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Gesundheitswelt Chiemgau trotzt Corona

Auch im Coronajahr 2020 investierte die Gesundheitswelt Chiemgau AG in strategisch wichtige Angebotsfelder. Hier zum Beispiel der neue Speisenbereich im Ambulanten Reha- und Gesundheitszentrum Rosenheim.
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Auch im Coronajahr 2020 investierte die Gesundheitswelt Chiemgau AG in strategisch wichtige Angebotsfelder. Hier zum Beispiel der neue Speisenbereich im Ambulanten Reha- und Gesundheitszentrum Rosenheim.
  • VonJohannes Thomae
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„Wirtschaftlich gesehen war das Corona-Jahr 2020 ein robustes Jahr“. Diese Feststellung traf Dietolf Hämel, der Vorsitzende der Gesundheitswelt Chiemgau AG, bei der virtuellen Aktionärshauptversammlung vor wenigen Tagen.

Bad Endorf – Der Bilanzgewinn der GWC AG beträgt 2020 fast 2,3 Millionen Euro, von denen 450 000 Euro an die Aktionäre ausgeschüttet, 1,3 Millionen Euro in Gewinnrücklagen eingestellt werden, sodass ein Gewinnvortrag von 533 000 Euro bleibt.

Ein mehr als respektables Ergebnis, denn natürlich hatte der Gesundheits- und Touristikkonzern mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie hart zu kämpfen. Die Touristiksparte mit dem Thermenhotel Ströbinger Hof und den Chiemgau Thermen in Bad Endorf war durch den zweimaligen Lockdown fast völlig lahmgelegt, doch auch die Kliniken waren betroffen: So musste, wie Dietolf Hämel erläuterte, zum Beispiel die Patientenzahl reduziert werden, um Planbetten samt dem dafür nötigen Personal vorhalten zu können, zugleich wurde der Klinikbetrieb durch das Bereitstellen der Schutzausrüstungen teurer. In der Folge sank der Umsatz im Jahr 2020 um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das heißt um rund zehn Millionen Euro auf 52,8 Millionen Euro.

Rettungsschirme kompensieren Umsatzeinbruch zum Teil

Dass dieser Einbruch unterm Strich vollständig kompensiert werden konnte, lag zum einen an den staatlichen Rettungsschirmen, die, wie Hämel betonte, eine entscheidende Grundlage für die Existenzsicherung der Gesundheitsfürsorge in Deutschland waren. Es lag aber vor allem auch an den erfolgreichen Gegensteuerungsmaßnahmen des Konzerns: Wo gespart werden konnte, ohne das Leitbild einer besonderen Patientenbetreuung zu unterhöhlen und ohne die strategischen Entwicklungskonzepte zu gefährden, tat man es. Das bedeutet in der Praxis beispielsweise, dass man trotz der Sparmaßnamen den Ausbau des Reha-Standortes Rosenheim durch Anmietung und Ausbau weiterer Räume vorantrieb.

Entwicklungsstrategie Stresstest unterworfen

„Corona hat gezeigt“, so der GWC-Vorsitzende, „dass die Welt zerbrechlich ist und wie schnell sich für stabil gehaltene Rahmenbedingungen ändern können. Wir haben unter dieser Erkenntnis versucht, unsere Gesamtentwicklungsstrategie auf den Prüfstand zu stellen und dabei auch Stresstests zu unterwerfen“. Dabei habe sich gezeigt, dass die ambulanten Therapien ein wichtiger und beständiger Teil des Angebots-Portfolios sein werden.

Raumnutzung soll optimiert werden

Auch die Raumnutzung in den Kliniken soll optimiert und verbessert werden, hierfür läuft derzeit ein Raum-Masterplan. Sorgenkind dabei ist, wie der GWC-Vorsitzende einräumte, der Standort Prien. Hier sei man nach wie vor dabei, eine Verbesserung herbeizuführen, die unter anderem durch die Tatsache erschwert werde, dass man dort nur Pächter, aber nicht Eigentümer der Liegenschaften sei.

Digitalisierung nur mit mehr IT-Sicherheit

Dass man sich bei keinem Punkt der strategischen Agenda die Entscheidungen leicht gemacht hat, verdeutlichte Hämel unter anderem bei der Digitalisierung. Im Prinzip seien hier viele Vorteile, zum Beispiel bei der Möglichkeit einer digitalen Patientenakte, unbestritten. In der Praxis aber müsse man sich immer wieder fragen, ob die Einzelvorhaben auch tatsächlich einen effektiven Mehrwert für den Klinikbetrieb, vor allem aber für die Patienten ergäben. Digitalisierung nur der Digitalisierung willen sei eindeutig der falsche Weg, zumal die Digitalisierung unbedingt mit entsprechenden Investitionen im Bereich der IT-Sicherheit einhergehen müsse.

1200 Mitarbeiter halfen Konzerndurch die Krise

Gerhard Ertl, der Aufsichtsratsvorsitzende der Gesundheitswelt Chiemgau AG (links) und Vorsitzender Dietolf Hämel kurz vor der virtuell durchgeführten Aktionärshauptversammlung.

Die Ausrichtung auf den Patienten hin, das Bemühen, sich von den Mitbewerbern durch eine besondere Zugewandtheit zu den Kunden abzusetzen, bleibe auf jeden Fall der unverrückbare Kern des Konzerns, so Hämel. Er, wie auch der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Ertl, bedankte sich deshalb mehrmals bei den 1200 Mitarbeitern und hob hervor, dass die erfolgreiche Überwindung der bisherigen Krise nur durch deren Teamgeist, ihre Loyalität und ihr Engagement möglich gewesen sei. Damit werde, so Hämel, auch das kommende Jahr zu meistern sein, das wirtschaftlich gesehen jedoch ebenfalls noch ein „Corona-Sonderjahr“ sein werde: Zwar hoffentlich ohne einen weiteren Lockdown, aber mit der Erschwernis, die Nachwirkungen der Corona-Pandemie zu schultern und dies ohne einen Großteil der staatlichen Rettungsschirme.

Ströbinger Hof soll erweitert werden

Ein Ausbau steht beim Thermenhotel Ströbinger Hof an. Hier ist eine Erweiterung um 40 Betten im Hochqualitätssegment angedacht. Die Analysen, so Dietolf Hämel, hätten ergeben, dass gerade unter besonders anspruchsvollen Kunden ein umfassendes Gesundheitspaket aus einer Hand verbunden mit einer entsprechend hochwertigen Aufenthaltsqualität ein Marktfeld sei. Wenn die derzeit laufende Bauleitplanung der Gemeinde positiv verlaufe, könne mit dem Erweiterungsbau voraussichtlich noch im Herbst nächsten Jahres begonnen werden.

Quelle „Endorf II“ wird für rund acht Millionen Euro saniert

Eine große Herausforderung für die mittelbare Zukunft liegt, so der Vorsitzende der Chiemgau Gesundheitswelt AG, Dietolf Hämel, in der Sanierung der Thermalquelle Endorf II. Die bislang dafür veranschlagten Kosten belaufen sich auf acht Millionen Euro. Die Frage, ob eine Sanierung überhaupt sinnvoll sei, stelle sich zwar, sei jedoch klar zu beantworten. Zum einen sei eine Schließung der Quelle unter Berücksichtigung aller Folgekosten kaum kostengünstiger als eine Sanierung. Vor allem aber gebe man damit in gewissem Sinn einen Markenkern der Gesundheitswelt auf. Zielführender sei deshalb die Sanierung und der Versuch, die Thermalquellen in Zukunft deutlicher herauszustellen.

Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, so Hämel, dass durch eine jüngste Entscheidung des Bundestags ambulante Kuren wieder zu einer Pflichtleistung der Krankenkassen werden. Dies sei durchaus ein Meilenstein, aber deswegen beileibe noch kein Selbstläufer. Die Kuren müssten auch bei den Krankenkassen gewissermaßen erst wieder beworben werden.

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