Im Gespräch

Familienunternehmer Gerd Maas aus Wasserburg: Ideen für die Wirtschaftspolitik nach Corona

Gerd Maas, Vorstandsmitglied im Verband der Familienunternehmer in Bayern, fordert, die Innovationsbereitschaft der Betriebe nicht durch höhere Unternehmenssteuern zu belasten.
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Gerd Maas, Vorstandsmitglied im Verband der Familienunternehmer in Bayern, fordert, die Innovationsbereitschaft der Betriebe nicht durch höhere Unternehmenssteuern zu belasten.

Der Wasserburger Gerd Maas ist Vorstandsmitglied des Verbands „Die Familienunternehmer“ in Bayern. Im Interview berichtet der 53-Jährige, der mit seiner Frau Heike einen Familienbetrieb für Dienstleistungen im Projektmanagement führt, über seine Forderungen an die Wirtschaftspolitik in und nach Corona-Zeiten.

Wasserburg – Er schaut auch in der Krise optimistisch nach vorn – und trotzdem: Gerd Maas, Vorstandsmitglied der Familienunternehmer im Freistaat, hofft, dass die Politik nicht Weichen stellt, die Betriebe zusätzlich belasten. Im Interview erläutert Maas, der sich auch als Publizist zur Wirtschaftsthemen einen Namen gemacht hat, außerdem, warum schnelle Datenautobahnen ebenso wichtig sind wie gut geteerte Straßen.

Die Familienunternehmen schauen besorgt ins neue Jahr, so das Ergebnis einer Umfrage unter Mitgliedsbetrieben. Was sind die größten Sorgen?

Gerd Maas: Die gesamtwirtschaftlich trüben Konjunkturaussichten und der durch die Corona-Pandemie beschleunigte Strukturwandel treiben uns alle natürlich um. Trotz solcher Sorgen wollen die Familienunternehmer aber im Schnitt die Beschäftigung eher ausbauen als reduzieren: Gut ein Viertel plant 2021 Neueinstellungen, die Hälfte will den Mitarbeiterstamm konstant halten und nur 16 Prozent überlegen Personalabbau. Das zeigt deutlich, dass der Blick nach vorne gerichtet ist: Aufbruch aus der Krise. Daran knüpft sich dann auch die größte Sorge: Steuererhöhungen. Höhere Unternehmenssteuern oder die immer wieder ins Spiel gebrachte Vermögenssteuer wirken sich unmittelbar auf die Innovations- und Investitionsfähigkeiten aus. Gerade Familienunternehmer reinvestieren einen Großteil ihrer Gewinne statt auszuschütten, erhalten und schaffen damit Arbeitsplätze. Je mehr der Fiskus hier abschöpft, umso weniger wettbewerbsfähig sind die Betriebe auch gegenüber der europäischen und internationalen Konkurrenz.

Wie schauen Sie mit Ihrem Unternehmen, das Projekte und Kampagnen für Wirtschaft, Politik und öffentlichen Institutionen erarbeitet, ins neue Jahr? Hat die Pandemie Ihre Arbeitsweise verändert?

Maas: Außer dass Projektabstimmungen mit Partnern und Kunden noch etwas mehr per Telefon oder digital laufen, hat sich bei uns tatsächlich nicht sehr viel geändert. Die Lieferanten, zum Beispiel Kreative oder Druckereien und Konfektionierer, sind alle in Bayern ansässig und haben ohne nennenswerte Einschränkungen weitergearbeitet. Und unser Schwerpunkt für Projekt-Dienstleistungen in der Gesundheitsvorsorge hat nicht an Bedeutung verloren. Das einzige, was wirklich schade war und nach wie vor ist: Unsere Lehraufträge an Münchner Hochschulen laufen alle nur noch per Zoom. Das ist natürlich problemlos machbar, aber es geht schon ein Stück Intensität verloren.

Je länger die Pandemie dauert, desto mehr werden auch Unternehmen in Krisen geraten. Wie bewerten Sie die Hilfen von Bund und Land?

Maas: Zu Beginn der Pandemie haben Bund und Land in Rekordzeit einen breiten Rettungsschirm aufgespannt und Gelder zur Verfügung gestellt. Dieses Tempo wurde bei den nachfolgenden Hilfen leider nicht aufrechterhalten – im Gegenteil: Viele Betriebe warten immer noch auf die versprochenen Novemberhilfen. Die Bürokratie ist eine weitere Hürde: Oft ist unklar, welche Unternehmen überhaupt auf Hilfen hoffen dürfen. Antragsregeln werden zuweilen über Nacht geändert, sodass sogar erfahrene Steuerberater überfordert sind. Der Freistaat Bayern arbeitet die Corona-Hilfen engagiert ab, ist aber von der organisatorischen und technischen Vorarbeit des Bundes abhängig – diese ist leider mangelhaft.

Landesvorsitzender Luitpold Prinz von Bayern hat der Politik vorgeworfen, mit der Forderung nach einer Homeoffice-Pflicht Augenwischerei zu betreiben, denn zuerst gelte es, die Hausaufgaben bei der Digitalisierung zu erledigen. Wie ist die Situation in den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf und Traunstein?

Maas: Vernachlässigt man die Mobilfunk-Abdeckung – unterwegs kann man hier ja nicht einmal telefonieren, ohne zigmal unterbrochen zu werden – dann ist der Ausbau mit mindestens 30 Mbit/s-Anschlüssen in den Landkreisen ganz ordentlich. Vielerorts fehlt aber immer noch die Einsicht der Kommunen, dass Breitbandausbau kein Luxus, sondern Basis-Infrastruktur ist. Schnelles Internet müsste heute eigentlich so selbstverständlich sein, wie man die Straßen im Ort teert. Und mit schnellem Internet meine ich nicht die über Kupferdraht maximal verfügbaren 100 Mbit/s beim VDSL-Vectoring. Selbst das sind heute nur Mindestanforderungen in einem produktiven digitalen Arbeitsumfeld. Der ungebrochen enorm schnelle Fortschritt von digitalisierten Anwendungen erfordert eine möglichst gut nach oben offene Skalierbarkeit von Datenübertragungs-Infrastruktur wie zum Beispiel über Glasfaser.

Die Pandemie hinterlässt Milliardenschulden, die die nächsten Generationen abzahlen müssen. Das geht nur mit einer gesunden Wirtschaft, die die Steuereinnahmen sprudeln lässt. Welche Forderungen stellen die Familienunternehmen an den Staat? Und welche Bedeutung haben Familienbetriebe, wenn es um die Stabilität der bayerischen Wirtschaft geht?

Maas: In ganz Deutschland wurden in den letzten Jahren in Familienunternehmen mehr Arbeitnehmer eingestellt, als die großen Konzerne wegrationalisiert haben. Das geht in der öffentlichen Wahrnehmung leicht unter. Wir sehen die Entlassungswellen, aber nicht unbedingt, dass es trotzdem noch nie so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gab. Im Dezember 2020 lag die Arbeitslosenquote in Bayern bei 3,6 Prozent. Beinahe Vollbeschäftigung. Trotz Corona.

Und wie eingangs gesagt, die Familienunternehmer wollen auch 2021 eher mehr als weniger Leute beschäftigen. Niedrige Steuern auf die im Unternehmen einbehaltenen Gewinne und möglichst wenig bürokratische Lasten sind der Schlüssel, dass das auch klappt. Das gilt insbesondere für alle vom Lockdown besonders betroffenen Branchen. Von der Datenschutzgrundverordnung über die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge bis zur Bonpflicht gibt es unzählige Möglichkeiten für dringend nötige Freiräume.

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„Wirtschaftspolitik wieder mehr ins Zentrum rücken“

Bei der Wahl des neuen CDU-Parteivorsitzenden hat sich nicht Wirtschaftsstratege Friedrich Merz durchgesetzt, sondern Armin Laschet. Was erwarten die Familienunternehmer von Laschet? Dieser müsse sich nun um Geschlossenheit in der CDU bemühen. Dafür wäre es ratsam, das Hauptthema der beiden Mitbewerber aufzugreifen und die Wirtschaftspolitik wieder mehr ins Zentrum der CDU-Politik zu rücken, findet Vorstandsmitglied Gerd Maas.

„Wir Familienunternehmer sind überzeugt von der Nachhaltigkeit der Sozialen Marktwirtschaft. Der marktwirtschaftliche Wettbewerb um Nutzen und das Streben nach Effizienz sind mit den richtigen Rahmenbedingungen die entscheidenden Instrumente für die großen globalen Herausforderungen des Klima- und Umweltschutzes sowie einer fairen Wohlstandsverteilung. Aus verschiedenen Gesprächen hatten wir im Bayerischen Landesvorstand große Hoffnungen, dass Friedrich Merz als CDU-Vorsitzender dahingehend ein echter Motor sein könnte. Wie und wo sich Merz nun nach der verlorenen Wahl einbringen kann und will, ist dabei allerdings zweitrangig.“ Wichtig sei, „dass dieses Denken wieder mehr Gewicht in der Union bekommt“. Fast die Hälfte der Delegiertenstimmen für Merz bei der Stichwahl sei dafür ein deutliches Signal.

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