Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


HOTELLERIE IN DER KRISE

Gut Ising bereitet sich auf Zeit nach der Schließung vor: „Vieles nicht mehr wie vorher“

Zusammenhalt in diesen schwierigen Zeiten: Sylvia und Dietmar Gugler. Die Inhaberin des Hotels Gut Ising und der ehemalige deutscher Nationenpreisreiter, heute Springpferde-Züchter und Reit-Coach, müssen mehrere Standbeine durch die Corona-Krise bringen.
+
Zusammenhalt in diesen schwierigen Zeiten: Sylvia und Dietmar Gugler. Die Inhaberin des Hotels Gut Ising und der ehemalige deutscher Nationenpreisreiter, heute Springpferde-Züchter und Reit-Coach, müssen mehrere Standbeine durch die Corona-Krise bringen.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
    schließen

Mit viel Kreativität führt Inhaberin Sylvia Gugler das Luxus-Hotel Gut Ising durch die Corona-Pandemie. Dazu gehören auch Konzepte für die „Zeit danach“. Fest steht auch für den Traunsteiner Hotel- und Gaststättenverband, dass nichts wieder so sein wird wie früher in der Branche.

Chieming – 170 Hektar Land, ein Hotel der Luxus-Klasse mit 160 Angestellten und dazu noch mal fast so viele Pferde: Mehrere Bälle, welche auf Gut Ising am Chiemsee in der Luft gehalten werden müssen.

Sylvia Gugler, seit Kurzem Inhaberin des Guts, und ihr Mann, der ehemalige deutscher Nationenpreisreiter Dietmar Gugler, hoffen auf ein baldiges Ende der pandemiebedingten Einschränkungen. Wie andere Betriebe auch, haben sie staatliche Hilfen erhalten, haben aber auch eigenes Kapital in die Hand nehmen müssen, um das weithin bekannte Hotel durch die Krise zu bringen. Die Summe nennt Gugler nicht.

Seit 1934 im Familienbesitz

„Aber im Gegensatz zu zahlreichen anderen Betrieben haben wir das Glück, keine Pacht zahlen zu müssen, da sich das gesamte Arial in Familienbesitz befindet“, fügt Gugler hinzu. 1934 übernahm die Familie ihres Vaters Konstantin Magalow das Gut und baute es zum Hotel mit Reitsportanlage aus.

Können manche Hotels dank Geschäftsreisender überleben, mache dieses Segment – Gut Ising bietet auch Tagungsräume an – nur zwei Prozent aus, zu wenig also, um sich darauf verlassen zu können: „Wir sind ein klassisches Urlaubshotel“. Nun hofft man auf die Pfingstferien.

Lesen Sie auch: Österreich geht großen Schritt bei Corona-Lockerungen

Hühnerstall und Hochbeete

„Zweifellos eines der größten Herausforderungen“, sagt Gugler, sei es für die eigene Gastronomie und Hotellerie bis lang gewesen, die 160 Mitarbeiter motiviert zu halten. Zeitweise in Kurzarbeit, arbeiteten sie wie auch die Abteilungsleiter an den verschiedensten Projekten, um „bei der Stange“ gehalten zu werden, beschreibt es Gugler. „Zum Beispiel bauen wir aktuell gemeinsam einen Hühnerstall und Hochbeete. Darüber hinaus nutzen unsere Teams die Zeit, um unsere Anlage zu verschönern. Wir bereiten uns auf das Ende des Lockdowns vor.“

Die Mitarbeiter müssten sich aber darauf einstellen, dass auf Gut Ising auch nach einer neuen Öffnung vieles anders sein wird als vorher. Denn Gugler hat sich mit ihrem Team während der Pandemie allerhand einfallen lassen, um für die Zukunft gerüstet zu sein und um weiterhin den Thema Sicherheit und Hygiene gerecht zu werden.

Unter freiem Himmel tagen

Zum Beispiel mit Räumen in der Natur. Außer im Forsthaus und im Seehaus können Gäste künftig an den verschiedensten Orten regelrecht abtauchen, „zum Teil unter freiem Himmel.“ Auch Firmen fragten nach Tagungen, Meeting und Seminarmöglichkeiten im Freien an. Weiter hat man das Frühstückskonzept umgestellt. Statt sich an einem Buffet zu bedienen, soll es eine Art Markt mit kleinen Ständen geben. „Das Hygienekonzept führen wir in jedem Fall weiter“, sagt Gugler.

Dass nach einer möglichen Öffnung in vielen Gästebetrieben manches anders sein wird als vor Corona, bestätigt auch Klaus Lebek, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) aus Traunstein. „In vielen Häusern wird der Personalmangel seinen Tribut fordern.“ Denn in der Zwischenzeit hätten sich Service- und Küchenmitarbeiter scharenweise alternative Jobs in anderen Branchen gesucht. Sie kurzfristig wieder zurückzugewinnen, stellt sich Lebek schwer vor. An Personal aus dem Ausland, etwa aus Osteuropa, sei praktisch nicht zu denken.

Das könnte auch interessant sein: Urlaub an Pfingsten: Das sind die Top-Reiseziele

Bei 15 000 Übernachtungen keinen einzigen Corona-Fall

„Vorstellbar ist, dass manche Rezeptionen nicht mehr durchgängig besetzt sein werden, je nach Klassifizierung. Es wird mehr Service per Telefon geben, statt persönlichen.“

Kurz: Den Service, den viele Gäste gewohnt waren, wird es womöglich in vielen Häusern nicht mehr geben. „Auch die Preise könnten sich stark ändern“, prophezeit Lebek. Sorgen bereite in der Branche auch, „dass die bayerische Staatsregierung sicher nicht vom Inzidenzwert abrücken wird“, man also damit rechnen müsse, Gäste nach drei Tagen wieder heimzuschicken. „Dabei muss klar eine Lanze für die Hotels gebrochen werden“, betont Lebek, „In ganz Bayern gab es unter den 15 000 Übernachtungen im vergangenen Jahr keinen einzigen Corona-Fall in einem Hotel. Die Pandemietreiber finden sich dort nicht.“

Bei der Dehoga sieht man die Hotels als „Bauernopfer der Politik“. Das wahre Opfer hätten die geschlossenen Betriebe gebracht: Laut einer neuen Dehoga-Studie büßten allein die Traunsteiner Betriebe in den drei Lockdown-Monaten im vergangenen Jahr über 65 Millionen Euro an Wertschöpfung ein.

Corona und die Gäste – Zahlen

11 146 umsatzsteuerpflichtige Hotels gibt es in Deutschland. 90 Prozent der Betriebe aus dem Gastgewerbe spüren die Auswirkungen der Covid 19-Pandemie deutlich, in der Reisebranche sind es 95 Prozent, so der Statistikdienst Statista. 2020 entgingen dem deutschen Tourismus demnach 68,7 Milliarden Euro. In Bayern gingen die Übernachtungen (knapp 60 Millionen) um 40,6% gegenüber 2019 zurück. Es kamen 20 Millionen Übernachtungsgäste (-50 Prozent, -71 Prozent aus dem Ausland). Allein die ersten drei Lockdown-Monate März, April und Mai 2020 bedeuten einen Umsatzverlust im bayerischen Tourismus von 7,6 Milliarden Euro, jede weitere Woche bringt im Schnitt ein Minus von 580 Millionen Euro, hat das Bayerische Landesamt für Statistik jüngst errechnet.

Mehr zum Thema

Kommentare