Filtermaterial für viele Millionen Mund-Nasen-Masken aus Feldkirchen-Westerham

Produktion auf der Vlies-Anlage (von links): Andreas Kaltner und Martin Beer beim Qualitäts-Check.
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Produktion auf der Vlies-Anlage (von links): Andreas Kaltner und Martin Beer beim Qualitäts-Check.

Die Anlagen der Papierfabrik Neenah Gessner in Feldkirchen-Westerham laufen Corona bedingt auf Hochtouren. Das Unternehmen produziert dort unter anderem ein selbst entwickeltes Filtermaterial für zivile Mund-Nasen-Masken.

Von Ulrich Nathen-Berger

Feldkirchen-Westerham – „Ausverkauft“ hieß es im Frühjahr kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie auf vielen Schildern in Schaufenstern von Apotheken und Drogeriemärkten: Mund-Nasen-Schutzmasken waren selbst im Internet für Verbraucher nicht mehr aufzutreiben. Die weltweit explodierende Nachfrage sorgte für Engpässe bei den Lieferanten. Zudem waren weite Bereiche der Wirtschaft aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie lahmgelegt. Anders erging es Herstellern der Masken und des darin verwendeten Filtermaterials – wie in unserer Region dem international agierenden Unternehmen Neenah Gessner mit Standorten in Feldkirchen-Westerham und Bruckmühl.

„Die Papierfabrik hat als Arbeitgeber eine große Bedeutung für unsere Marktgemeinde, auch als Ausbildungsbetrieb“, erklärt Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter unserer Zeitung. „Die Mitarbeiter identifizieren sich sehr stark mit ihrem Unternehmen. Viele von ihnen sind im örtlichen Vereinsleben integriert. Wir haben ein gutes Miteinander mit der Werksleitung.“

630 Mitarbeiter produzieren an beiden Standorten bei einem Jahresumsatz von rund 180 Millionen Euro technische Spezialpapiere und synthetische Materialien für die Anwendungsbereiche Filtration, Klebebänder und Schleifpapiere, die weltweit exportiert werden. Am Standort Feldkirchen-Westerham werden vor allem die Materialien für Filtrationsanwendungen in den Bereichen Automobil, Industrie und Luftreinigung in Gebäuden hergestellt – und mittlerweile für Gesichtsmasken.

„Unsere Kunden sind Maskenhersteller, die den freien Markt beliefern, aber auch im Auftrag des Bundes für den Gesundheitsbereich produzieren“, erklärt Katrin Sandbichler, Verkaufsleiterin im Unternehmensbereich „Global Filtration“, im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Unsere ersten Filtermaterial-Entwicklungen für den Gesundheitsbereich – noch vor Corona – waren die Grundlage für den schnellen Produktionseinstieg. So konnten unsere Anlagen extrem schnell umgestellt werden, vom Projektstatus auf kommerzielle Produktion innerhalb weniger Wochen.“

Uneingeschränkt gut atmen können

Die Herausforderungen: Nach kurzem Vorlauf hohe Mengen an qualitativ hochwertigem Material zu produzieren und zu liefern. Und: Der Endverbraucher soll trotz größtmöglichem Schutz immer noch uneingeschränkt gut atmen können. „Auf diesem Komfort liegt der Fokus unserer Entwicklung“, so Sandbichler.

Dann wird’s technisch anspruchsvoll: „Unser synthetischer Vliesstoff, das ‚Meltblown’ bildet die funktionelle Mittellage der Masken, mit der das Verbreiten von Tröpfchen verhindert wird sowie Bakterien und Viren abgehalten werden. Eingebettet in zwei weitere synthetische Lagen, das sogenannte ‚Spunbond‘-Material, ist es nicht sichtbar.“

Mit dem Vertrieb auf Deutschland und Europa konzentriert

Das Unternehmen führe stetige Materialkontrollen durch, um höchste Standards zu gewährleisten, versichert die Vertriebsleiterin, „Qualitätsprodukte made in Germany.“ Zertifizierungen seien zeitnah umgesetzt worden, geprüft von europäischen Instituten.

Sandbichler: „Unser Portfolio deckt eine große Bandbreite ab, von extrem hochabscheidenden Materialien – im Markt bekannt unter FFP2 und FFP3 – sowie zertifiziertes OP-Masken-Material und semi-synthetisches Material für zivile Masken.“

Anfragen kommen aus der ganzen Welt, „aber mit unserem Vertrieb haben wir uns auf Deutschland und Europa konzentriert, um kurze Lieferwege zu halten. Die monatlichen Materialauslieferungen reichen für Millionen von Masken“. Zahlen will sie allerdings nicht nennen, „aus Wettbewerbsgründen“, wie sie betont.

Einbruch in der Nachfrage

Während die aktuelle Entwicklung an der Corona-Front mit explodierenden Infektionszahlen sich bei Neenah Gessner im Bereich der Maskenfilter-Produktion erneut deutlich positiv bemerkbar macht, musste das Unternehmen bei den Filtrationsmaterialien für Kfz und Lkw kurzfristig einen Einbruch in der Nachfrage hinnehmen, „weil wir Zulieferer der Automobilindustrie sind“, so Sandbichler. Deren Absatzzahlen erhielten bekanntermaßen durch die Corona-Pandemie einen herben Dämpfer. Die Konsequenz: Kurzarbeit am Standort Feldkirchen-Westerham. Mittlerweile habe sich der Markt aber erholt, „wir sind wieder voll ausgelastet, auch Kurzarbeit ist kein Thema mehr“. Im Bereich der Masken-Filtertechnik laufen die Anlagen weiterhin auf Hochtouren, „mit Überstunden der Mitarbeiter“, so Katrin Sandbichler.

Hier wird die Luftdurchlässigkeit des Meltblown-Mediums geprüft. Neenah Gessner
Christine Knoll Vorsitzende Werbering Mangfalltal und Bund der Selbstständigen Ortsverband Mangfalltal „Das Unternehmen Neenah Gessner mit seinem Geschäftsführer Armin Schwinn sorgt für attraktive Arbeitsplätze im Mangfalltal, engagiert sich sehr stark im sozial-gesellschaftlichen Bereich und ist gemeinwohl-orientiert. So werden untern anderem Vereine der beiden Gemeinden Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham unterstützt.“
Verkaufsleiterin Katrin Sandbichler.

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