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WASSERKRAFT AUS DEM INN

Grüner Strom für Millionen

Das Innkraftwerk Rosenheimmit seinen drei Wehrtoren (rechts neben dem ins Wasser ragenden Betonpfeiler) befindet sich in Rohrdorf. re/sen

517 Kilometer geballte Wasserkraft: Der Inn ist der längste Alpenfluss und sorgt in der Region für Energie, die als „grüner Strom“ ins Netz eingespeist wird. Dafür sind jedoch Millionen Euro an Aufwendungen nötig: etwa für Technik und Umweltschutz.

Rohrdorf – Strom aus Wasserkraft leistet einen wichtigen Beitrag in Zeiten des Klimawandels. „Ihre Fähigkeit, dauerhaft und zuverlässig elektrische Energie bereit zu stellen, macht die Wasserkraft zu einem unverzichtbaren Baustein im bayerischen Energiemix“, betonte Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber auf der Jahrestagung der Vereinigung der Wasserkraftwerke in Bayern e.V. (VWB) im Juli. Eines der 21 Kraftwerke entlang des Inns, die der Verbund – einer der größten Wasserkraft-Stromerzeuger Europas – betreibt, ist der Standort Rosenheim. Genau genommen befindet sich dieser in Rohrdorf.

Investitionen in Millionenhöhe

1960 in Betrieb genommen, erzeugt es im Jahr 179,6 Millionen Kilowattstunden (KWh) Strom aus dem Wasser des grünblauen Alpenflusses, der sich von der Innquelle am Malojapass über Österreich bis in hiesige Gefilde vorarbeitet. Im Kraftwerk selbst sind es drei Kaplan-Turbinen, die arbeiten. Weil der Inn sich an dieser Stelle in Rohrdorf leicht nach links krümmt, drehen sich auch Turbinen links. Werksgruppenleiter Klaus Schöler spricht gegen den Maschinenlärm im Inneren des Betriebsgebäudes an; erklärt die Technik der Maschinen. In die laufende Instandhaltung und Wartung der gesamten Anlage investiert der Verbund rund 350 000 Euro jährlich, dabei sind Einzelmaßnahmen noch nicht berücksichtigt. Etwa alle 40 Jahre müssen laut Schöler zum Beispiel die drei Wehre neu konserviert werden, was pro Wehrfeld mit 400 000 Euro zu Buche schlage.

Fischaufstiegsanlage soll 2019 kommen

Allein eine der drei zentimeterdicken, stählernen Zahnketten, welche die Wehrtore öffnen können, kostet neu um die 100 000 Euro. Und dann sind da noch die ökologischen Kosten, die jedes Kraftwerk mitberechnen muss. Etwa für Umwelt- und Renaturierungsmaßnahmen an den Ufern: Rund 370 000 Euro wurden in Rohrdorf in den vergangenen drei Jahren investiert. „Für die geplante Fischaufstiegsanlage, die 2019 entstehen soll, kommen noch einmal etwa 2,8 Millionen Euro hinzu“, rechnet Schöler vor. Auch der Hochwasserschutz spiele für die Anlagen eine große Rolle: Rund 100 Kilometer Dämme und Deiche muss der Verbund entlang der Innkraftwerke unterhalten. „Allein am Standort Rosenheim soll in den nächsten Jahren für die Verbesserung des Schutzes eine Million Euro aufgewendet werden“. Mit seinen drei Turbinen – jede einzelne erbringt eine Nennleistung von 13 000 Kilowatt – gehört das Werk Rosenheim zu den mittelgroßen Kraftwerken des Betreibers im südöstlichen Oberbayern.

Im Vergleich der Landkreise Rosenheim, Mühldorf und Altötting ist das Kanalkraftwerk in Töging mit einer Erzeugung von 564,6 Millionen Kilowatt pro Stunde die größte Anlage. Mit dem geplanten Ausstieg aus der Atomkraft wächst die Bedeutung von Strom aus Wasserkraft, wie Verbund-Sprecher Wolfgang Syrowatka erklärt (siehe Infografik).

3 500 Kilowatt Strom braucht ein durchschnittlicher deutscher Haushalt im Jahr: „Wasserkraft ist die einzige erneuerbare Energiequelle, die verlässlich und berechenbar ist und die bei der Stromerzeugung selbst emissionsfrei ist.“ Mit der Wasserkraft allein lässt sich der Bedarf in Deutschland freilich nicht decken; dort wie in der Region braucht es den Mix aus anderen erneuerbaren Energie wie Wind- und Sonnenkraft. Das Innkraftwerk erzeugt dabei nur den Strom aus dem Wasser und speist es über zwei Transformatoren riesigen Ausmaßes ins Umspannwerk vor Ort. In Rohrdorf gehört dieses dem Bayernwerk, das den Strom über weitere Anbieter – etwa die Rosenheimer Stadtwerke – an den Endverbraucher verteilt. Ganz exakt nachverfolgen lässt sich nicht, wieviel Inn-Strom nun aus der eigenen Steckdose fließt, wenn man sich für „grünen Energie“ entschieden hat, so Verbund-Vertriebsleiter für Deutschland, Thomas Bächle. „Wer in der Region aber für Strom aus der Wasserkraft des Inns nutzen will, der bekommt ihn auch.“ Die Versorger würden – wenn vom Verbraucher gewünscht – für die Regionalität der Energie einstehen. Auch bei Unternehmenskunden wachse das Bewusstsein für regenerative Energien, so Bächle. „Besonders in der Automobilindustrie und in der Lebensmittelbranche, bei Pharmaunternehmen.“ Bei energieintensiven Branchen wie der Chemie, sei Strom jedoch ein erheblicher Kostenfaktor: „Grüner Strom ist wegen des höheren Personalaufwands und der erforderlichen ökologischen Maßnahmen etwas teurer als konventionell erzeugter.“

Eng verbunden: Chemie und Wasser

Das Bayerische Chemiedreieck sei eines der ersten Beispiele in der Geschichte erneuerbarer Energien, das ohne den Strom aus der Wasserkraft undenkbar sei. Neben Töging spielten dabei auch die Kraftwerke in Wasserburg, Teufelsbruck und Gars eine große Rolle, von denen der Strom über eigene 110 kV-Freileitungen eigens nach Töging und damit ins Energiedreieck transportiert wurde. Das wachsende Interesse der Wirtschaft an grüner Energie bringe für die Unternehmen wie auch für die Kraftwerke Vorteile, schildert Bächle: Mit „sauber erzeugten“ Produkten könnten sich Unternehmen ganz neue Zielgruppen erschließen, neue Alleinstellungsmerkmale erarbeiten. Und selbstredend etwas für Umwelt und Klimaschutz tun.

Den Werken eröffneten sich durch die Zusammenarbeit mit der Industrie neue Themenfelder wie die E-Mobilität, für die Wasser ein Zukunftsthema sei. In ersten Pilotprojekten sei aus Wasserkraft Wasserstoff als Antriebsenergie erzeugt worden, etwa bei der Zillertalbahn. „Mit Wasser aus dem Inn“, wie Klaus Schöler betont. Bei Großkunden aus der Wirtschaft, aber auch beim privaten Verbraucher sehen er und Bächle weitere Bedürfnisse auf die Kraftwerke zukommen: „Sie können und wollen sich an Umweltschutzmaßnahmen entlang der Ufer beteiligen, besuchen die Kraftwerke vor Ort.“ Der nächste Trend: Die optimierte, individuelle Stromlieferung. Weg vom Jahresvertrag, hin zur bedarfsorientierten Versorgung.

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