Von Ebersberg nach Maitenbeth - „Collin Lab & Pilot Solutions“ investiert zehn Millionen Euro

Vor zwei Jahren zog das Maschinenbau-Unternehmen „Collin Lab & Pilot Solutions“ von Ebersberg nach Maitenbeth. Ein Schritt, den die beiden Teilhaber Dr. Friedrich Kastner und Corné Verstraten, keine Sekunde bereut haben. Auch nicht die Investition von zehn Millionen Euro.

Von Karlheinz Günster

Maitenbeth – Aktuell arbeiten 125 Menschen in dem inhabergeführten Betrieb, der Anlagen zur Verarbeitung von Kunststoffen entwickelt und produziert. 2014 übernahm der Oberösterreicher Dr. Kastner die Firma Collin.

Er habe schon immer eine besondere Beziehung zu Kunststoff gehabt, erinnert sich der Geschäftsführer und Teilhaber: „Ja, ich hab‘ gern mit Lego gespielt und alles Mögliche zerlegt“. Promoviert hat der Diplom-Ingenieur in Mechatronik, „das passt gut, weil wir hier Steuerungen selber entwickeln.“

Die Firma ist stark exportlastig mit einem Anteil von 95 Prozent. Die Anlagen und Linien sind breit gestreut und gefragt, daher sind Fachkräfte begehrt: „Wir suchen die Besten, aber die zu bekommen ist schwierig.“ Zu den Kunden zählen weltbekannte Firmen, darunter Rohstofflieferanten, Modifizierer bis hin zu Halbzeugproduzenten und Herstellern von Endprodukten. „Wir machen alles außer Spritzguss.“

1972 in Münchengegründet

Den Betrieb gibt es seit 1972 in München, gegründet von Dr. Heinrich Collin. 1982 erfolgte der Umzug nach Ebersberg. Der Standort war nun zu klein, die Stadt hatte nichts Passendes im Angebot, schon gar nicht für spätere Erweiterungen. Zu dieser Zeit hatte Collin 20 Millionen Euro Umsatz, heute sind es rund 26 Millionen Euro. Dazu fast keine Emissionen, wenig Lkw-Verkehr und ein gutes Steueraufkommen, „da waren wir für viele Standortgemeinden attraktiv“, blickt Dr. Kastner zurück. Man hätte eine Agentur für eine Standortsuche beauftragen können, doch di geplante e Veränderung entwickelte eine eigene Dynamik, so kamen Angebote herein, auch aus Maitenbeth. „Das Grundstück hat uns sehr gut gefallen“, so der 56-Jährige. „Auf einer grünen Wiese lassen sich leichter eigene Ideen umsetzen, es ist nah genug an Ebersberg, so sind fast alle Mitarbeiter mitgegangen, denn viele stammen aus dem Münchner Osten.“

IHK-Vizepräsidentin Ingrid Obermeier-Osl weiß, dass der Großraum München seit 2008 kontinuierlich Unternehmen an den Landkreis Mühldorf „abgibt“.

Collin wollte ursprünglich 15 000 Quadratmeter erwerben, letztlich wurden es sogar 10 000 Quadratmeter mehr. Das bietet künftige Erweiterungsmöglichkeiten. Die Fläche liegt in Thal als östliche Ergänzung an das bestehende Gewerbegebiet und war zuvor Ackerfläche. Die Erweiterung ist derzeit noch eine Blumenwiese für Insekten. Kastner erinnert sich noch an den ersten Kontakt mit Maitenbeth: „Wir haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt.“ Probleme wie den Mangel an Löschwasser etwa habe man durch die Schenkung eines Schlauchwagens lösen können. Den Schritt hierher „haben wir keine Sekunde bereut“.

Das unterstreicht auch Corné Verstraten, Teilhaber und Leiter des Vertriebs. Er wechselte vor Jahren in die Firma, deren Kunde er einmal war. Unterstützung gab es auch durch den damaligen Minister Dr. Marcel Huber und den früheren Mühldorfer Landrat Georg Huber. Wichtig seien aber auch die richtigen Ansprechpartner. So sei der damalige Bürgermeister Josef Kirchmaier mit zum Landratsamt gefahren.

Auch andere Orte zur Auswahl

Es gab auch andere Orte in der Auswahl, weiter östlich und nördlich des alten Standorts. Die Bundesstraße 12 „war damals eher abschreckend“, doch die Autobahn war ja in Sicht. Jetzt sei man ideal angebunden und auch nah genug am Flughafen. Hier gebe es eine gute Infrastruktur, auch in Haag mit den Einkaufsmöglichkeiten und ausreichend Übernachtungszimmer. Eine eigene Abbiegespur auf die B12 wäre schön gewesen, aber letztlich zu teuer.

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Kunststoff habe manchmal ein schlechtes Image weiß Dr. Kastner, doch sei es entscheidend, „wie man da-mit umgeht, um welche Bereiche, Kunststoffarten, Produktionsverfahren es sich dabei handelt.“ Recycling sei wichtig. Collin-Anlagen sind Hightech, „mit unseren Anlagen hergestellte Produkte findet man in Akkus, Windkraft bis hin zur Medizin“. Wie Plastik ins Meer kommt? „Weil‘s reingeworfen wird“, denn in anderen Ländern sei das Umweltbewusstsein weniger ausgeprägt.

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Kastner betont, „Kunststoff ist nicht per se schlecht, uns interessiert der ganze Zyklus“. Deshalb habe man einen Recyclingmaschinenbetrieb – die BritAS Recycling-Anlagen GmbH in Hanau – und forsche, um möglichst wieder reinen Kunststoff zu erhalten. Schichten werden auch immer dünner, um etwa Verpackungsmüll zu reduzieren. Zu abbaubaren und Biokunststoffen wird gemeinsam mit Kunden geforscht. „Der schonende Umgang mit Ressourcen und Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig“, erklärt er.

Anschaulich kann Dr. Friedrich Kastner das Zusammenspiel von Präzision und hoch entwickelter Technik beschreiben, um etwa Folien mit unterschiedlichen Eigenschaften in großen Dimensionen zu produzieren, etwa mit elektrischer Spannung in einem Vliesstoff, um Krankheitserreger in Masken zu binden.

Visier-Produktionin der Kurzarbeit

In der Corona-Zeit gab es teilweise Kurzarbeit und bedingt durch freie Kapazitäten die Möglichkeit, sich mit Folien für Schilde und Vliese für Masken zu befassen. Man habe ein Netzwerk aufgebaut, um Material zu erhalten, zu Folien weiterzuverarbeiten und ebenfalls kostenlos wieder abzugeben.

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Dazu hat das Unternehmen eine eigene Anlage für die Produktion von Schutzschilder-Folien, zusammengestellt. „Wir produzieren PET-Folien für verschiedene medizinische Bereiche wie Krankenhäuser, Ärzte, Apotheker, aber beispielsweise auch für Optiker. Wir hatten bereits zahlreiche Anfragen und freuen uns, hier einen Beitrag leisten zu können“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Unter anderem kommen dabei auch wiederverwendete Stoffe zur Anwendung.

Bürgermeister hofft auf Kaufkraft

Bürgermeister Thomas Stark ist erfreut über die neue Firma als größten Arbeitgeber in der Gemeinde. Das bringe sicherlich auch Kaufkraft nach Maitenbeth. „Noch ist es aber zu früh, sich über Gewerbesteuerzahlungen zu freuen, denn dafür muss die Firma nach ihren hohen Investitionen erst einmal Gewinn erwirtschaften.“

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