Eiselfinger Unternehmen Huber & Sohn will mit dem Baustoff Holz im wahrsten Sinne hoch hinaus

Einst Deutschlands höchste Holzhaus: dieser Achtgeschosser in Bad Aibling.
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Einst Deutschlands höchste Holzhaus: dieser Achtgeschosser in Bad Aibling.
  • Heike Duczek
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Huber & Sohn will hoch hinaus – im wahrsten Sinne des Wortes: Das Eiselfinger Familienunternehmen setzt auf Holz im Geschosswohnungsbau. Acht Stockwerke hat Huber schon gebaut, 18 traut sich die Firma ebenfalls zu, wie die Teilnahme am Bieterverfahren für ein Holz-Hochhaus in Hamburg beweist.

Eiselfing – An der Hochhausgrenze hat Huber & Sohn bereits öfter gekratzt: 2011 entstand auf dem ehemaligen Militärgelände in Bad Aibling das damals höchste Holzhaus Deutschlands: Der erste Achtgeschosser lag knapp unter der Hochhausgrenze von 22 Metern und baute auf der Huber-Holzmassivwand auf. Großprojekte für Bauträger in München, bei denen mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser mit über 140 Wohneinheiten entstehen, gehören zu den aktuellen Aufträgen. Weitere wie die Überdachung des Parkplatzes am Dantebad in der Landeshaupt sind Referenzobjekte der Nachverdichtung, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Josef Huber. „Technisch ist Holz im Geschosswohnungs- und Hochhausbau längst machbar – und die Zukunft“, ist Huber überzeugt.

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Auf die Zukunft hat Huber & Sohn bereits in der Vergangenheit gesetzt: Das in dritter Generation geleitete Familienunternehmen entstand 1923 im Ortsteil Bachmehring – als Zimmerei und Bauschreinerei mit einem kleinen Sägewerk und Mühle. Hubers Vater führte den bisher handwerklich orientierten Betrieb in den 50er Jahren in die Industriealisierung. Sohn Josef übernahm 1991, an seiner Seite als Geschäftsführerin Schwester Angelika Huber. Die nächste Generation bereitet sich bereits darauf vor, ebenfalls einzusteigen.

Standbein intensiv weiterentwickelt

Die Geschwister Huber haben in den vergangenen zehn Jahren vor allem das Firmenstandbein Holzbau intensiv weiterentwickelt. Die Voraussetzungen liefert die 2005/2006 errichtete zweite Produktionsstätte im nur zwei Kilometer entfernten Eiselfinger Ortsteil Hafenham. Hier können nach Angaben von Huber Großprojekte des Holzbaus verwirklicht werden – mit überdimensionalen Dachkonstruktionen und Wänden. Am Stammsitz in Bachmehring findet die Produktion der Einfamilienhäuser statt. Hier befinden sich auch der Firmenstandort für die Fensterproduktion und der Unternehmensbereich Holzindustrie.

Letzterer hat bisher deutlich unter der Corona-Wirtschaftskrise gelitten, sagt Huber, denn sein Unternehmen beliefert auch die stark kriselnde Automobilbranche mit Holzverpackungen. Im zweiten Quartal gab es hier einen Auftragseinbruch um etwa die Hälfte, bedauert der Geschäftsführer. Doch Huber & Sohn steht auf drei Beinen: dem Holz- und Fensterbau und der Holzindusrtrie: Mitarbeiter konnten im Unternehmen anderweitig beschäftigt, Kurzarbeit verhindert werden.

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Vorproduktion in den Werkshallen von Huber & Sohn: Die Baustellenzeit ist stark verkürzt.

„Dank der nach wie vor guten Nachfrage beim Holzbau bin ich verhalten optimistisch, was das Geschäftsjahr 2020 angeht“, sagt Huber. Trotzdem verweist er darauf, dass die meisten Aufträge im Holzhausbereich noch vor dem Lockdown vertragsreif waren. Da Huber & Sohn auch viele kommunale Kunden habe, werde sich vermutlich erst in den nächsten Monaten zeigen, ob Städte und Gemeinden aufgrund corona-bedingter Haushaltslöcher ihre Bautätigkeiten zurückfahren würden. Fest stehe außerdem: 2020 werde der Umsatz von 2019, der damals bei knapp 54 Millionen Euro gelegen habe, wohl nicht erreicht, bedauert Huber.

Zukunftsweisendes Projekt

Bei einem zukunftsweisenden Projekt für die Region Rosenheim ist das Eiselfinger Unternehmen dabei: beim neuen Studentenwohnheim auf dem Campus Rosenheim. Es wird das erste Vorhaben, das konsequent auf das digitale Bauen setzt, berichtet Huber. Die Digitalisierung bei der Projektentwicklung in allen Prozessen ist nach seiner Erfahrung ein weiteres Thema der Zukunft.

Ihr Baustoff ist Holz, ist der Geschäftsführer überzeugt. Nicht nur aufgrund der Ökobilanz und Nachhaltigkeit, sondern auch aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades. Ein Achtgeschosser benötige nur noch etwa 3,5 Wochen Baustellenzeit, ein Einfamilienhaus stehe innerhalb von zwölf Tagen. Denn die Hauptarbeit wird in die Halle verlegt: komplett mit Fassaden, Fenster, Leitungen. Diese Vorproduktion erleichtert nach Hubers Erfahrung auch die Anwerbung von Fachpersonal. Die Halle biete vernünftige Arbeitsbedingungen – ohne nasskaltes Wetter und Hitze, mit viel technischer Unterstützung, die schweres Heben überflüssig mache. So könne heute auch ein Zimmerer bis 67 arbeiten.

Nachverdichtung in München: Holzaufbau auf dem Parkplatz des Dantebades.

Holz als ideale Lösung für das Aufstocken im Gebäudebestand

Dank ausgereifter technischer Lösungen für die Statik und den Brandschutz könne ein Holzhaus auch im Geschosswohnungsbau mit einem Massivgebäude qualitativ mithalten, so Huber. Bei den reinen Baukosten sei es trotzdem noch etwas teurer. Der älteste Baustoff der Welt sei außerdem ideal für ein Zukunftsthema beim Bauen: die Nachverdichtung als Lösung gegen die Flächenversiegelung. Holz ist leicht, ein Grund, warum bei Aufstockungen viele Bauherren auf den Baustoff setzen würden.

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Die Abteilung Holzbau ist bei Huber & Sohn mit etwa 50 Prozent des Umsatzes mittlerweile die stärkste, der Fensterbau liege bei 30 Prozent, das Standbein Holzindustrie bei 20 Prozent. Das Holz stammt nach Angaben der Geschäftsführung aus Niederbayern und Österreich. Im Konstruktionsbau werde vor allem Fichte oder Tanne, bei Fassaden Lärche und bei großen Spannweiten Buche eingesetzt.

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