Erfolgreich auf dem Holzweg

Tobias Ganslmaier beim Bohren von filigranen Herzen für die Damenkollektion.

Edling – Als Tobias Ganslmaier vor vier Jahren beschloss, sein Leben neu zu gestalten, ging er auch gleich daran, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Bei diesem kam es ihm darauf an, seine Talente zu bündeln und daraus ein eigenes Berufsbild zu entwickeln. Jetzt designt der kreative 32-Jährige filigranen Schmuck, stellt ihn selbst aus Holz her, zeigt sich auf Messen und erschließt ständig neue Absatzmärkte.

Als gelernter Maschinenbau-Techniker an der Hochschule München schloss Ganslmaier ein Fernstudium ab, das Design, Konzeption und Gesamtbetrachtung der Wertschöpfungskette eines Produkts umfasste. Das Abenteuer mit seiner Firma „Buckwood“ – den Namen möchte Ganslmaier zu einer echten Marke ausbauen – begann vor zwei Jahren. Damals fuhr er noch zum „Makers Space“, eine von der TU München unterstützte Werkstatt, um mit den dortigen Maschinen eigenen Hutschmuck aus Holz zu fräsen.

Große Nachfrage im Bekanntenkreis

„Das Teil kam in meinem Bekanntenkreis so gut an“, erinnert sich Ganslmaier, „dass ich mich zum Entwerfen immer neuer Schmuckstücke ermutigt sah, die plötzlich auch viele Bekannte haben wollten.“ Nach der 50. Holz-Kreation – darunter Schmuckketten für Damen oder ein Anstecker mit König-Ludwig-Porträt, den man an einem Trachtenhut oder Masskrug-Griff festheften konnte – wagte er den Schritt in die Teil-Selbstständigkeit: Stück für Stück baute er seinen Maschinenpark aus, und wenn ihm ein Gerät zu teuer war, dann setzte er es aus günstigen Heimwerker-Maschinen, die er entsprechend konfigurierte, selbst zusammen.

Darunter ist ein Apparat, der kleine Holzherzerl von vier Millimetern Durchmesser in Faserrichtung mit einer zwei Millimeter starken Bohrung versieht. „Anfangs gab es bei mir viele ,gebrochene Herzen‘, doch dann hatte ich den Bogen raus“, erzählt er schmunzelnd. Auch weil er herausfand, welche Furniere miteinander mit welchem Kleber so stabil verleimt werden können, dass das Werkstück beim Durchbohren nicht aufgesprengt wird. Ist ein bestimmtes Ersatzteil gar nirgends aufzutreiben, dann konstruiert Ganslmaier das Werkstück am PC und druckt es mit seinem 3D-Drucker aus.

Das „Buckwood“-Programm umfasst mittlerweile alle möglichen Trachten-Accessoires aus Holz, etwa Schilder auf Trachten-Hosenträgern oder Embleme für Käppis. Als „Tobias’ Männerschmuck-Kollektion“ den Unmut seiner Frau Elena hervorrief, weil sie das „zarte Geschlecht“ vernachlässigt sah, entstand sogleich eine filigrane Holzschmuck-Kollektion für Frauen: zuerst am Computer, und nach „Genehmigung“ von Elena auch an den Fräsmaschinen. „Die Anerkennung von den Frauen ist sogar größer als die von den Männern“, so Ganslmaier, daher wage er sich an immer feinere Holzstrukturen heran.

Viele Fehlversuche führen zum Erfolg

Dahinter freilich steckt ein enormes Fachwissen, das durch sehr viel „Erfahrung“ – sprich Brüche und fehlgeschlagene Versuche – gewonnen worden ist. Denn um so filigran arbeiten zu können, muss man schon genau wissen, aus wie vielen Furnierlagen das Holz bestehen muss und welche Furniere überhaupt zusammenpassen, um haltbaren Schmuck für den täglichen Gebrauch herstellen zu können. Und dass die Preziosen robust und wasserfest sind, hat der junge Tüftler auch schon hingekriegt. „Wie man einen fünflagigen Holzschild für den Trachtenträger fertigt, das steht in keinem Lehrbuch“, spricht Ganslmaier aus leidvoller Erfahrung. Da helfe nur eines: Immer wieder testen, alle Holzsorten durchprobieren, das Scheitern einkalkulieren und erneut testen.

„Ich bin eigentlich ständig am Erfinden“, erzählt der Jungunternehmer. „Entweder arbeite ich an neuen Formen und Mustern oder an neuen Werkzeugen, um meine Ideen überhaupt umsetzen zu können.“ Dass nicht alles klappt, entmutigt ihn keineswegs. Vielmehr sammle er stetig neue Erfahrungen, um mit seinem erweiterten Wissen auch zuvor undurchführbare Ideen wieder hervorzuholen und doch zu realisieren.

Zwei glückliche Umstände kommen Ganslmaier zugute: Seine Firma „Buckwood“ steht im Edlinger Haus seines Schwiegervaters Wolfgang Kühn, der mit gleicher Hingabe audiophile Geräte baut und auch noch die ältesten Röhren-Radios wieder zum Laufen bringt. Dessen Erfahrungen im Aufbereiten von Gehäusen uralter Radios oder beim Bauen von neuen Werkzeugen gehen Hand in Hand mit Tobias‘ Anforderungen. So ergänzen und inspirieren sich die beiden gegenseitig und finden zu fast allen technischen Problemen eine Lösung. So haben sie einen klimastabilen Furnierraum gleich neben dem Heizungskeller installiert, um konstante Temperaturverhältnisse zu garantieren. Oder eine Nähmaschine so konfiguriert, dass sie in der Lage ist, Holzfurniere zu vernähen.

Holzlieferantdirekt im Ort

Zudem pflegt „Buckwood“ eine enge Kooperation mit einem örtlichen Holzunternehmen. „Meinen Bedarf an speziellen Furnieren in vielen Stärken, vornehmlich Obstbaum-Holz wie Kirsche, Apfel, Birne und Zwetschge, kann ich direkt in Edling decken. So spare ich mir viele weite Wege und bin mit der gelieferten Qualität immer zufrieden.“

VerschiedeneDienstleistungen

Ganslmaier bietet auch verschiedene Dienstleistungen an. So versieht er mittels eines Laser-Brenners Geschenkekisten mit Gravuren, verziert Brotzeitbretter oder setzt schmückende Firmenfassaden-Verkleidungen aus Einzelteilen zusammen. „Mir ist sehr an einer engen Verbindung zu meinen Kunden gelegen“, hebt er hervor. „Es ist mein Anliegen, ihre Wünsche präzise zu erfüllen und freue mich, wenn sie meine Arbeit wertschätzen.“

Großen Wert legt Ganslmaier auch auf die Nachhaltigkeit seiner Produkte und den ebenfalls selbst produzierten Verpackungen. So sei eine Rückverfolgung bis zum Ursprungsort der verwendeten Materialien kein Problem.

Freizeit allerdings kennt Ganslmaier kaum noch. Gerade jetzt, wo die Erfolgskurve im Beruf so nach oben steigt, stellt er seine persönlichen Wünsche zurück. Einen Traum für später hat er aber: „Ich schreibe und spiele gern Theater. Ein eigenes Stück mit Gesang mal auf eine Bühne zu bringen – das wär’s!“

Kommentare