„Engagement liegt in Sparkassen-DNA“

Als Gastgeber hieß Alfons Maierthaler(rechts) beim Bayerischen Sparkassentag 2018 in Rosenheim Ministerpräsident Markus Söder (Zweiter von links) willkommen. Weitere Gäste waren der Bundesobmann der deutschen Sparkassen, Walter Strohmaier (links), sowie Bayerns Sparkassenverbands-Präsident Dr. Ulrich Netzer (Mitte) und Verbandsvorsitzender Professor Ulrich Reuter.spvb

Rosenheim/Bad Aibling – Die Wirtschaftslage zu Zeiten von Corona sieht er mit Sorge, sein Haus aber gut bestellt: Alfons Maierthaler (66) geht in den Ruhestand. Als Vorstandsvorsitzender hielt er die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling auf Erfolgskurs. Mit ihm sprachen wir über Krise, Engagement und Hobbys.

Wie wird Corona unsere Arbeitswelt verändern?

Alfons Maierthaler: Sie wird sich erheblich verändern. Kopfschmerzen bereitet mir die wirtschaftliche Entwicklung. Wenn ich mir den Absturz des Konsumklima-Index‘ anschauen - da wird einem bang. Die soziale und kulturelle Identität, die es vor der Krise gab, ist in Gefahr. Schauen Sie sich Lufthansa an, den Tourismus, die Kultur – da bin ich gespannt, wie das in einem Jahr aussieht. Und auch, ob sich die seelische Verfassung der Menschen wieder erholt hat..

Sie gehen zu einem schwierigen Zeitpunkt. Spüren Sie die Versuchung, vielleicht doch das Steuer in der Hand zu behalten?

Maierthaler: Nein. Der Zeitpunkt des Abschieds ist seit Jahren geplant, schon bei meinem ersten Vorstandsvertrag in Rosenheim vor 15 Jahren stand, dass ich mit Vollendung des 65. Lebensjahres gehe. Und das war im Februar vergangenen Jahres. Ich hatte mich schon vorbereitet, auf Wunsch der beiden Träger habe ich den Ruhestand noch verschoben. Nun bin ich 66 Jahre und ein Drittel alt, und ich bin vorbereitet. Die Weichen sind gestellt. Das Haus ist hervorragend positioniert und kann auch die wirtschaftlichen Folgen von Corona bewältigen.

Vor zehn Jahren war Finanzkrise. Viele Banken mussten damals gerettet werden. Wie hat sich die Sparkasse entwickelt?

Maierthaler: Wir haben uns weiterentwickelt, natürlich, wirtschaftlich, personell. Aber im Grunde sind wir die selben geblieben. Wir hatten damals 375 Millionen Euro Eigenkapital, das war sehr viel. Heute haben wir sogar 791 Millionen Euro Eigenkapital. Wir überschreiten, wenn nicht noch etwas Großes dazwischenkommt, die 800 Millionen. Da sind wir vorbildlich und denkbar gut aufgestellt. In der Finanzkrise, stimmt, ging es vielen Banken schlecht, den Landesbanken, der Commerzbank, der Deutschen Bank. Das war eigentlich der Wahnsinn, da hat man die Vernetztheit der Finanzwirtschaft erlebt. Uns hat die Krise wehgetan, denn für die Landesbanken wurden wir kräftig zur Kasse gebeten. Das liegt an der Regulatorik. Natürlich musste der Staat, den Banken, die er auffing, mit der Regulatorik auf die Finger klopfen. Wir aber waren sauber und ordentlich unterwegs gewesen. Das hat mich schon geärgert.

Ihre Nachfolge war bundesweit ausgeschrieben. Nun folgt Ihnen Karl Göpfert nach, in der Region tief verwurzelt...

Maierthaler:Er ist Rosenheimer, wir haben seit 14 Jahren zusammengearbeitet, somit ist ein nahtloser Übergang möglich. Stephan Donderer (neben Karl Göpfert und Harald Kraus der Dritte im Führungstrio, Anm. der Red.) ist Anfang 2007 gekommen, er war Gebietsdirektor in einem großen Bereich und zwei Jahre stellvertretendes Vorstandsmitglied. Er kennt Haus und Mitarbeiter.

Lesen Sie hier den Bericht zur Nachfolgeregelung.

Wir leben im Zeitalter der Globalisierung, in dem die Pleite einer US-Investmentbank Volkswirtschaften auf der ganzen Welt an den Rand des Abgrund bringt. Warum ist Ortskenntnis so wichtig?

Maierthaler:Wir sind Sparkasse, wir sind ein regionales Institut. Wir haben zwei Träger, Stadt Landkreis, sind ein kommunaler Finanzdienstleiter und kümmern uns vorrangig um unser Geschäftsgebiet in der Stadt und Landkreis Rosenheim – ohne den alten Landkreis Wasserburg mit einer eigenen Sparkasse. Dort sind wir voll vertreten, da generieren wir auch unser Geschäft und unsere Größe. Es ist uns wichtig, dass unsere Region wirtschaftlich und von der menschlichen Seite her floriert. Deswegen gibt es bei uns die Bürgerdividende mit Spenden, Sponsoring und Stiftungen. Es ist eine schöne Region. Schön ist aber auch, dass es hier so viele familiengeführte mittelständische Unternehmen gibt.

Ist das der Grund für Ihr persönliches ehrenamtliches Engagement?

Maierthaler: Das Engagement liegt in der DNA einer Sparkasse, und, ja, ich habe diese DNA gelebt. Wir haben das Engagement ausgebaut und professionalisiert, mit Sponsoring, Spenden und drei Stiftungen.

Das erinnert an Jakob Fugger, den „Reichen“. Der kontrollierte sein Imperium von Augsburg aus, wo Sie lange gearbeitet haben. Er sagte: „Tue Gutes und rede darüber.“

Maierthaler (lacht): Reich bin ich nicht, ich bin auch kein Fugger. Der war mit seinen Geschäften auf dem Globus unterwegs, hat Kaiser und Könige finanziert, derlei würde ich ablehnen. Wir sind eine Sparkasse, wir unterscheiden uns diametral. Was wir gemeinsam haben: Der war Treiber, Initiator, Ideengeber. Ich habe mich nach natürlich mit Fugger-Geschichte beschäftigt und festgestellt: Die hatten gute Führungskräfte, haben gut ausgebildet – zur damaligen Zeit war das außergewöhnlich. Wenn sie mich da vergleichen wolle: Das akzeptiere ich gern. Ich habe eine Bildungsoffensive begonnen, habe Fachleute von außen dazugeholt. Deswegen habe ich ein sehr gutes Gefühl, die Vorstandsnachfolge ist gut geregelt, wir haben eine Führungsmannschaft mit guter Altersstruktur, die von der empathischen Seite wie von der Kompetenz her bestens geeignet ist. Aus dieser Sparkasse sind vier Vorstände hervorgegangen. Eine andere Sparkasse, die das geschafft hat, ist mir nicht bekannt.

Lesen Sie hier den Bericht zur Bilanz 2019 der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling.

Sehen Sie die Sparkasse mit der Digitalisierung auf dem richtigen Weg?

Maierthaler:Da haben wir vor 15 Jahren noch sehr manuell gearbeitet. Wir sind auch jetzt nicht der Spitzenreiter in Bayern, man muss ja auch immer Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit im Auge behalten. Es muss uns und den Kunden nutzen. Und es muss sicher sein. Die Methode Versuch und Irrtum taugt nicht. Dennoch sind im internen Digitalisierungsindex bei 110 Prozent, Bayern liegt bei 99.

Ihre Vorstandslaufbahn haben Sie unter anderen Vorzeichen begonnen.

Maierthaler:Bei einer oberpfälzischen Sparkasse, ja. Sie war an sich gesund, war aber von einer Granit- und Finan-Mafia ordentlich aufs Kreuz gelegt worden. Der gesamte Vorstand musste gehen. Für mich war das ein Schlüsselerlebnis kurz nach dem Studium bis 1986. Ich war bei der Wirtschaftsprüfung und machte gerade die Jahresabschlussprüfung bei der Sparkasse Landshut. Am Freitagnachmittag klingelte das Telefon, es war der Leiter der Prüfungsstelle dran. Und der sagte. Ich brauche Sie dort. Ich war ein bisserl missmutig, da sagte der gleich: Nein nein, ich brauche Sie als Vorstand. Am Montag ist um 10 Uhr Verwaltungsratssitzung, da werden sie dann bestellt. Ich war bereits Prüfungsleiter, die kannten mich halt, ich hatte davor schon einmal woanders aufgeräumt. Trotzdem: Für mich als 32-Jährigen war es überraschend.

Wie gut können Sie loslassen? Müssen Ihre Nachfolger Kontrollanrufe befürchten?

Maierthaler: Überhaupt nicht, die müssen ihren Weg gehen. Wenn ich gefragt werde, dann werde ich helfen, aber ich glaube, die sind selbstständig. Man sollte sich nicht einbilden unersetzbar sind. Sie werden manches anders machen, das ist ein Generationswechsel, aus dem ich mich raushalten werde.

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Womit werden Sie sich beschäftigen?

Maierthaler: Soziales Engagement liegt mir am Herzen. Seit meiner Zeit in Augsburg bin ich zum Beispiel Kaufmännischer Vorstand im Vorstand der Stiftung St. Johannes, die sich mit 800 Mitarbeitern um alte Menschen und Behinderte kümmert. Bis 2023 bin ich vom Augsburger Bischof bestellt. Tätig bin ich auch für die Stiftung Sankt Johannes in Augsburg und für den Investmentausschuss, außerdem bin ich Finanzvorstand beim Wirtschaftlichen Verband. Ja, und dann ist es so, dass ich aus einem Bauernhof stamme. 1989, nach dem Tod meines Vaters, bin ich da in die Pflicht gegangen. Die Felder habe ich verpachtet, die Forstwirtschaft betreibe ich selber, die Hofstelle habe ich in einen Pferdehof umgebaut. Es ist dort stets viel für die Instandhaltung zu leisten. Dann habe ich Frau, zwei Kinder und vier Enkelkinder. Sobald es Corona erlaubt, möchte ich mich wieder mehr darum kümmern. Ich habe ein Haus mit ordentlichem Garten, und wie sich’s für einen Bauernbuben gehört, habe ich dort Bienen. Ich bin sozusagen im dritten Jahr Jung-Imker mit vier Völkern. Außerdem habe ich einen Obstgarten mit alten Obstsorten angelegt. Mein Abschied kommt zur richtigen Zeit. Ich bin gesund, und ich habe Vorsätze. Zum Beispiel bin ich einer der schlechtesten Rotarier. Das möchte ich ändern, mich auch häufiger im Ritterorden im Heiligen Grab und bei der Peutinger-Gesellschaft blicken lassen – das heißt, sobald es Corona wieder zulässt. Interview: Michael Weiser

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