FACHKRÄFTEMANGEL IN SÜDOST-OBERBAYERN

Es droht eine Milliarde Euro Verlust

Vor allem im technischen Bereich fehlen Fachkräfte in der Region. Laut Irene Wagner (kleines Bild), IHK, ein Wachstumshemmnis für die Wirtschaft. dpa / gajanin ihk
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Vor allem im technischen Bereich fehlen Fachkräfte in der Region. Laut Irene Wagner (kleines Bild), IHK, ein Wachstumshemmnis für die Wirtschaft. dpa / gajanin ihk

Mühldorf/Altötting/Rosenheim/Traunstein.   – In den regionalen Unternehmen besteht weiter eine akute Fachkräftelücke.

Trotz des aktuellen Beschäftigungsrekords fehlen den Betrieben in den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Rosenheim und Traunstein über alle Berufsgruppen hinweg etwa 12 000 qualifizierte Mitarbeiter. Rund 4,1 Prozent aller in der Region angebotenen Arbeitsplätze für Fachkräfte können daher nicht besetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Auswertung des IHK-Fachkräftemonitors Bayern. Die heimischen Betriebe suchen vor allem beruflich qualifizierte Mitarbeiter. Besonderer Mangel herrscht in Berufen der Unternehmensführung und -organisation, zum Beispiel bei Industrie- und Bürokaufleuten. Weit oben auf der Wunschliste der Unternehmen stehen auch Mitarbeiter im technischen Bereich, wie Techniker, Fertigungsmechaniker, Anlagenführer oder Maschinenbaumeister. Mitarbeiter in der Metallerzeugung, im Metallbau sowie in den Elektroberufen sind ebenfalls Mangelware. Dazu zählen unter anderem Zerspanungsmechaniker und Elektrotechniker.

„Der Fachkräftemangel bremst die Wirtschaft Südostoberbayern massiv aus. Betriebe müssen aufgrund fehlender Kapazitäten Aufträge verschieben oder ablehnen. Der regionalen Wirtschaft entgeht dadurch 2018 eine Wirtschaftsleistung von über einer Milliarde Euro, in ganz Oberbayern sind es sogar neun Milliarden“, erklärt Irene Wagner, Sprecherin des IHK-Forums Südostoberbayern und Unternehmerin aus Marktschellenberg.

Auch für die Zukunft gibt es keine Entwarnung. Im Gegenteil: Bis 2030 wird sich die Lücke in der Region auf 24 000 Fachkräfte verdoppeln. Der jährliche Bruttowertschöpfungsverlust wird sich demnach in Südostoberbayern auf 2,2 Milliarden summieren. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten von derzeit 43,2 Jahren steigt nach Berechnungen auf 48,3 Jahre im Jahr 2030.

In den Unternehmen, aber auch in der Politik müsse die Bekämpfung des Fachkräftemangels daher an erster Stelle stehen, fordert Wagner. Gleichzeitig beklage die Wirtschaft, dass die Politik mit der „Rente mit 63“ die Beschäftigungsquoten älterer Arbeitnehmer gering halte. Auch mit dem geplanten Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit werde der Fachkräftemangel weiter befeuert. Wagner führt weiter an, dass der Stellenaufbau im Südosten bereits jetzt zu fast 48 Prozent von ausländischen Fachkräften getragen werde (wir berichteten). Es stehe deshalb außer Frage, dass Bayern und Deutschland ein neues Zuwanderungsgesetz brauchen. Zugewanderte Fachkräfte helfen, dem Standort langfristig seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten. re

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