Wo das Eishockey-Herz schlägt: Europa-Zentrale des Ausrüsters Bauer sitzt in Rosenheim

Ein Teil des Teams: Justin Grindstaff, Stefan Hamburger, Robert Endlich, Thomas Brandstädter, Robert Osterhammer, Roman Slezak, Oliver Mayer und Wencke Kirst (von links)

Nicht einmal einen Kilometer vom Rosenheimer Eisstadion entfernt, direkt am Ludwigsplatz, kann man die Zukunft des Eishockeys bestaunen. Über dem Textilgeschäft Mulzer befindet sich die Europa-Zentrale von Bauer Hockey, dem Weltmarktführer für Eishockey-Ausrüstung. Ein Besuch.

Rosenheim – „Europa-Zentrale stimmt an sich gar nicht“, sagt Robert Osterhammer, Vice President International. „Wir sind eigentlich für den gesamten Weltmarkt zuständig, abgesehen von Kanada und den USA.“

Das bedeutet: Von Rosenheim aus bestehen Geschäftsbeziehungen in sämtliche Länder, in denen Eishockey gespielt wird, und das sind mehr als 70. Das Hauptgeschäft läuft freilich über die großen Eishockey-Nationen in Europa, also Russland, Schweden, Finnland, Tschechien, Slowakei, Deutschland und die Schweiz. Kunden sind Sportartikelhändler und Eishockey-Fachgeschäfte, die entweder – wie im Fall von Nordeuropa – direkt oder über Generalimporteure beliefert werden.

Überall Ausrüstung und Erinnerungen

Wenn man die Geschäftsräume im ersten Stock des Gebäudes am Ludwigsplatz betritt, taucht man ein in eine andere Welt. Wohin man schaut, sieht man die neuesten Ausrüstungsgegenstände und in Ehren gehaltene Erinnerungsstücke. Schlittschuhe, Schläger, Helme, Schoner, Pucks, Trikots und vieles mehr verteilt sich auf die vielen Räume. Seit 13 Jahren hat Bauer seinen Sitz in diesen Räumlichkeiten, „ein absoluter Glücksfall“, sagt Osterhammer. Früher wohnte hier die Familie Mulzer, die das Wäschegeschäft im Erdgeschoss betreibt. Als sie die äußerst großräumige Wohnung abgeben wollte, fiel die Wahl nicht etwa auf eine Kanzlei oder Arztpraxis, sondern „auf uns Rosenheimer im Welt-Eishockey“, erzählt Osterhammer.

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Das Team in Rosenheim besteht aus zwölf Personen, darunter die ehemaligen Rosenheimer Spieler Roman Slezak, Thomas Brandstädter und Oliver Mayer. Auch Osterhammer selbst hat seine Eishockey-Wurzeln in Rosenheim. Der 57-Jährige ist auch für die Büros in Göteborg und Helsinki zuständig, insgesamt sind es rund 60 Mitarbeiter. „Wir brennen für Eishockey“, sagt Osterhammer.

Rund 50 Prozent Anteil am Weltmarkt

Die Geschichte des führenden Eishockey-Ausrüsters reicht zurück ins Jahr 1927. Damals gründete die Familie Freibauer, Eigentümer der „Western Shoe Company“, das Unternehmen Bauer in Kitchener (Ontario) in Kanada. Die Firma war 1933 der erste Ausrüster, der Schlittschuhe produzierte, deren Kufen fest am Stiefel angebracht waren – eine ungeheure Verbesserung der Leistungsfähigkeit für die Spieler. Heutzutage dominiert Bauer den Weltmarkt mit einem Anteil von mehr als der Hälfte des Umsatzes, bei den Schlittschuhen sind es sogar mehr als 70 Prozent.

Eishockey-Ausrüstung, wohin man schaut: Bei Bauer Hockey am Ludwigsplatz in Rosenheim sieht man die Zukunft der Sportart. bauer hockey

Allein in Europa besitzen rund 300 professionelle Eishockey-Mannschaften einen Ausrüstervertrag mit Bauer und teilweise den Distributoren, zudem werden zahlreiche Nationalmannschaften vom Unternehmen ausgerüstet. In der National Hockey League (NHL) spielen Superstars wie Nikita Kutscherow (Tampa Bay Lightning), Patrick Kane (Chicago Blackhawks) und Henrik Lundqvist (New York Rangers) mit Bauer-Produkten.

Bauer betreibt eigene Forschungs- und Entwicklungsarbeit

Um die Spitzenposition zu halten, betreibt Bauer einen enormen Aufwand. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit findet in Blainville bei Montreal statt. Dort arbeiten mehr als 100 Experten an den Neuheiten von morgen. „Das Innovation Center hat eine Größe von etwa sechs Eishockey-Feldern und verfügt auch über eine Eisfläche“, so Osterhammer.

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Etwa 40 bis 50 Prozent des Produktportfolios werden seinen Worten nach jährlich neu entwickelt. Kein Wunder, dass Bauer mehr als 430 Patente hält. „Wir wollen die Performance eines jeden Eishockeyspielers durch unsere Produkte verbessern“, beschreibt Osterhammer den Anspruch des Unternehmens. Als Beispiel nennt er den kürzlich auf den Markt gekommenen Schläger Nexus ADV.

NHL-Goalie Philipp Grubauer (Mitte) mit Robert Osterhammer und Oliver Mayer.

„Der Entwicklungsprozess hat etwa fünf Jahre gedauert, bis wir ihn auf den Markt gebracht haben“, sagt er. Der Schläger zeichnet sich dadurch aus, dass er ein längliches Loch im Schlägerblatt hat. „Mit dieser Innovation konnten wir die Energie und die Präzision beim Schuss signifikant erhöhen“, erklärt Oliver Mayer, Senior Merchandising Manager International. Eine limitierte Auflage des Schlägers ist seit Kurzem erhältlich.

3D-Modell für den perfekten Schlittschuh

Ein besonderes Thema sind bei Bauer die Schlittschuhe, mit denen die Geschichte des Unternehmens begonnen hat. „Hier hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan“, sagt Mayer. Mithilfe eines Scanners sei man in der Lage, exakte 3D-Modelle von Füßen anzufertigen. „Indem wir alle Messdaten von Risthöhe über Knöchelumfang bis zur Länge und Breite eines Fußes analysieren, können wir den perfekten Schlittschuh ermitteln“, so Mayer.

So groß wie sechs Eishockey-Felder: Das Bauer Innovation Center in Blainville bei Montreal.

Rund 800.000 Füße hat Bauer inzwischen in aller Welt vermessen. Bei etwa 1,5 Millionen registrierten Spielern weltweit liegt also von mehr als der Hälfte ein 3D-Modell der Füße vor. „Wir sehen, dass es da deutliche Unterschiede in der Beschaffenheit gibt“, stellt Mayer fest. So seien beispielsweise nordamerikanische Füße anders beschaffen als europäische. „Und selbst zwischen Nationen innerhalb Europas bemerken wir Unterschiede.“ Mithilfe der Vermessung lasse sich für jeden Spieler ein individuell passender Schlittschuh finden. „Es gibt keine Limits mehr“, fasst Mayer zusammen.

Robert Osterhammer präsentiert die neueste Schläger-Entwicklung von Bauer, genannt Nexus ADV.

Auf einem Fuß-Scanner wie dem in Rosenheim stand auch schon der Präsident des Eishockey-Weltverbands, René Fasel. Prominente aus der Eishockey-Szene sind am Ludwigsplatz nichts Besonderes. Immer wieder mal schaut zum Beispiel der Präsident des Deutschen Eishockey Bundes, Franz Reindl, vorbei, der in den 80ern selbst für den Sportbund Rosenheim gespielt hat. Im vergangenen Sommer besuchte Stanley-Cup-Sieger Philipp Grubauer (Colorado Avalanche), gebürtiger Rosenheimer und früherer Starbulls-Spieler, seinen Ausrüster.

„Ab und zu schauen auch die Schweinsteiger-Brüder vorbei, das sind große Eishockey-Fans. Mit denen gehen wir dann gerne ein paar Würstl essen“, lacht Osterhammer. Wie praktisch, dass er und seine Kollegen dazu nur vor die Tür auf den Markt zu gehen brauchen.

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