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Im Gespräch mit Dr. Heinrich Thomas Wrede

Generationswechsel in vielen Betrieben: Priener Fachanwalt rät rechtzeitig die Nachfolge zu sichern

Dr. Heinrich Thomas Wrede wurde heuer vom Handelsblatt zum Anwalt des Jahres gekürt.
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Dr. Heinrich Thomas Wrede wurde heuer vom Handelsblatt zum Anwalt des Jahres gekürt.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Im oberbayerischen Handwerk stehen in den kommenden Jahren tausende Handwerksbetriebe zur Übergabe ab. Was aber passiert, wenn der Chef in den Ruhestand gehen will? Immerhin sind davon Arbeitsplätze betroffen. Auch das Bayerische Wirtschaftsministerium nimmt sich des Themas an.

Prien – In immer mehr deutschen und damit auch bayerischen Familien und Betrieben steht ein Generationenwechsel an. Einer, der sich auf diesem Gebiet gut auskennt, ist der Priener Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht Dr. Heinrich Thomas Wrede. Er wurde kürzlich vom „Handelsblatt“ in der Kategorie „Nachfolgeplanung und Stiftungen“ zum Anwalt des Jahres 2021 ausgezeichnet, im 50. Jahr seiner Anwaltstätigkeit. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich mit ihm unterhalten.

Das von dem Anwalt im Jahr 1976 erbaute Kanzleigebäude befindet sich nur wenige Meter vom Priener Rathaus entfernt. Der Hof ist mit kleinteiligem Pflaster aus rotem Porphyr belegt. Er setzt sich in Plattenform im Parterre des Hauses bis in den Besprechungsraum des bekennenden Kunstliebhabers fort.

Zukunftsplanung eine Kernaufgabe

Das gleichmäßige Tick-Tack der Kaminuhr auf dem Fenstersims unterstreicht die Ruhe, die dieser ehrwürdige, gediegene Raum ausstrahlt. An den Wänden hängen großformatige Gemälde von Bruno Goller, im Regal stehen Bronzefiguren von Huub und Adelheid Kortekas und antiquarische Holzmöbel sind im Raum verteilt.

„Die Themen Nachfolgeplanung und Stiftungen sind eng aneinander gekoppelt“, erklärt Wrede. Die lebzeitige Unternehmensnachfolge hält der Anwalt für jede Familie und jeden Betrieb für eine wichtige Kernaufgabe. Er empfiehlt, sich rechtzeitig darum zu kümmern.

Als Beispiel erzählt er von einem Landwirt, der es ständig vor sich hergeschoben habe, sein Testament zugunsten eines von ihm gewählten Erbens aufzusetzen. „Als der Landwirt plötzlich und unerwartet verstarb, sind die ansehnliche Landwirtschaft versteigert und das Vermögen unter 24 gesetzlichen Erben aufgeteilt worden.“

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Wrede sagt, er habe die Erfahrung gemacht, je älter die Menschen würden, umso schwerer falle es ihnen, ihr Lebenswerk für die Zeit nach sich zu ordnen: „Wenn die Nachfolge nicht rechtzeitig unter Berücksichtigung der steuerlichen Gegebenheiten geregelt ist, können Steuerlast und Pflichtteilansprüche im schlimmsten Fall zur Aufgabe der Firma führen.“

Werde die Nachfolge dagegen zu Lebzeiten geregelt, könnten alle Steuersparmöglichkeiten genutzt werden, zum Beispiel in zeitlichen Zehn-Jahres-Abständen Vermögen auf Kinder und Ehefrau steuerfrei zu übertragen.

Und wenn es keinen Nachfolger in der Familie gibt? Dazu Wrede: „Dafür gibt es die charmante, aber mit Behutsamkeit zu behandelnde Möglichkeit einer Adoption.“

Bei hohem Vermögen kann Stiftung eine interessante Option sein

In einem „Hochsteuerland“ wie Deutschland kämen Familien und die Eigentümer von Betrieben „irgendwann in Größenordnungen“, in denen sie sich der Steuer wegen etwas für die Regelung der Vermögensnachfolge einfallen lassen müssten. Eine Stiftung könne dem Erhalt der Firma und der Versorgung der Erben dienen. Außerdem seien Stiftungen in der Regel mit einem wohltätigen Zweck verbunden.

Wrede nennt als „Hausnummer“ Werte ab zehn Millionen Euro als eine interessante Option für eine Stiftung. Wegen der damit verbundenen laufenden Kosten sei auf sie stets ein sorgsamer Blick zu werfen.

Der 80-jährige Anwalt denkt selbst noch nicht ans Aufhören

Der 80-Jährige könnte sich schon längst zur Ruhe setzen, Sohn Florian ist in der Kanzlei als Wirtschaftsjurist im Inkassobereich tätig. Im Juli dieses Jahres feierte Dr. Wrede Goldene Promotion und Goldenes zweites Staatsexamen, privat steht im Dezember die Goldene Hochzeit bevor. Zum Leidwesen seiner Gattin, wie Wrede mit einem Augenzwinkern erklärt, sei er selbst immer noch in Vollzeit berufstätig.

Sein Beruf sei seine Leidenschaft. Sein besonderes Interesse habe schon im Studium dem Erbrecht gegolten. Er kommentierte zum Beispiel die Vorschriften der Erbengemeinschaft im Deutschen Erbrechtskommentar. Außerdem schuf Wrede die Lions-Stiftung Prien für häusliche Alten- und Krankenpflege, deren Vorsitzender er ist.

Anwalt denkt selbst nicht ans Aufhören

Die Auszeichnung des Handelsblattes zum Anwalt des Jahres 2021 solle er „mit heiterer Selbstzufriedenheit“ hinnehmen, wie es einer seiner Freunde ausgedrückt habe. „So belobigt kann man beruhigt den Ruhestand angehen“, meint dazu der Jurist. Obwohl davon offenbar noch keine Rede ist. Noch hängt in der Ecke des Besprechungsraumes am Garderobenständer seine bayerische Anwaltsrobe. Daneben lugt verstohlen der rote Aktenkoffer hinter der Vitrine hervor. Wrede denkt noch nicht ernsthaft ans Aufhören – immerhin ist aber das weitere Bestehen seiner Kanzlei durch den Sohn bereits geregelt.

8000 Handwerksbetriebe in Oberbayern stehen demnächst zur Übergabe an:

Seit rund 20 Jahren biete die Handwerkskammer für München und Oberbayern eine Betriebsbörse an, informiert Pressesprecher Jens Christopher Ulrich auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen. Sie solle den Kontakt herstellen zwischen Übergeber und interessiertem Übernehmer einer Firma herstellen. Die Handwerkskammer schätze, dass in den kommenden fünf Jahren mehr als 8000 Unternehmen im oberbayerischen Handwerk zur Übergabe anstünden. Betriebswirtschaftliche Berater unterstützten den oft jahrelang dauernden Übergabeprozess „kostenlos und neutral“.“Die Betriebsnachfolge ist für das Handwerk ein zentrales Thema“, so Ulrich. Jeder dritte Inhaber sei 55 Jahre oder älter. Der Bedarf an geeigneten Betriebsnachfolgern sei auch wegen der demographischen Entwicklung größer. Etwa die Hälfte der Unternehmen werden innerhalb der Familie übergeben, ein Viertel der Nachfolger kämen aus der Belegschaft. „Das heißt, für sie muss auf dem freien Markt ein Übernehmer gesucht werden“, erklärt Ulrich. Wegen der oft jahrelangen Vorbereitungen empfehle die Handwerkskammer Firmeninhabern, sich bereits im Alter von 55 Jahren mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ebenso wichtig sei, weiterhin in das Unternehmen zu investieren, um es auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. Finde sich kein Nachfolger, müsse das Unternehmen die Geschäftstätigkeit irgendwann beenden. Ulrich dazu: „Das ist in vielerlei Hinsicht problematisch: Wissen geht verloren, die Versorgung der Bevölkerung mit handwerklichen Produkten und Dienstleistungen leidet, und schlimmstenfalls müssen auch Arbeitsplätze abgebaut werden.“

Offensive von Wirtschaftsministerium und Handwerkskammern:

Das Bayerische Wirtschaftsministerium betreibt mit der Industrie- und Handwerkskammer sowie der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern eine „Offensive Unternehmensnachfolge“. Es zitiert auf seiner Internetseite den Präsidenten des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Dr. Eberhard Sasse, mit folgenden Worten: „Die Unternehmensnachfolge zu sichern, wird für den bayerischen Mittelstand zu einer immer größeren Herausforderung.“ Immer mehr Unternehmer erreichten das Rentenalter, gleichzeitig ließen „Gründergeist“ und Interesse nach. Die Unternehmensnachfolge ist laut Wirtschaftsministerium „gesamtwirtschaftlich von großer Bedeutung“.

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