Erfolg im Team

Reha auch für Spitzensportler: Fit werden in Edling im Therapiezentrum Corox

In der Corox-Sporthalle wird unter anderem gemessen, wie fit Sportler sind – beim Sprint, Sternlauf mit Ball, bei Sprüngen, Kondition oder Beweglichkeit. Corox by Hans Friedl
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In der Corox-Sporthalle wird unter anderem gemessen, wie fit Sportler sind – beim Sprint, Sternlauf mit Ball, bei Sprüngen, Kondition oder Beweglichkeit. Corox by Hans Friedl
  • Heike Duczek
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An den Wänden hängen keine signierten Trikots oder Dankesschreiben bekannter Sportler – und trotzdem gehen sie im Athletik- und Therapiezentrum Hans Friedl in Edling ein und aus: Athleten aus dem Biathlon, aus dem Profiradsport und der Leichtathletik, Fußballspieler der höheren Ligen und Iron-Men.

Edling – Doch eine Sonderbehandlung gibt es für diese Berühmtheiten bei Hans Friedl, Inhaber und Geschäftsführer des Athletik- und Therapiezentrums Corox in Edling, nicht. Bürokraft mit Kalkschulter oder Pokalmeister, Rentner mit neuem Kniegelenk oder verletzter Profisportler: Sie eine schließlich ein Wunsch, sagt Friedl: fit zu werden.

Krankengymnast des olympischen Teams

Der 55-Jährige, auch Physiotherapeut des deutschen olympischen Teams, empfängt in der Sporthalle deshalb nicht nur adipöse Kinder, die hier lernen, dass Bewegung Spaß macht, sondern auch Athleten, die nach einer Verletzung ihre Sprintfähigkeit testen. 40 Mitarbeiter, darunter auch ehemalige Profisportler, kümmern sich um etwa 500 Patienten am Tag – auch jetzt in der Pandemie, denn einen Lockdown gab es im Therapiezentrum aufgrund der Systemrelevanz nicht. Deshalb wird die Firma Corox, die nach Angaben von Friedl jährlich einen Umsatz im hohen siebenstelligen Bereich erwirtschaftet, die Pandemie gut bewältigen.

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Trotzdem kam die Krise auch hier zu unrechter Zeit, denn Friedl feiert heuer das 25-jährige Bestehen. Zeit zum Erinnern hat der Chef und Gründer nicht, er ist eher jemand, der nach vorne statt zurückschaut. „Ich bin ein Visionär“, sagt der gebürtige Wasserburger, der sich als junger Fußballer schwer verletzte und in dieser Zeit zum ersten Mal die heilende Wirkung der Physiotherapie erlebte.

Hans und Evi Friedl halten sich selber mit Bergwandern fit.

Friedl erlernte zuerst jedoch das Schreinerhandwerk, bevor er sich den Traum erfüllte, seine Leidenschaft für den Sport mit einem Beruf zu verbinden. 1996 machte er sich im Wasserburger Sportpark Fit & Fun selbstständig. Die Spezialisierung auf die Sport-Physiotherapie brachte aufgrund eines sehr guten Abschlusses Kontakte zu den deutschen Spitzenverbänden. Seit 1997 betreut Friedl auch National- und Olympiamannschaften – verletzte Athleten ebenso wie solche, die ihre Fitness vorbeugend stabilisieren wollen, Einzelsportler ebenso wie Teams und ganze Vereine.

1999 wurde die Praxis in Wasserburg zu klein, es folgte der Umzug nach Edling. 2004 übernahm Friedl ein dortiges Rehazentrum, dann folgte der weitere Ausbau der sportwissenschaftlichen Diagnostik, Athleten auch aus internationalen Verbänden kamen hinzu. Wieder wurde das Haus zu klein, 2012 folgte der Neubau Am Sonnenpoint in Edling. „2013 stellten wir dann fest, dass wir wieder zu klein geworden sind“, berichtet Friedl. Erneut rückten die Baumaschinen an, Anbauten mit Diagnostikhalle und Fußballplatz im Freigelände folgten.

„Bis 2018 haben wir durchweg gebaut“, sagt er. Weitere Pläne liegen in der Schublade: etwa für ein Bettenhaus zur Unterbringung von Athleten oder für ein Bewegungsbad. Eine halbe Million Euro hat er unter anderem in den Ausbau der Testdiagnostik gesteckt. Die Marke „Corox by Hans Friedl (Core = Kern des Körpers, ox = Oxygen = Sauerstoff) ist auch aufgrund eigener Diagnostikwerkzeuge weltweit bekannt geworden, berichtet der Gründer.

„Mein Erfolgsgeheimnis ist mein Team“, sagt er jedoch. Dazu gehören neben Physiotherapeuten unter anderem auch Sportwissenschaftler – und junge Leute im dualen Studium. Eng arbeitet das Zentrum auch mit Hochschulen zusammen.

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Den Rücken für die inhaltliche Arbeit hält ihm seine Frau frei: Die 44-Jährige ist zuständig für die Finanzen, für Planung und Organisation. „Wir leben für unseren Beruf“, sagen die Friedls, die sich privat auf dem Mountainbike, in den Bergen und durch Wanderungen mit ihren drei Hunden fit halten. Drei Söhne sichern, dass das Unternehmen weitergeführt wird. „Ich möchte mit keinem Menschen auf der Welt tauschen“, sagt Friedl, „meine Arbeit, mein Team, meine Familie: Mehr brauche ich nicht.“

Seiteneingang für die Sport-Größen

Schlicht zeigt sich auch das 2000 Quadratmeter große Athletik- und Therapiezentrum im Edlinger Gewerbegebiet: kein Schnick-Schnack bei der Möblierung, kaum Deko. „Wir sind schließlich kein Wellnesszentrum“, erklärt der Gründer. Die Funktionalität stehe im Fokus, sein Stolz sind die Diagnose- und Therapiegeräte wie das neueste, das Antischwerkraft-Laufband, in dem Patienten in einer Art Luftsack, der 80 Prozent des Körpergewichts aufnimmt, trainieren.

Die Stars – unter anderem Fußballer, Radfahrer, Wintersportler und Basketballer – haben zwar die Möglichkeit, über einen Seiteneingang unbemerkt zu ihren Trainingsräumen zu gelangen, ihre Kabinen sind jedoch genauso sparsam ausgestattet wie jene der Kassenpatienten, die hier dank Überweisung ihre Rückenmuskulatur kräftigen oder nach einer Knie-OP genesen.

Corona und die daraus resultierenden Herausforderungen:

Gemeinsam hat das Team des Athletik- und Therapiezentrums von Hans Friedl die Unsicherheiten rund um die Pandemie gemeistert. Auch Friedl musste sich neu aufstellen, um Hygieneauflagen zu erfüllen – ein Beispiel sind Online-Rehasport-Kurse für Senioren oder für junge Nachwuchsfußballer vom TSV 1860 Rosenheim, die auf diese Weise am Ball gehalten werden. Eine weitere Corona-Folge: Viele Patienten kommen aufgrund der zu Beginn der Pandemie oft ausgefallenen oder verkürzten stationären Rehabilitationsmaßnahmen viel früher als sonst zur ambulanten Physiotherapie – eine Herausforderung, weil viele frisch operierte Klienten noch unter akuten Folgen von Operationen leiden. Corona-Erkrankungen mit Spätfolgen erfordern außerdem neue Programme – etwa Atemtherapien zur Stärkung der Lunge. Auch hier ist das Team Friedl dran. Die lange Isolation vieler Menschen hat, so eine weitere Erfahrung, vielen zugesetzt: Seelische Erkrankungen führen zu körperlichen Leiden, es bedarf neuer therapeutischer Maßnahmen, berichtet das Team Friedl. Friedl stellt außerdem fest, dass viele Kinder unter dem ausgefallenen Unterrichts- oder Vereinssport leiden, oft fehle die Beweglichkeit, hinzu kämen neue Gewichtsprobleme.

Im Profisport sind viele Wettkämpfe ausgefallen. Hier stehe derzeit die Verletzungsprophylaxe im Fokus. Athleten stabilisieren ihre Fitness im Friedl-Training, untergebracht sind sie während des Lockdowns in Pensionen oder Hotels.

Die Berühmtheiten: Von den Löwen bis zum Iron-Man

Die Wasserburger Löwen finden seit Jahren im Athletikzentrum von Hans Friedl in Edling Unterstützung. Abteilungsleiter Kevin Klammer sieht in der physiotherapeutischen Behandlung und im Athletiktraining „einen Grundpfeiler unseres Erfolges – von der A-Klasse bis zur Bayernliga“.

Das Team Friedl legt Wert darauf, die Privatsphäre der prominenten Sportler im Athletikzentrum zu schützen. Nur einige wenige Namen können bekanntgegeben werden: darunter Iron-Man Patrick Lange und Fußballer Andreas Voglsammer sowie Kollegen von 1860 München und der Spielvereinigung Unterhaching.

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