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Lösung für den Personalmangel in der Gastronomie?

Die miauende Robo-Kellnerin und die App eines Erdingers können Wirte unterstützen

Auf der HOGA Messe in Nürnberg war „BellaBot“ der Renner. Klaus Hamal aus Isen ist Vertriebspartner des asiatischen Herstellers.
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Auf der HOGA Messe in Nürnberg war „BellaBot“ der Renner. Klaus Hamal aus Isen ist nicht nur Vertriebspartner des asiatischen Herstellers, sondern bietet als Mehrwert die app2get der gleichnamigen Erdinger Firma dazu an, mit der der Gast sein Essen selbst bestellen kann.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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„Miau“ und „hallo, hier kommt Ihr Essen“, sagt „Bella“, der freundliche Service-Roboter mit dem Katzengesicht. Für Gasthäuser, denen Kellnerinnen und Kellner fehlen, kann die außergewöhnliche Kollegin, die Chinesen entwickelt haben, von Nutzen sein. Vertrieben wird der Roboter nun von Isen aus.

Isen – Klaus Hamal aus Isen vertreibt den Bot und bietet dazu eine App an, mit der die Gastronomie digital wird. Die Personalnot in der Gastronomie ist groß. Wegen der Pandemie haben rund 320.000 Mitarbeiter der Branche den Rücken gekehrt. Auch vor Corona hatten viele Wirte Probleme, offene Stellen zu besetzen, weiß Klaus Hamal (56) aus Isen, der „BellaBot“ seit 2021 als Partner des asiatischen Herstellers Pudu vertreibt – und dazu auf Wunsch einen Mehrwert anbietet: Eine spezielle Gastro-App, die mit dem Roboter und der Küche korrespondiert und als digitale Speisekarte dient. Die „app2get“ wurde von der gleichnamigen Erdinger Fima, deren Cheftüftler und Inhaber Julian Färber ist, in Kooperation mit Hamal entwickelt, wie dieser erzählt. Viele Ideen aus der Praxis seien eingeflossen. 2018 ergatterte die App den Innovationspreis der Initiative Mittelstand.

Viele Inserate - keine Kellner

Sie ermöglicht dem Gast, mit dem Smartphone am Tisch die Bestellung aufzugeben. „So kommt der Wirt mit weniger Personal aus“, so Hamal, der kürzlich zwei der Service-Roboter an einen Landgasthof in einem Dorf im Vogtland ausgeliefert hat.

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„Der Betreiber vom ,Grünen Baum’ hat viele Inserate geschaltet und bekommt einfach kein Personal. Nun hat er zwei Bots. Er und seine Frau machen Küche und Schänke, die Roboter ersetzen die Kellner“, berichtet Hamal. Die Alternative wäre gewesen, den Laden aufzugeben.

Mit Laserscanner auf den Raum angelernt

Der Roboter wird von einem Techniker mittels 3D-Laserscanner am Fußteil auf barrierefreie Räume „angelernt“, kennt dann Ecken und Kanten und weicht auch Menschen aus. „Wenn „BellaBot“ nicht vorankommt, weil ihr der Weg versperrt wird, sagt sie ganz freundlich: Bitte lassen Sie mich durch, meine Gäste warten“, erklärt Klaus Hamal.

Das praktische Gefährt fährt dann an den Tisch und sagt, „Hallo, Ihr Essen ist da“ und das entsprechende Fach blinkt. Ein Gewichtssensor meldet, wenn der Teller weggenommen wurde, dann fährt „BellaBot“ weiter. Mit der „App 2 get“ kann man den fahrenden Servierwagen mit den Etagen wieder herbestellen und das leere Geschirr – bis zu 40 Kilo – aufladen. Schnurstraks geht‘s dann in die Spülküche. „So kann der Service-Roboter die Kellner unterstützen, die sich einstweilen um die Gäste kümmern können“, erläutert der 56-jährige Isener den Idealfall.

Gast scannt QR-Code und bestellt selbst

Das Landhotel „Zum Grünen Baum“ nutzt auch die App, die 2018 auf den Markt kam – wegen Fachkräftemangels. „Das ist eines der modernsten Systeme. Und das Produkt ist jetzt reif, weil praktisch jeder ein Smartphone hat (wer keines hat, kann auf dem Restaurant-Tablet bestellen) und die mobilen Daten längst bezahlbar sind“, so der Meister der Informationselektronik.

Der Gast muss nicht erst selbst eine App downloaden oder installieren, sondern kann den QR-Code scannen und auch live in der Speisekarte sehen, ob die geliebten Palatschinken aus sind, oder nicht. „Die Küche ihrerseits kann ein Gericht mit einem Klick offline schalten und es kann nicht mehr bestellt werden“, so Hamal. Zudem könne der Kunde mit einem Fingertippen alles aus der Karte ausblenden, was Allergene enthalte.

Was „BellaBot“ sonst noch kann:

- den Gast an seinen Tisch begleiten

- Geburtstagsmodus: alle LED-Lichter blinken und ein Lied kann abgespielt werden

- Musikmodus mit verschiedenen Musik-Dateien

„Das wird zur Gastronomie 2.0“

Nach der Bestellung sind die einzelnen Posten automatisch in der Kasse verbucht. Ein Bondrucker mit teurem und umweltschädlichem Thermopapier ist nicht nötig. Die Bestellungen erscheinen am Küchenmonitor und werden tischweise produziert. So macht es auch der „Grüne Baum“; bezahlt wird dort auch digital.

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Hamal spricht von einer spannenden Entwicklung: „Das wird zur Gastronomie 2.0“, ist er überzeugt. Die Hersteller sitzen in China. Deutschland sei leider zu wenig innovativ auf diesem Gebiet, eher viel zu konservativ. In Deutschland so eine Robotics-Technik zu entwickeln, dauere zu lange.

Klaus Hamal aus Isen erklärt auf der HOGA in Nürnberg, wie „BellaBot“ funktioniert.

BellaBot kostet 19.000 Euro

Kürzlich haben Hamal und sein Team auf der HOGA in Nürnberg den Roboter dem Fachpublikum aus dem Gastgewerbe vorgestellt. „Das war der Renner“, so der IT-Experte, der vorab auf Facebook in einschlägigen Gastro-Gruppen dafür Werbung machen wollte, seinen Stand auf der Messe zu besuchen.

Shitstorm auf Facebook

„Wir bekamen einen Shitstorm, vor allem von Kellnern. Und die Hater griffen uns verbal an.“ Doch auf der Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie war das Interesse groß. „Und alle wollten die Katze streicheln. Sie miaut dann nämlich. Wenn man sie zu viel an den Ohren streichelt, faucht sie“, erzählt er schmunzelnd über ein paar charmante Effekte an der Robo-Kellnerin.

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Kunden, die die app2get und „Bella“ wollen, sitzen in Deutschland und Österreich. Seit der Messe steige die Nachfrage rasant. Derzeit bearbeiten Hamal und sein Team 19 Anfragen. Wer sich einen Service-Roboter anschaffen will, muss dafür 19.000 Euro (netto; Anlernservice inkludiert) hinlegen.

Das sagt der Hotel- und Gaststättenverband:

Fahrender Servierwagen mit Katzengesicht.

„Das ist ein netter Gag. Aber komplett den Service damit ersetzen – das sehe ich nicht“, sagt Rudolf Zellner, Stellvertretender Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Der Brannenburger habe selbst die HOGA in Nürnberg besucht und sich „BellaBot“ angeschaut. „Wie beim Wisch- oder Saugroboter ist das eine gute Ergänzung, kann beispielsweise beim Geschirr abräumen unterstützen. Aber Kellner oder andere Mitarbeiter müssen deswegen keine Angst um ihren Arbeitsplatz haben – wie das beispielsweise in der Industrie-Robotertechnik schon der Fall ist“, so Zellner. Zumal dieser Roboter auch nicht selbst die Geschirrspülmaschine bestücken oder ausräumen könne. „Das ist nicht die Zukunft“. Gleichzeitig wolle er diese Entwicklung nicht verteufeln, sie könne zumindest als Blick in die Zukunft gesehen werden und es müsse sich in der Praxis erst einmal zeigen, inwieweit sich das ausreizen ließe.

Wer sich so einen „BellaBot“ anschaffe, müsse mit hohen Investitions- und Wartungskosten kalkulieren. Zudem müssen die Räumlichkeiten barrierefrei sei, „sonst fliegt das Ding mit dem ganzen Geschirr hin“.

Niemals könne die Gastronomie auf Menschen verzichten. „Die Stammgäste freuen sich doch auf den Ratsch mit der Bedienung, die eh schon weiß, was sie bringen soll. Ein Gast will den persönlichen Kontakt und will sich gut aufgehoben fühlen. Es gibt keinen Ersatz für Menschen.“

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