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Glasfaserausbau auf dem Land

Die Krux mit den Bits spüren auch die Rimstinger Internet-Nutzer

Glasfaserausbau mittels "Nano-Trenching"
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Glasfaserausbau mittels «Nano-Trenching»
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Die Breitbandversorgung ist in weiten Teilen Rimstings zu niedrig. So mühen sich Nutzer in Außenbereichen mit Downloadgeschwindigkeiten von sechs, zehn oder 20 MBit/s ab, während anderswo im Gemeindebereich immerhin bis zu 100 MBit/s möglich sind. Der Gemeinderat diskutierte mögliche Lösungen – viele gibt es nicht.

Rimsting – Oberhamberg, Hötzelsberg, Dirnsberg, Hocheck, Ber, Ratzing, Burgersdorf, Herrgottswinkl, Gattern, Otterkring: Diese und weitere Ortsteile von Rimsting sind die berüchtigten „weißen Flecken“ auf der örtlichen Mobilfunk-Landkarte. Hier sind die Übertragungsraten, gemessen in Megabit pro Sekunde (Mbit/s) so gering, dass Home-Office und Home-Schooling zur Qual werden oder gar nicht möglich sind, selbst das Anschauen eines Online-Videos kann da zur echten Nervenprobe werden.

„Uns beschäftigen schon seit geraumer Zeit massive Probleme und Beeinträchtigungen mit der Breitbandversorgung. Einschränkungen bei betrieblichen und privaten Abläufen kennen wir seit der Entstehung des Internets“, klagen Andreas Böck und Johann Seidl von der Interessensgemeinschaft Breitbandausbau daher in einem Brief an die Gemeinde Rimsting, der nun im Gemeinderat breiten Raum einnahm.

Welche Leistung kommt wirklich an?

Nicht nur, dass Lernen und Büro erschwert würden, auch Hausgäste würden sich über die schlechten Übertragungsraten beschweren. Offizielle Daten der Netzanbieter zeigen, wie es angeblich steht: So liegt die Netzgeschwindigkeit in Weilern wie Kaps, Garnpoint und Gattern, bei 20 bis 25 MBit/s, im Umkreis von ein paar Kilometern steigen die Werte bisweilen auf 30 bis 50 MBit/s, liegen in Greimharting zumindest bei 100. Höchstens 50 MBit/s erreicht, wer in Pinswang, Hörzing oder im Rimstinger Ortskern wohnt, doch auch hier schwanken die Werte teils stark.

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Frust nach Kontakt mit Anbietern

Nur die wenigsten Straßenzüge oder Außenbereiche, wie etwa St. Salvator, kommen in den Genuss von 100 MBit/s. Doch die Interessensgemeinschaft Breitbandausbau meldet teilweise ganz andere, reale Zahlen: Zum Beispiel liege die tatsächliche Downloadgeschwindigkeit in Hötzelsberg bei etwa 4,8 MBit/s, in Oberhammer bei 6 MBit/s, in Dirnsberg bei 10 MBit/s. Würden alle Anwohner, die tatsächlich das Netz nutzten, gleichzeitig online gehen wollen, breche es zusammen.

Die Gemeinschaft spricht von „massiven Problemen“ und betont, dass es den Mitgliedern noch nicht einmal um die Nutzung von Netflix & Co. gehe, sondern um einfache Alltagsanwendungen im Internet. „Die digitale Infrastruktur hat heute einen Stellenwert wie Wasser, Strom und Straßenanschluss“, erinnern Andreas Böck und Johann Seidl die Gemeinde und schildern frustrierende Erfahrungen im Kontakt mit den Anbietern. Mit 39 Unterschriften betroffener Anwohner fordern Böck und Seidl stellvertretend für die Interessensgemeinschaft die Gemeinde dazu auf, ihrer Misere Abhilfe zu schaffen.

Nur noch Glasfaser

Bürgermeister Andreas Fenzl (CSU) und die Gemeinderäte äußerten grundsätzlich Verständnis für die Situation der Betroffenen. Insgesamt, erinnerte Fenzl, habe sich die Breitbandversorgung im Gemeindegebiet sehr verbessert. Zwischen 2014 und 2016 seien 608 000 Euro mit Förderungen investiert worden. Er übergab das Wort an Diplom-Ingenieur Paul Roither von der Corwese GmbH, die sich auf die Breitbandversorgung im ländlichen Raum spezialisiert hat und die Gemeinde seit Jahren berät. Er informierte die Gemeinderäte über die aktuellen Ausbaumöglichkeiten („nur noch über Glasfaser“). Laut Stand der Technik seien in Rimsting teilweise sogar Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s möglich – je nach Standort.

Thomas Schuster (CSU) erinnerte daran, dass es in der Vergangenheit geheißen habe, 2020 bis 2050 habe jeder Haushalt schnelles Internet. Roither erwiderte, dass man damals über geringere Datenraten gesprochen habe. Robert Perl (WGG) fragte, welche Möglichkeiten man heute zur besseren Versorgung habe, was Roither mit der Vorstellung zweier Fördermodelle beantwortete (siehe Infokasten). Sein Fazit: Ohne Aussicht auf Wirtschaftlichkeit mache kein Anbieter und kein Förderer mit: „Es braucht mindestens 30 bis 40 Anschlüsse.“

Gesamtübersicht soll Klarheit schaffen

Andreas Fenzl schlug vor, auf Basis der bishereigen Ausbaumaßnahmen eine Markterkundung im gesamten Gemeindegebiet auf den Weg zu bringen, mit dem Ziel einer besseren Breitbandversorgung.

Die Markterkundung sei als erster Schritt notwendig, um überhaupt staatliche Förderungen beantragen zu können – alles in allem „ein Prozess, der dauert, aber die Zeit ist reif, es jetzt anzugehen.“ Er plädierte außerdem dafür, künftig Synergieeffekte im Tiefbau zu nutzen, um bei Bedarf leere Rohre für Glasfaserkabel parat zu haben, wenn Straßenbaumaßnahmen durchgeführt werden. Man einigte sich im Gremium – ohne Beschluss – darauf, mit Hilfe der Firma Corwese eine Bestandsaufnahme des Gemeindegebiets zu machen.

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Aus privater Tasche nicht zu bezahlen

Paul Roither von der Corwese GmbH informierte das Gremium über die möglichen Förderungen: Auf dem Land deckten sie bis zu 90 Prozent der Kosten – „maximal“. Es gebe ein neues Bund-Förder-Modell seit Mai, sowie ein Bund-Länder-Programm, bei dem hierzulande Bayern mitfinanziere. Er konkretisierte diese Modelle anhand einer Beispielrechnung: Sollen 150 Anwesen mit schnellem Internet ausgestattet werden, muss die Gemeinde beim Bund-Fördermodell bei einem Angebotspreis von 15.000 Euro je Adresse selbst 750.000 Euro tragen. Bei rund 1150 Adressen in Rimsting und gerechnet nach dem Bund-Bayern-Modell, könnte der Gemeindeanteil nur 300.000 Euro betragen. Doch beide Modelle hätten ihre Tücken, so sei das eine komplizierter zu beantragen, das andere beinhalte einen höheren Eigenanteil.

Die Verwaltung warnte vor zuviel Optimismus, was die Förderungen im Außenbereich angehe: Werde etwa ein entlegener Hof versorgt, sei der staatliche Zuschuss bei 14.000 Euro gedeckelt, die Ausbaukosten betragen jedoch 80.000 Euro je Kilometer, dazu kämen noch Kosten für Verteilerkästen von je 10.000 Euro. Damit waren auch Stephan Walters (Grüne) und Stefan Julineks (CSU) Fragen beantwortet, ob sich Nutzer nicht auf eigene Kosten behelfen könnten.

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