Lagerfeuer war gestern, heute sitzt man am Ghettofassl, einer Idee zweier Willinger

Ludwig Grimm (links) und Lorenz Albrecht bei der Produktion eines Ghettofassls. Andreas e
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Ludwig Grimm (links) und Lorenz Albrecht bei der Produktion eines Ghettofassls. Andreas e
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Griabig und stylisch, individuell und bayerisch – und ein Name, der zündet. Das ist das Ghettofassl. Ein Produkt aus der Ideenschmiede zweier junger Unternehmer aus Bad Aibling. „Zsammkemma“ am Ghettofassl ist die neue Alternative zum Sitzen rund ums Lagerfeuer.

Bad Aibling – Im Gespräch mit den beiden Willingern wird eins sofort deutlich: Lorenz Albrecht und Ludwig Grimm brennen für ihre Geschäftsidee. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aus ihrem Produkt, entstanden an chilligen Abenden am Lagerfeuer, ist mittlerweile nicht nur ein unverkennbares Format geworden. Das Ghettofassl zieht mittlerweile vom Bad Aiblinger Ortsteil Willing aus immer weitere Kreise.

Das Motto lautet „#becauseitsgriabig“

Wer ein Geschenk mit dem gewissen Etwas sucht, sei es zu Hochzeiten, Geburtstagen oder Firmeneinweihungen, kommt genauso zu den beiden wie Betreiber von Messeständen, Bars oder Eventveranstaltungen. Die Fassl ziehen die Blicke auf sich, denn sie sind nicht nur einfach Feuertonnen, sie symbolisieren für ihre Macher und Kunden ein spezielles Lebensgefühl, dass sich unter dem Motto #becauseitsgriabig – einfach ausgedrückt „weil‘s griabig is“ entfaltet.

Jedes Fassl schaut anders aus.

Am Anfang stand das Experiment

Die beiden Geschäftspartner kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit bei den Pfadfindern, hatten ihre erste WG miteinander und haben einfach einmal angefangen, mit dem Werkstoff Metall zu experimentieren. „Als nächsten Schritt hat der Luggi dann mit dem Laser rumgespielt, und zack, war der erste Prototyp am Start. Allen, die das gesehen haben, hat das total gefallen“, schildert Lorenz Albrecht die Anfänge aus dem Jahr 2014. Und plötzlich nahm alles seinen Lauf.

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2015 meldeten die beiden ihr Geschäft an, holten sich ein paar Leute mit ins Boot. Mittlerweile beschäftigten sie auch einen Zeichner, der die Ideen der Kunden in digitale Form umwandelt.

Barbecue-Grillplatte fürs Ghettofassl. „Innerhalb von einer Viertelstunde bringt man damit eine ganze Fußballmannschaft satt“: Die Konstrukteure haben‘s selber ausprobiert.

Arbeit im Metallhandwerk

Lorenz Albrecht und Ludwig Grimm kommen beide aus dem Metallhandwerk, haben ihren Meister gemacht und arbeiten in ihren Berufen, in denen sie weiterhin bleiben wollen. „Unsere Arbeitgeber ziehen mit.“ An die Fassl geht es nach Feierabend. Gefertigt werden sie in der Firma Bacher in Au, wo Ludwig Grimm beschäftigt ist. Das Unternehmen stellt den beiden die benötigte Infrastruktur zur Verfügung.

Quasi „unkaputtbar„

Die Fassl fertigen sie aus großen Stahlblechtafeln, die an der Stirnseite zusammengeschweißt wird. Unten verläuft eine gelaserte Bordüre, die ist wichtig, damit ein Zug entsteht – „wie bei einem Kamin“, sagt Lorenz Albrecht. Versehen mit einem dicken Boden ist das ganze quasi unkaputtbar und auf so gut wie jedem Untergrund verwendbar, sagen die Unternehmer, die auf hochwertiges Material und vor allem auf gesundes und regionales Wachstum setzen.

Wert legen sie auch auf den persönlichen Kontakt mit den Kunden. „Servus Luggi und Lenz, seid‘s Ihr da? Dann schauen wir bei Euch vorbei.“ So läuft es oft bei der Kontaktaufnahme. Mittlerweile gibt es auch eine Online-Shop, bei dem auch ein paar Standard-Modelle zu haben sind. Doch sehen Albrecht und Grimm den Schwerpunkt bei der Individualität und Manufaktur, und nicht bei Produkten von der Stange. Das merken sie auch an der Nachfrage: „Die Kunden wollen etwas Individuelles, suchen das Besondere.“

„Host a Fassl, host an Style“

Das geht mittlerweile auch über die Ghettofassl – die es nicht nur als Feuertonne für draußen, mit Barbecue-Set, Wok-Einsatz oder Holzdeckel, sondern auch mit LED-Beleuchtung für innen gibt – hinaus. Schriftzüge für Firmen, Speisekarten aus Metall, Anhänger, Flaschenöffner, Ghettocube (ein Universalwürfel mit abnehmbarem Sitzdeckel und Stauraum im Inneren) oder Ghettofunzl – eine stylische Leuchte, zählen auch zum Programm. Die Ideen gehen den beiden und ihren Kunden nicht aus. Und füllen das Motto „Host a Fassl, host an Style“ mit Leben.

Wie das Fassl zum „Ghetto“ kam

Der Name lag gar nicht so fern, wie man beim Wort „Ghetto“ zunächst denken mag. Sicher drängt sich das Bild von Menschen etwa in der Bronx vor Augen, die sich in der Kälte um ein Feuer im Ölfass scharen. Diese Form der Wärmequelle ist längst auch hierzulande Mode geworden. „Ein wärmendes Feuer hat etwas Magnetisches und strahlt Griabigkeit aus“, sagen Albrecht und Grimm. Die Wortschöpfung war geboren.

Auch sonst lieben sie das Zusammenspiel des Englischen mit dem Boarischen: „It‘s all about Gspia“, meinen die beiden „Fasslnauten“, wie sie sich und ihre Kunden nennen. Deshalb gibt es in ihrer Produktbroschüre auch einen kleinen „Sprachführer“ („Ratsch the language“), der augenzwinkernd Begriffe und Wendungen wie „Fasslzinating“ „Fassl mi ned o“ oder „Laserts hoid together“ erklärt. Bis hin zu: „Take off your Hacklsuit“ – eine „Ansage an eine steife, hölzerne Person, die durch ihr eigenes Missbehagen eine verkrampfte Atmosphäre zwischen zwei oder mehreren Personen hervorruft, sich doch ein wenig zu entspannen.“

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