen Gründerzentrums Stellwerk 18.

Rosenheim – Wenn Daniel Artmann, Geschäftsführer und Netzwerkmanager des Berufsverbandes Stellwerk 18 – Digitale Wirtschaft Südostoberbayern, „Werbung“ für das digitale Gründerzentrum in Rosenheim machen will, lädt er dafür gerne die drei Gründer von innFactory ein. Tobias Jonas stammt aus Bernau, Anton Spöck aus Samerberg und Maximilian Grassl aus Piding. Alle drei sind 27 Jahre alt und Absolventen der TH Rosenheim. Kennengelernt haben sie sich über ihre IT-Leidenschaft. Wichtig für ihren beruflichen Werdegang war den drei jungen Männern nur: „Wir wollten unser eigener Chef sein und für den eigenen Erfolg arbeiten – egal ob 40 oder 80 Stunden in der Woche“.

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Ihre erste Geschäftsidee als innFactory entstand schon während ihres Studiums: Den Einzelhandel mit einem virtuellen „Einkaufsassistenten“ revolutionieren. Doch schnell kamen sie auf den Boden der Tatsachen zurück. „Wir haben komplett am Markt vorbei geplant“, erzählt Tobias Jonas offen. Die drei Jungunternehmer lernten aus dieser Erfahrung. Herausgekommen ist „Laura“ – der erste virtuelle Finanzierungsassistent, im Computerjargon ein „Bot“. Seine Funktion: Finden Hauskäufer in spe über das Internet ihre Wunsch-Immobilie, können sie auf der Webseite den Link zu ihrem Traumhaus eingeben. „Laura“ analysiert dann individuell die optimale Finanzierungsrate. Entstanden ist die Software in Kooperation mit der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim Chiemsee eG. „Die Geschwindigkeit und das technologische Know-how eines Start-ups treffen auf die Marktexpertise und die Kontakte eins Bigplayers“, sagt Jonas.

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Fast zeitgleich gelang es dem jungen Unternehmen, einen zweiten starken Partner mit ins Boot zu holen: die Starbulls Rosenheim. Für den Eishockeyverein bauten Jonas, Spöck und Grassl eine App neu auf, die alle Fans mit aktuellen Informationen versorgt, inklusive Liveticker und Statistiken. innFactory gehörte zu den ersten Unternehmen, die sich im Rosenheimer Gründerzentrum Stellwerk 18 eingemietet haben. Aus ursprünglich einem Büro sind mittlerweile drei geworden. 80 Stunden Arbeitszeit in der Woche sind für die Drei keine Seltenheit. „Der Erfolg bestätigt uns, dass sich der Aufwand lohnt“.

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An ihrem Aufenthalt im Gründerzentrum schätzen die Gründer vor allem das große Netzwerk vieler namhafter Unternehmen, das sich dahinter verbirgt. „Dadurch werden einem Türen geöffnet und man kommt in Kontakt mit vielen potenziellen Auftraggebern“, freut sich Jonas. Für diese Form der Hilfe „bedankt“ er sich, indem er gerne für Stellwerk-Veranstaltungen als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Außerdem gibt innFactory sein Wissen an die Studierenden der Technischen Hochschule im Rahmen der Betreuung von Bachelor- und Masterarbeiten sowie im Zuge verschiedener Lehrveranstaltungen in den Studiengängen der Informatik weiter.

Start up finanziert sich komplett selbst

Tech-Start-ups haftet bisweilen der Makel an, es ginge weniger ums Produkt selbst, als um Wachstum und Skalierbarkeit – so die Kritiker der technologiegetriebenen Gründerzene. In der Realität zeigten zuletzt prominente Beispiele wie DaWanda oder das Onlineshoppingportal Lesara, dass das Aus für ein zunächst hochgelobtes Jungunternehmen oft nur eine Finanzierungsrunde entfernt droht. Die Statistik belegt auch, dass nur eines von zehn Start-ups richtig erfolgreich wird, neun gehen bereits innerhalb der ersten drei Jahre nach ihrer Gründung pleite.

Die Kritik an der oft üblichen Praxis der Fremdfinanzierung und am häufigen Scheitern von Start-ups kann Jonas nicht nachvollziehen: „Scheitern ist hierzulande negativ behaftet. Aber ein Auf und Ab gehört eben dazu. Ohne den Mut, etwas Neues auszuprobieren, gibt es schließlich keinen Fortschritt“.

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