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PIA WIMÖSTERER MIT DEM BESTEN ERGEBNIS

Ein Handwerk für Körper und Seele: Rosenheimer Friseur-Innung spricht Auszubildende frei

Die Beste der 19 frischgebackenen Gesellinnen: Pia Wimösterer (Zweite von rechts), die im Betrieb von Manuela Reichgruber in Obing gelernt hat. Zu den ersten Gratulanten gehörten (von links) Brigitte Gaida, stellvertretende Obermeisterin, Innungsobermeister Stefan Mashold und die Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Alejandrina Höllbauer.
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Die Beste der 19 frischgebackenen Gesellinnen: Pia Wimösterer (Zweite von rechts), die im Betrieb von Manuela Reichgruber in Obing gelernt hat. Zu den ersten Gratulanten gehörten (von links) Brigitte Gaida, stellvertretende Obermeisterin, Innungsobermeister Stefan Mashold und die Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Alejandrina Höllbauer.
  • VonJohannes Thomae
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Die Friseurinnung Rosenheim hat jetzt 19 Auszubildende freigesprochen. Innungsobermeister nutzte die Veranstaltung auch für einen Appell an die Politik.

Rosenheim – „Die Art, wie der Mensch sein Haar trägt, ist ein Spiegelbild seiner Seele“, sagte Landrat Otto Lederer auf der Freisprechungsfeier der Friseurinnung Rosenheim. „Und insofern ist ein vernünftiger Haarschnitt ein Teil der Menschenwürde“. Für Innungsobermeister Stefan Mashold sind das richtige und wichtige Sätze.

Appell an die Politik

Er würde sich nur wünschen, dass sie nicht nur ausgesprochen, sondern auch beherzigt würden. Und zwar auf allen Ebenen der Politik. „Wenn unser Handwerk mit der Würde des Menschen in Verbindung gebracht wird, ist damit ausgesagt, dass wir ein Grundbedürfnis bedienen und somit systemrelevant sind. Schließungen wie wir sie in den vergangenen eineinhalb Jahren durchzumachen hatten, sind damit nicht vereinbar.“

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Diese Schließungen haben das Friseurhandwerk mehr getroffen als man derzeit, da die Salons wieder weitgehend zugänglich sind, vermuten könnte. Die Situation beim Nachwuchs sei da ein deutlicher Indikator, meint Stefan Mashold. „Die Zahl der Praktikumsnachfragen ist nach dem zweiten Lockdown stark eingebrochen“, so Mashold.

Und das sei deswegen besonders schade, weil man vor Corona gerade den ersten Ansatz einer Trendwende zu verspüren glaubte. „Es ist eben ein Fehler“, so Stefan Mashold, „wenn man einen Berufsbereich, der eindeutig ein Vollhandwerk ist, von Seiten der Politik als einen „körpernahen Dienstleister“ bezeichnet und auch so behandelt. Das wird uns nicht gerecht“.

Selbstverantwortlich gestalteter Arbeitstag

Ein Satz, den die 19 neuen Friseurgesellinnen wohl voll unterschreiben würden. Sie haben in ihrer Ausbildung und nicht zuletzt auch in ihren praktischen Prüfungen erlebt, was es heißt, eine grundsolide handwerkliche Ausbildung abzuschließen. Einen ganzen Tag dauert die praktische Prüfung, die im Grund einen selbstverantwortlich gestalteten Arbeitstag in einem Betrieb simuliert.

Und selbst das, was der Kunde als angenehmes Beiwerk empfindet, die Unterhaltung mit seinem Friseur, ist Teil der Ausbildung: In den Berufsschulen gibt es dazu „Planspiele“ in denen geübt wird, sich auf die Kunden und ihr Verhalten einzustellen. „Ihr habt“, so betonte deshalb auch Stefan Mashold in seiner Ansprache, „einen Handwerksberuf, in dem ihr so nah an die Menschen kommt, wie in wohl kaum einem anderen, nicht nur körperlich, sondern manchmal auch seelisch“.

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Das dafür nötige Gespür für Menschen kann man nicht wirklich lernen, sagt Stefan Mashold, man muss ein Talent dazu mitbringen. Das allerdings kann in der Lehrzeit dann noch ausgebaut werden. Ebenso ist es mit dem Gefühl für Mode und die große Frage, wem was tatsächlich steht: Auch hier brauche es eine gewisse natürliche Begabung.

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Zudem hätten die Friseurbetriebe bewiesen, wie schnell und schlagkräftig sie agieren können: „Den Ansturm nach den Lockdowns und vor allem auch den kurz vor den Schließungen haben wir hervorragend bewältigt“, meint Mashold. „Und auch unsere Sicherheitskonzepte haben funktioniert: 87 000 Betriebe gibt es in Deutschland, mit 250 000 Beschäftigten und 700 000 Kundenkontakten pro Tag. Corona-Fälle, die auf eine Ansteckung in einem Friseurbetrieb zurückzuführen sind, gab es aber nur vier.“

Ein Quäntchen natürliches Talent

Er plädiert deshalb eindringlich dafür, dass, sollte es noch einmal einschränkende Maßnahmen geben müssen, diese Tatsachen berücksichtigt würde. Passiere dies nicht, werde die Zahl der Interessenten weiter abnehmen. „Damit fehlt am Ende aber womöglich genau der Nachwuchs, der dieses Quäntchen natürliche Talent mitbringt, das den Friseur zu dem macht, was er sein soll: Eine Person des Vertrauens, bei der man sich rundum gut aufgehoben fühlt.“

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