Führungswechsel am Institut für Fenstertechnik: Jörn P. Lass folgt auf Ulrich Sieberath

Wohl kaum jemand kennt sich mit Fenstertechnik so gut aus wie Professor Ulrich Sieberath. ift rosenheim

Das Institut für Fenstertechnik (ift) Rosenheim ist mit 230 Mitarbeitern einer der führenden Technologiearbeitgeber der Region. Einer der Experten ist Ulrich Sieberath, der das Institut seit 2004 geleitet hat. Zum 1. Januar 2020 übergibt er die Leitung an seinen Nachfolger Jörn P. Lass.

Rosenheim – 37 Jahre lang war er am Institut für Fenstertechnik (ift) in Rosenheim, zum Jahresende geht er in Ruhestand: Professor Ulrich Sieberath ist ab Januar 2020 zwar noch Autor und Referent für das ift, doch die Leitung des Instituts hat künftig Professor Jörn P. Lass. Dieser ist seit 36 Jahren in der Fenster- und Fassadenbranche tätig, davon 14 Jahre in verschiedenen Führungsaufgaben am ift und zuletzt sechs Jahre an der Technischen Hochschule Rosenheim als Leiter der Studienrichtung „Gebäudehülle“.

Bereits zu den Rosenheimer Fenstertagen 2019 wurde Sieberath im Oktober von den Teilnehmern mit langem Applaus geehrt. Von Astrid Wirges, Mitglied der Geschäftsleitung des Deutschen Instituts für Normung (DIN), wurde er als „Vater“ der Produktnorm für Fenster und Türen sowie für seine großen Verdienste in der Normungsarbeit mit der DIN-Ehrennadel gewürdigt. Von der Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer erhielt Sieberath die Verdienstmedaille der Stadt. Interesse für Fenster früh geweckt

„Mein Berufsweg begann früh, denn ich habe schon als Kind die Fensterwerkstatt meines Vaters besucht. Ich war begeistert von den technischen Geräten und wie aus Holzstücken auf wunderbare Weise ein Fenster entsteht“, erzählt Sieberath. Nach der Schreinerausbildung habe sein Vater ihm geraten, im fernen Rosenheim die Fensterbaukunst ingenieurmäßig zu vertiefen. Nach einem Praxissemester im Institut für Fenstertechnik sei für ihn klar gewesen, dass er als Ingenieur die Fenstertechnik weiterentwickeln wollte.

Die Idee mit dem „Normeinbrecher“

Gleich nach seinem Eintritt ins ift Rosenheim musste er das Normenwerk zur Einbruchhemmung bearbeiten. Dabei war die Besonderheit, dass eine statische mechanische Prüfung den Erfindungsreichtum der Einbrecher nicht abdecken konnte. Deshalb wurde gemeinsam mit der Kriminalpolizei das Täterverhalten analysiert. Darauf aufbauend entstanden die Idee des „Normeinbrechers“ und die manuelle Prüfung mit der Angriffszeit als Bewertungskriterium, was sich auch heute noch bewährt. Ab 1989 widmete sich Sieberath vor allem europäischen Produktnormen und setzt dabei Maßstäbe für die objektive Ermittlung von Produkteigenschaften.

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Nach eigenen Worten hatte Sieberath immer viel Verständnis, wenn Betriebe und Handwerker über zu viele Regeln bei Technik sowie Arbeits- und Steuerrecht stöhnten. „Ich habe aber zugleich klar gemacht, dass die Normung die Sprache der Technik ist und vieles vereinfacht.“ Vorschriften hätten immer auch zu neuen Technologien geführt, so der Fenster-Fachmann, die deutschen Betrieben einen technischen Vorsprung verschafft hätten. Als Beispiel dafür nennt er das energieeffiziente Bauen, das im Wesentlichen durch die Wärmeschutzverordnung angeschoben worden sei.

2002 wurde Sieberath zum stellvertretenden Leiter des ift ernannt, ab 2004 führte er das Institut gemeinsam mit Dr. Jochen Peichl. Die Professur 2012 war eine Auszeichnung für seine langjährige Lehrtätigkeit seit 1984 und das innovative Weiterbildungsangebot ED PRO, das er gemeinsam mit Professor Heinrich Köster, dem Präsidenten der Technischen Hochschule Rosenheim, entwickelte. Dabei wurden Theorie und Praxis im Masterstudiengang „Fenster und Fassade“ kombiniert.

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Die obligatorische Frage nach seinen Plänen für den Ruhestand beantwortet Sieberath mit einem Augenzwinkern: „Ich bin dann mal weg, aber nicht auf dem Jakobsweg, sondern im Aktivstand.“ Er wolle die neue zeitliche Freiheit für seine Familie und für Reisen in Länder nutzen, die er bislang nur geschäftlich besuchen konnte. „Nach einer kreativen Pause werde ich meine Erfahrung und mein Wissen an die nächste Generation von Ingenieuren, Technikern und Meistern gerne weitergeben. So bleibe ich dem ift und der Branche noch erhalten.“

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