Nicht ohne Genehmigung

Rosenheimer Prüfinstitut wartet auf Brüssel, um FFP2-Masken überprüfen zu dürfen

Prüfingenieur Christian Neudecker vom ift-Institut aus Rosenheim beim Testen der Luftdurchlässigkeit einer Maske.
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Prüfingenieur Christian Neudecker vom ift-Institut aus Rosenheim beim Testen der Luftdurchlässigkeit einer Maske.

Damit Masken in ausreichender Anzahl, von guter Qualität und zu niedrigen Kosten verfügbar sind, ist es sinnvoll, dass neue Hersteller in den Markt eintreten. Allerdings besteht hierzulande zurzeit ein Engpass bei der Prüfung und Zulassung von Masken, da es nur wenige Prüfstellen in Deutschland gibt. Auch das ift Rosenheim ist so eine Forschungs- und Prüfstelle, die nach aufwendigen Vorbereitungen auf den offiziellen europäischen Bescheid aus Brüssel wartet.

Rosenheim – Die Tücken stecken im Detail, wie ift-Produktentwickler Stephan Rauscher unserer Zeitung im Interview erklärt.

Wie läuft eine Zulassung zur FFP2-Prüftstelle in Deutschland?

Stephan Rauscher: Da es sich bei FFP2-Masken um persönliche Schutzausrüstung der hohen Schutzkategorie 3 handelt (Gefahr für Leib und Leben), ist eine EU-Baumusterprüfung nach den einschlägigen Normen, in diesem Fall EN 149, durch eine notifizierte Prüfstelle notwendig. Dies bedeutet, dass die Anforderung hinsichtlich Prüfdurchführung und Messtechnik beziehungsweise Prüfmittel anspruchsvoll sind. Hierzu zählen beispielsweise Aerosolmessungen, Partikelmessungen, Messungen von Atemwiderständen, Kohlendioxidgehalt und mehr.

Dementsprechend sind auch die Anforderungen für die Zulassung einer neuen Prüfstelle sehr hoch. Die zuständige Behörde, die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik in München, kurz ZLS, muss, trotz des hohen Zeitdrucks, bei der Zulassung neuer Prüfstellen darauf achten, dass das erforderliche hohe fachliche Niveau in der Prüfstelle vorhanden ist. Ein neues Labor muss bei einer Begutachtung nicht nur die notwendigen Prüfeinrichtungen nachweisen, sondern auch die notwendige Erfahrung und Kompetenz der Prüfingenieure. Das alles braucht seine Zeit.

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Welche Gründe gibt es noch für Engpässe?

Rauscher: Neben der relativ geringen Anzahl an Prüfstellen in Deutschland hat dies auch mit dem Anwendungsbereich in der Norm und dem Umfang der Prüfung zu tun. Nicht jede Schutzmaske kann nach EN 149 geprüft und somit zertifiziert werden – das wäre die Grundlage für CE-Kennzeichen auf der Maske und das Inverkehrbringen. Die Norm macht klare Vorgaben an die Bauart, Materialien und deren Leistungsfähigkeit.

Dies bedeutet, dass zum Beispiel eine Kunststoffmaske oder Maske mit Wechselfilter nicht nach der einschlägigen Norm EN 149 geprüft und klassifiziert werden kann. Daher müssen neue Hersteller teilweise auch die ganze Zulieferkette der notwendigen Materialien neu aufbauen. Auch hier gibt es Engpässe, weil viele Materialien bisher vorwiegend nicht in Deutschland, sondern in Asien produziert wurden.

Wo steht das ift Rosenheim gerade im Prozess zur Zulassung als Prüflabor?

Rauscher: Das ift Rosenheim hat seit Mai 2020 die Prüfungen von Masken nach einem zulässigen vereinfachten Verfahren geprüft. Nun wurde die Notifizierung als Prüf- und Zertifizierungsstelle für Atemschutzgeräte, filtrierende Halbmasken mit und ohne Ventile sowie trennbaren Filtern vorbereitet.

Die Begutachtung zur Prüfung und Zertifizierung filtrierender Halbmasken wie FFP2 und FFP3 durch die ZLS wurde im Dezember erfolgreich abgeschlossen. Die Prüfungen können daher schon durchgeführt werden, aber die notwendigen Zertifikate und Prüfzeugnisse können erst ausgestellt werden, wenn der offizielle europäische Bescheid vorliegt. Dies ist voraussichtlich ab März möglich.

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