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„Für Investitionen hat er ein Händchen“

Die Kessel für den ersten großen Auftrag in New Jersey wurden auf der Grundlage von handgezeichneten Skizzen angefertigt. Heute haben Kunden am liebsten ein 3D-Modell, um sich das Produkt gut vorstellen zu können.   nk
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Die Kessel für den ersten großen Auftrag in New Jersey wurden auf der Grundlage von handgezeichneten Skizzen angefertigt. Heute haben Kunden am liebsten ein 3D-Modell, um sich das Produkt gut vorstellen zu können. nk

Auf die Neuregelung der Erbschaftssteuer wollte Martin Empl nicht mehr warten. Schwindegg.

Zum Jahresende hat der Unternehmer seinen kleinen, mittelständischen Betrieb für Anlagen- und Sondermaschinenbau an seinen Sohn Tobias Empl übergeben. Vor allem als Prokurist wird der Unternehmensgründer jedoch weiterhin aktiv sein – auch wenn mehr Zeit zum Fahrradfahren und für das Restaurieren seines Oldtimers bleiben soll.

– Ob es richtig war, das Unternehmen noch unter der aktuellen Regelung der Erbschaftssteuer zu übergeben, wisse man immer erst im Nachhinein. „Ich hatte gehofft, dass es seitens der Politik bis Ende dieses Jahres zumindest eine Tendenz gibt, in welche Richtung die Neuregelung geht“, sagt Martin Empl. Doch danach hatte es schon länger nicht mehr ausgesehen. „Ich gehe auch nicht davon aus, dass sich in der Kategorie, in der unser Unternehmen eingeordnet wird, viel ändert.“

Von einer Garagenfirma zu einem 45 Mitarbeiter zählenden Unternehmen hat Martin Empl das Unternehmen Empl Anlagen in den mehr als 30 vergangenen Jahren ausgebaut – mit Unterstützung seiner Frau Anna, die die Selbstständigkeit ihres Mannes immer mit getragen hat. „Sie ist im Betrieb für die Finanzen zuständig – und bremst uns auch, wenn wir zu viel investieren wollen“, sagt Martin Empl und schmunzelt. „Er hat aber ein gutes Händchen, was Investitionen angeht. Er hat genau gewusst, wann was wie investiert werden muss“, sagt Sohn und Geschäftsführer Tobias Empl mit Blick auf seinen Vater. „Während ich alles mehrmals hinterfrage, entscheidet er aus dem Bauch heraus.“ „Mir fällt wenig ein, was ich heute anders gemacht hätte“, sagt auch der Seniorchef rückblickend.

Eigentlich wollte Martin Empl schon mit 62 in den Ruhestand gehen. „Mit jedem Tag, den ich länger im Betrieb bleibe, wird die Situation ja nicht besser.“ Auch wenn der heute 64-Jährige am 1. Januar nicht mehr Geschäftsführer ist, sich zum Jahresende ganz aus dem Geschäft zurückzuziehen schafft er nicht. „Das würde auch eine zu große Lücke hinterlassen – und ihm wäre langweilig“, sagt Tobias Empl, der ab morgen das Unternehmen als alleiniger Geschäftsführer weiterführen wird. Bislang ist sein Vater noch voll im Projektgeschäft involviert. Die Projekte, die er angestoßen hat, wird er auch weiterhin betreuen. „Er soll jedoch entlastet werden. Einen Ersatz zu finden wird nicht einfach“, sagt Tobias Empl. „Um mich von jetzt auf gleich ganz zurückzuziehen, mache ich meine Arbeit auch zu gerne“, fügt der Firmengründer mit einem Lächeln im Gesicht hinzu.

Erst Landwirtschaft, dann Maschinenbau

Bereits mit 14 Jahren hat Martin Empl angefangen zu arbeiten. „Das war damals üblich, schließlich ging die Schule nur acht Jahre.“ Nach der Schulzeit begann er eine landwirtschaftliche Lehre, um als ältester Sohn der Familie später einmal den Hof zu übernehmen. Das Fremdjahr verbrachte er auf einem Gutsbetrieb in Feldkirchen bei München. „Die hatten eine Brennerei mit dabei und haben zu dem Zeitpunkt einen neuen Destillierapparat bekommen.“ Diese Anlage hat Martin Empl fasziniert. „So etwas wollte ich auch bauen können.“

Seine landwirtschaftliche Lehre hat Empl zwar abgeschlossen, im Anschluss jedoch in zwei Jahren eine weitere angeschlossen: zum Kupferschmied und Apparatebauer, heute lautet die Berufsbezeichnung Behälter und Apparatebauer. 1978 schloss er seine Meisterprüfung in dem Beruf ab. „Bis zu dem Zeitpunkt habe ich an eine Selbstständigkeit noch gar nicht gedacht. Das war eigentlich nie mein Ziel.“

Dennoch wagte er 1981 mit einer Investition von 60 000 D-Mark in einen eigenen Schweißautomaten, den er in einer Doppelgarage unterbrachte, als Ein-Mann-Betrieb den Schritt vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit. Vier Jahre später folgte dann der Schritt zum Bau einer eigenen Werkstatt – und ein Großauftrag über 75 Kessel sorgte dafür, dass der Mitarbeiterstamm um einen zweiten Angestellten und einen Lehrling erweitert wurde.

Wenn Martin Empl an diesen ersten großen Auftrag zurückdenkt, muss er schmunzeln. „Die hatten ziemlich viel Vertrauen in mich. Erst im Mai haben wir unsere Werkstatt gebaut, nur mit den Plänen in der Hand habe ich mich um den Auftrag beworben“, erinnert sich der Unternehmer. Und bis Dezember des selben Jahres sollten alle 75 Kessel fertig gebaut sein. Die handgeschriebenen Skizzen inklusive der Angebotsberechnung, nach denen die drei unterschiedlichen Kesselgrößen gebaut wurden, hat er heute noch im Archiv. „So etwas ist heute undenkbar. Da haben die Kunden am liebsten ein 3D-Modell, um sich alles ganz genau vorstellen zu können.“

Enkel, Radlfahren und der Oldtimer

Auch wenn Martin Empl seinem Unternehmen erhalten bleibt, eine höhere zeitliche Flexibilität zum Radlfahren soll es im kommenden Jahr geben. „Das ist ein großes Hobby von mir. Ich hoffe schon, dass ich das schöne Wetter bald ein bisschen besser ausnutzen kann.“ Und auch an seinem Oldtimer, Jahrgang 1933, kann er dann basteln und ihn wieder instandsetzen. Am wichtigsten, so der 64-Jährige, sei jedoch die zusätzliche Zeit für seine drei Enkelkinder.

Dennoch, leicht werde es für ihn nicht, die Arbeit hinter sich zu lassen. Das wird auch deutlich, wenn er über die vielen Projekte spricht, die er in den vergangenen Jahren realisiert hat – oder noch realisieren wird, ob für die Automobilbranche oder den Wintersport. „So lange ich noch ein bisschen mit dabei sein kann, bin ich schon zufrieden. Mein Traum wäre eine kleine Werkbank in der Ecke der Produktionshalle, an der ich noch ein bisschen werkeln kann.“

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