Firma Heinzinger aus Rosenheim setzt mit Hochspannung auf E-Mobilität

Seinen Standort in Rosenheim hat Heinzinger electronic zuletzt erweitert, um der wachsenden Nachfrage nach Netzgeräten gerecht zu werden. Das Unternehmen besteht heuer seit 60 Jahren . re/Rumberger

Die E-Mobilität verleiht dem internationalen Markt der Fahrzeughersteller gerade neuen Schwung. Mittendrin: der Rosenheimer Elektronikspezialist Heinzinger, der in diesen Tagen sein 60-jähriges Bestehen feiert.

Rosenheim – Die Heinzinger electronic GmbH konzentriert sich mit ihrem rund 100 Köpfe starken Team auf die Entwicklung, Fertigung und den Vertrieb von Hochspannungsnetzgeräten für den Einsatz in Industrie, Forschung und Entwicklung. Zu gute kommen dem Betrieb dabei seine langjährige Kompetenz und die Erfahrung in allen Bereichen präziser Stromversorgungslösungen, „auch und gerade für sehr große Leistungen“, wie Geschäftsführer Alfred Werndl ergänzt.

Akzeptanz für E-Mobilität wächst

Im Markt hat sich Heinzinger daher im Lauf der Zeit einen Platz unter den Top zehn Herstellern der Welt sichern können. So kommt es, dass das Rosenheimer Unternehmen ein Premiumpartner für die Stromversorgung der Prüfstände sämtlicher europäischer Autobauer und ihrer Zulieferer ist. Unter den Herstellern gilt es als einer der bevorzugten. „Mit solchen Prüfständen werden etwa Lebensdauertests für Hochvoltbatterien, wie sie in Elektrofahrzeugen eingesetzt werden, durchgeführt“, erklärt Werndl. Und, warum sich gerade diese Kompetenz zu einem der wichtigsten Bausteine in der Erfolgsgeschichte von Heinzinger entwickelt: „Die Investitionsbereitschaft aller Automobilhersteller ist enorm, nun auch in den bis vor Kurzem noch auf fossile Brennstoffe ausgerichteten Ländern wie den USA. Dies stellt ein weiterhin ungebrochenes Wachstum im Bereich der Elektrifizierung von Fahrzeugen in Aussicht. Weiter ist das Wachstum, vor allem in China, Südkorea und Japan ebenso ungebremst.“

Lesen Sie auch: VDA-Präsident Mattes: „E-Mobilität muss für die Bürger sichtbar sein“

Über zwei Millionen E-Fahrzeuge weltweit

Erst vor Kurzem zeigten Auswertungen des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, dass die Zahl der neu zugelassenen E-Autos und elektrischen Nutzfahrzeuge 2018 weltweit die Zwei-Millionen-Marke überschritten hat. Experten des CAM rechnen damit, dass die Zahl der Verkäufe noch in diesem Jahr auf 2,7 Millionen steigt. China sieht man als Treiber, als größter Absatzmarkt gelten die USA mit derzeit über 360 000 Neuzulassungen.

Das feste Vorhaben, im Bereich der Batterietechnik eine führende Rolle einnehmen zu wollen, setze in Deutschland und Europa enormes Potenzial frei. „Der Bedarf für solche Netzgeräte ist in Deutschland sehr groß, die Nachfrage entsprechend“, so Werndl. Daher hat man sich vorausschauend entschieden, dafür eine neue Fertigungslinie aufzubauen, die in diesem Sommer fertiggestellt wurde und die Produktion vervierfacht hat.

Neue Lösungen für die Medizintechnik

„Der dynamische Automobilmarkt, vom Verbrenner hin zu anderen Antriebsarten, bietet in der Zukunft große Möglichkeiten für uns“, ist Werndl überzeugt. „Unabhängig davon, ob die Energie im Automobil der Zukunft über Batterien, Supercaps oder Brennstoffzellen an die Antriebseinheiten geliefert wird, sind unsere Prüfstandsnetzgeräte immer dann einsetzbar, so lange der Antriebsstrang im Pkw elektrifiziert bleibt.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Hoffnung machen zum Beispiel neue Nachrichten aus der deutschen Energie- und Technikbranche: Forscher eines Unternehmens aus Bruchsal haben einen Batterietyp entwickelt, der E-Autos mit 1000 Kilometern Reichweite zulässt. Die Entwickler sehen darin den Durchbruch für die E-Mobilität, selbst wenn es zwei bis fünf Jahre bis zur Serienfertigung dauern könne.

Magnetstrom für die Krebsbehandlung

Neben den Zukunftsmärkten Automotive und Hochspannung hat der technologiegetriebene, inhabergeführte Mittelständler den Marktzugang für Magnetstromversorgung für sich geebnet: Für einen Kunden aus der Medizintechnik haben die Rosenheimer eine Lösung entwickelt, die in der Protonentherapie zur Ansteuerung von Magneten eingesetzt wird. Solche Anlagen werden in der Krebstherapie eingesetzt. „Mit dieser neuen Technologie ist es möglich, Patienten zu bestrahlen, ohne dabei das umliegende, gesunde Gewebe nennenswert zu schädigen“, beschreibt Werndl die Funktionsweise. „Die Vision unseres Kunden ist, jedem größeren Krankenhaus eine solche Bestrahlungsanlage zu ermöglichen.“ Es gebe Prognosen, denen zufolge eine Protonentherapieanlage pro zehn Millionen Einwohner verfügbar sein soll.

Lesen Sie auch: Streetscooter steuert USA und China an

Berufsbilder sind breit gestreut

So unterschiedlich die Zielgruppen des Rosenheimer Unternehmens sind, so viel Wert legt man im eigenen Haus auf sozialen Zusammenhalt und Teamgeist. Weil sämtliche Leistungen unter einem Dach stattfinden, sind die Berufsbilder breit gestreut. Ein Schwerpunkt liegt auf elektrotechnischen Berufen. Facharbeiter, Meister, Techniker, Ingenieure, Handwerker wie Akademiker arbeiten am Standort. Ausgebildet werden Elektroniker für Geräte und Systeme sowie Industriekaufleute; der Großteil von ihnen bleibt im Unternehmen. Weiterbildung wird gezielt gefördert, etwa zum Techniker oder Meister. Auch duale Studenten gehören zur Belegschaft.

Soziale Werte und Teamgeist gefragt

„Ein vernünftiges Wertegefüge und soziale Sicherheit“, sagt Werndl, zählen am Standort mindestens so viel wie die technische Kompetenz der Mitarbeiter. „Gerade in der letzten Zeit musste man hier in der Region heftige Entlassungswellen miterleben, zum Teil unter fraglichen, sozialen Bedingungen“, beobachtet der Geschäftsführer, der den Betrieb selbst im Jahr 2002 aus der Knürr-Gruppe herauslöste und auf eigene Füße stellte. Das Wachstum in den Jahren danach gab seiner unternehmerischen Entscheidung recht.

So hat Heinzinger jüngst Arbeitnehmer von Rosenheimer Traditionsbetrieben übernommen, die in die Krise geraten waren – „Kathreiner“ sind darunter und vor allem Mitarbeiter der in der Nähe beheimateten, ehemaligen Firma Multitest. Ihnen wolle man eine Perspektive bieten, wie Werndl sagt, „eine neue berufliche Heimat und die Mitarbeit in einem menschenorientierten Unternehmen.“

Kommentare