Welche taugen wirklich? – Rosenheimer Unternehmen prüft Atemschutzmasken aus der ganzen Welt

Qualitätscheck für Atemschutzmasken: ift-Prüfingenieur Franz Gruber beim Anlegen einer Maske am Prüfkopf. Nur wenn die Masken bestehen, dürfen sie an medizinisches Personal weitergegeben werden.
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Qualitätscheck für Atemschutzmasken: ift-Prüfingenieur Franz Gruber beim Anlegen einer Maske am Prüfkopf. Nur wenn die Masken bestehen, dürfen sie an medizinisches Personal weitergegeben werden.
  • vonTina Blum
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Der Bedarf an Atemschutzmasken für medizinisches Personal ist höher denn je. Viele werden aus dem Ausland importiert – besonders aus China. Da sie nicht auf dem europäischen Markt zugelassen werden, sind Prüfstellen überlastet. Um Engpässe zu verhindern, darf das ift Rosenheim jetzt die Masken testen.

Rosenheim – Seit Ausbruch der Corona-Pandemie werden Atemschutzmasken im medizinischen und pflegerischem Bereich mehr denn je benötigt. Die Prüfstellen zur Freigabe der Masken kommen nicht mehr hinterher. Um den akuten Engpass bei der Prüfung und Zulassung von Produkten mit Pandemieatemschutz zu überbrücken, hat das ift Rosenheim die Zulassung bekommen, die Eignung von Atemschutzmasken in einem Schnelltest prüfen. Über 200 Anfrage in- und ausländischer Hersteller sind inzwischen beim ift eingegangen.

Idee zur Prüfung war reiner Zufall

Die Idee Atemschutzmasken zu prüfen, sei reiner Zufall gewesen, sagt Gabriele Tengler, die für PR und Kommunikation des Unternehmens zuständig ist. „Einer unserer Mitarbeiter, Stephan Rauscher, hat sich mit jemandemüber die aktuelle Situation und den Engpass bei der Maskenprüfung unterhalten. Da kam der Gedanke: Warum machen wir das eigentlich nicht?“, sagt sie.

Viele Prüfverfahren aus der Fenstertechnik sind ähnlich

Gemeinsam mit dem Standortleiter Gregor Vollenberg, einem Holzbauingenieur, wurde die Idee weiterentwickelt. „Viele Prüfungsverfahren, die wir bereits anwenden, sind ähnlich wie die Prüfungen für die Masken“, berichtet er. Beispielsweise entspräche die Atemsimulation einer Luftwiderstandsprüfung in der Fenstertechnik, erklärt Vollenberg. Da die Nachfrage nach Masken aktuell immer noch sehr hoch ist, werden viele Modelle aus dem Ausland importiert, vor allem aus China. Doch die Prüfungen dort genügen nicht den europäischen Anforderungen.

Neue Prüfungsvoraussetzungen währen der Pandemie

Damit auch diese Masken bei uns auf den Markt kommen, dürfen infolge einer Empfehlung der EU-Kommission die Marktaufsichtsbehörden vereinfachte Verfahren für die Beschaffung von sogenannten Corona-Pandemie-Atemschutzmasken (CPA) definieren. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) und die Dekra Testing and Certification GmbH haben auf Anregung der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) einen Prüfgrundsatz für einen Schnelltest erarbeitet. Dieser wurde kurzfristig erstellt und freigegeben.

ift-Geschäftsführung von Idee begeistert

Als Vollenberg und seine Kollegen den Vorschlag machten, Atemschutzmaken zu prüfen, ging es alles ganz schnell. Die Geschäftsführung war von der Idee begeistert – nicht nur, weil es ein zusätzliches geschäftliches Standbein ist, sondern auch, weil man auf diese Weise kurzfristig helfen kann. „Auch wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass die dringend benötigten Atemschutzmasken schneller auf den Markt kommen. Es ist Ehrensache, sich hier engagiert einzubringen“, sagt ift-Geschäftsführer Dr. Jochen Peichl.

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21 Exemplare für den Schnelltest

Der Schnelltest definiert die Mindestanforderungen an die Masken. Für einen Testlauf benötigt das ift 21 Masken eines Herstellers, der eine Prüfung angefragt hat. Nur wenn die Mehrheit der 21 Masken den Test besteht, können diese für den Markt freigegeben werden.

„Im ersten Schritt testen wir die Temperaturkonditionierung“, sagt Gregor Vollenberg. Dafür werden die Masken besonderer Hitze und Kälte ausgesetzt und auf ihre Landlebigkeit geprüft. In der Gebrauchssimulation wird die zu prüfende Maske auf einen Probekopf gesetzt, der eine Atmung simuliert. Die Maske wird gleichzeitig mit der simulierten Atemluft befeuchtet.

Anproben am lebenden Modell

Bei der Sicht- und Anlegeprüfung kommen dann menschliche Probanden ins Spiel. „An unseren Mitarbeitern – Männern sowie Frauen – checken wir dann, ob die Maske dicht genug am Gesicht sitzt“, sagt Vollenberg. Zu guter Letzt wird überprüft, ob die Maske ausreichend Luft durchlässt und wie viele Partikel bei der Benutzung gefiltert werden.

Die CPA werden im Rahmen des Prüfverfahrens nicht zertifiziert. „Aufgrund der Sonderregelung der EU-Kommission müssen sie das auch nicht“, sagt Vollenberg. Bei positivem Prüfungsergebnis erstelle das ift Rosenheim einen Bericht und leite ein Bewertungsschreiben an die ZLS weiter. Diese gibt es weiter an die zuständigen Marktaufsichtsbehörden, welche über die Verkehrsfähigkeit der geprüften Atemschutzmasken entscheiden. Allerdings gelte diese Regelung nur, so lange die Pandemie andauert. „So lange dürfen auch wir prüfen“, sagt Gregor Vollenberg.

Über das ift Rosenheim:

Das ift Rosenheim ist eine europaweit notifizierte Forschungs-, Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle. Im Mittelpunkt steht die praxisnahe, ganzheitliche und schnelle Prüfung und Bewertung aller Eigenschaften von Fenstern, Fassaden, Türen, Toren, Glas und Baustoffen. Ziel ist die nachhaltige Verbesserung von Produktqualität, Konstruktion und Technik sowie Normungsarbeit und Forschung. Die Publikationen dokumentieren den aktuellen Stand der Technik.

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