Eine andere Sicht auf den menschlichen Fortschritt

Gegen Angst und Verzagtheit wandte sich Professor Dr. Uto Meier beim DGB-Neujahrsempfang in Inzell. peter

Inzell – „Das Jahr hat begonnen und die Probleme sind nicht weniger geworden“, sagte der DGB-Kreisvorsitzende des Berchtesgadener Lands, Dieter Schaefer, beim DGB-Neujahrsempfang in der Kritischen Akademie in Inzell.

Die Welt werde scheinbar immer schwieriger und viele Menschen würden sich zurückziehen und sich starke Führungspersonen wünschen, so Schaefer. Der Fortschritt dürfe nicht nur vom technischen Aspekt her gesehen werden, er müsse auch von der menschlichen Seite her betrachtet werden.

Traunsteins DGB-Kreisvorsitzender Hans Gandler verwies auf die anstehenden Kommunalwahlen. Er wünsche sich einen „anständigen Wahlkampf“ mit Gesprächen der Kandidatinnen und Kandidaten der verschiedenen Richtungen untereinander, meinte er.

Inzells Bürgermeister Hans Egger hob hervor, dass der menschliche Fortschritt sehr vom technischen Fortschritt abhängig sei. Der habe auch seine Schattenseiten: So würden in den sozialen Netzwerken Menschen anonym verunglimpft. „Hier ist es wichtig, dass wir wieder zu einer Normalität zurückkommen, um wieder miteinander zu reden“, so der Bürgermeister.

„Sprache der Angst“hilft nicht weiter

Als Festredner sprach Professor Dr. Uto Meier von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt über das Thema „Menschlicher Fortschritt“. Der Theologe und Philosoph meinte, dass zur Bewältigung der Herausforderungen die Sprache der Angst nicht der richtige Lösungsansatz sei, sondern die Zuversicht. Fortschritt werde oft mit „höher, schneller, weiter“ gleichgesetzt, was ungefähr im 18. Jahrhundert begonnen habe. Beim Fortschritt solle es vorwärts und aufwärts gehen. Für den Philosophen Immanuel Kant sei der Fortschritt der Weg vom Schlechten zum Besseren gewesen. Doch hätten bereits viele erkannt, dass höher, schneller, dicker und so weiter nicht ausschließlich erstrebenswert sei, meinte Meier.

Unumstritten sei, dass der Fortschritt zu höherer Lebenserwartung und einem deutlichen Rückgang an Gewalt geführt habe, bezogen auf die Gesamtheit und die Gesamtzahlen. „De facto leben wir in einer sehr sicheren Welt, da können die Rechten quatschen, was sie wollen“, so der Professor. Es gehe auch nicht an, dass sich EU-Mitgliedsstaaten vehement weigerten, Verantwortung bei der Immigration zu übernehmen, fügte Meier kritisch an.

Bei den Megatrends für die Zukunft müsse darauf geachtet werden, wo die Grenzen verlaufen. Im Gesundheitswesen und Pflegebereich sei zum Beispiel bedenklich, dass „nicht mehr alleine der medizinische Direktor das Wort hat, sondern auch der kaufmännische Direktor“, erläuterte Meier. mp

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