„Glaselli“ macht Viren den Garaus

Stevan Sokola mit seinem „Glaselli“. Mit ihm bekommt man Trinkgläser blitzschnell keimfrei. Petzi

Sein ständig tickender Tüftlerverstand hat Stevan Sokola schon so manche Nacht wach gehalten. Der findige Mühldorfer Unternehmer hat bereits seit einigen Jahren „Glaselli“, einen handlichen Desinfektionsstick, der in jede Hosen- oder Handtasche passt, auf dem Markt recht erfolgreich laufen. Seit drei Wochen, im Zuge der Corona-Krise, rennen ihm die Kunden geradezu den Online-Shop ein. Rund 2000 Bestellungen seien es gewesen. „Momentan ist der Glaselli wohl eines der Kampfmittel gegen den Virus“, so Stevan Sokola.

Mühldorf – Doch worum handelt es sich eigentlich? Wir sitzen gemütlich bei einem Kaffee und einem Glas Wasser im Büro im Mühldorfer Domizil des gelernten Kaufmanns und Entwicklers. Sozusagen in der Schaltzentrale seines Unternehmens Multistick GmbH. Er nimmt den circa neun Zentimeter langen Stick in die Hand und schraubt den Verschluss auf. Etwas schütteln, bis sich die Spitze dunkelbau färbt. Den Applikator an den Glasrand aufsetzen. Zwei- bis dreimal ums Glas fahren. Dann 30 Sekunden warten, bis sich der Alkohol des Liquids – eine Lösung mit 70 Prozent Ethanol – verflüchtigt hat.

In 30 Sekunden keimfre

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„Das Glas ist nun genau wie vorher – nur keimfrei“, erklärt der findige Unternehmer, dessen Traum es immer schon war, etwas Eigenes auf den Markt zu bringen und sich selbstständig zu machen. Ein Besuch auf dem Oktoberfest 2015 brachte die zündende Idee, als er in einem der vollen Bierzelte die Reinigung der vielen Maßkrüge beobachten konnte. Eine abstoßende Brühe sei das gewesen, wo die Krüge hinein getaucht wurden. „Was da alles an Keimen herumschwimmen muss!“ Dabei möchte er die Gastronomie nicht unter Generalverdacht stellen. Aber wer wisse schon, was ungeschulte Aushilfskräfte mit den Gläsern anstellen? Ein Risiko bestehe immer.

Hier erfahren Sie mehr über den „Glaselli“

Warum nicht eine handliche Lösung entwickeln, mit der man als Besucher eines gastronomischen Betriebs selbst die Trinkgläser keimfrei machen könnte. „Glaselli“ nahm Gestalt an. Und so hing Stevan Sokola seinen Job in einem großen Münchner Konzern an den Nagel, um sich ganz seinem neuen Produkt zu widmen. Und das kam an.

Nachdem der Stick zunächst für Aufsehen bei einer Schweizer Erfindermesse gesorgt hatte, 2016 erfolgte dann der Gang in die TV-Show „Höhle des Löwen“. Und auch dort überzeugte das Produkt auf der ganzen Linie. Ein Deal konnte abgeschlossen werden. 2017 kam der Stick bereits flächendeckend auf den Markt.

Was das Erfolgsrezept hinter der Idee ist? „Es ist völlig neu. Ich habe auf dem Markt nichts in der Richtung gefunden“, erklärt der handwerklich geschickte Tüftler, der selbst in seinem Keller lange Zeit an der technischen Lösbarkeit gebastelt hatte. Genau das sei aber auch ein Hemmschuh. Am Anfang zumindest. Müsse doch das Produkt zunächst den Kunden erklärt werden. Das mache Stevan Sokola nicht nur auf Messen, sondern auch via Youtube-Videos, auf Facebook oder Instagram – mit der Zeit gehen.

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Und die aktuelle Zeitqualität spiele ihm derzeit freilich auch zu. Auch wenn eine mögliche Pandemie kein Grund zum Feiern ist, betont der Mühldorfer. Dennoch: „Händewaschen reicht leider nicht. Jeder kann mehr tun“, ist Stevan Sokola überzeugt. Sicher sei „Glaselli“ kein Allheilmittel, aber dem Corona-Virus mit seiner Schale, dem gehe das Liquid schon an den Kragen. Genauso wie Influenzaviren oder Darmkeimen. Eine Garantie könne freilich nicht gegeben werden. „Mit liegt viel daran, dass die Menschen ihr Verhalten ändern – und ich meinen Teil dazu beitrage!“ Nicht wenige versuchen es. Wie Gold werde aktuell der Alkohol zum Desinfizieren gehandelt. Dabei hat Stevan Sokola vorgesorgt und mehrere 100 Liter auf Lager. Die Bauteile erhalte er von gleich mehreren Firmen in Bayern. „Engpässe bei der Lieferung gibt es also keine!“ Vorerst.

Neuer Stick mit Geschmack

Aber es muss ja nicht immer nur Ethanol sein. Seit einigen Wochen hat Stevan Sokola neben „Glaselli“ auch noch ein anderes Produkt in petto. Einen Stick, bestehend aus den gleichen Komponenten, nur mit einem anderen geschmackvollen Inhalt und dem vielsagenden Namen „Tasteick“. Ein paarmal um den Rand des Glases herumfahren, und der ist zwar nicht keimfrei, dafür mit einer von neun Geschmacksrichtungen benetzt. Ein Angebot für alle gesundheits- und ernährungsbewussten Wassertrinker, die gerne einen „Flavour“ in der Nase haben möchten. Erhältlich sind die Produkte übrigens vornehmlich im eigenen Online-Shop.

Stevan Sokola macht lieber sein eigenes Ding. „Ich bleibe alleiniger Gesellschafter im Unternehmen – und damit unabhängig!“ Das bedeutet freie Hand bei der Umsetzung seiner unorthodoxen Ideen.

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