Denise Schurzmann: Die Stimme der jungen regionalen Wirtschaft

Neue Landesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren:Denise Schurzmann, die Geschäftsführerin der Krause Industrieschaltanlagen GmbH aus Raubling. Heinz

Trotz Corona-Virus, Börsen-Einbruch, deutschlandweiten Export- und Importschwierigkeiten: Im Büro von Denise Schurzmann läuft alles wie gewohnt. Die junge Unternehmerin aus Rosenheim ist Landesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren Bayern.

Raubling – Mit Herausforderungen kennt sich Denise Schurzmann aus. Schon als junge Frau musste sie sich in einer Männerdomäne durchsetzen, mit 26 Jahren völlig unerwartet die Position der Geschäftsführerin übernehmen. Da bringt sie auch die aktuelle Virus-Pandemie nicht aus der Ruhe.

Schon gar nicht ins Schwitzen bringt sie ihr neues Amt, obwohl dieses im Januar ebenfalls recht unvermittelt auf sie zukam. Doch die Aufgabe als neue Landesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren begreift die 31-Jährige weniger als Herausforderungen denn als Chance, Neues zu gestalten.

Die Nachricht kam für alle überraschend. Anfang des Jahres trat der Landesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren, Andreas Zacherl, aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Rosenheimer Unternehmerin übernahm als seine Stellvertreterin das Amt zunächst kommissarisch und wurde kurz darauf von den Delegierten offiziell gewählt. Als Kopf der Wirtschaftsjunioren Bayern vertritt sie damit nun auch bayerische Interessen im Bundesvorstand des Verbands.

Wirtschaftsjunioren-Blut in den Adern

Obwohl der Schritt zum Landesvorsitz nicht vorhersehbar war, zeichnete sich eine Karriere bei den Wirtschaftsjunioren schon früh ab. „Ich habe meine Eltern schon von klein auf bei Veranstaltungen begleitet“, erzählt Schurzmann, die in Rosenheim lebt. Die Mutter aktiv in der Kreisarbeit, der Vater stellvertretender Bundesvorsitzender und Ehrensenator, die Tante Landesvorsitzende in Bayern – da sei es einfach selbstverständlich gewesen, zu Familienfesten oder Ausflügen des Verbands mitzukommen. „Durch meine Adern fließt Wirtschaftsjunioren-Blut“, sagt Schurzmann lachend. Seit 2011 ist sie Mitglied, seit 2017 hat sie Führungsrollen inne: von der Rosenheimer Kreissprecherin in 2017/18 bis zum Landesvorstand und der stellvertretenden Landesvorsitzenden in 2019.

Netzwerk und Stimme junger Unternehmen

Zwei Aufgaben stehen für die Wirtschaftsjunioren ganz oben: Auf der einen Seite will man ein Netzwerk zwischen jungen Unternehmern schaffen. Dazu gibt es in Rosenheim zum Beispiel einen monatlichen Stammtisch. Auf der anderen Seite werden die Belange aus der Wirtschaft an die Politik herangetragen. „Wir sind die Stimme der jungen Unternehmer“, so Schurzmann. Als Landesvorsitzende ist sie dazu in Kontakt mit den Fraktionsvorsitzenden im Landtag, den wirtschaftspolitischen Sprechern sowie den Ministerien, die sich mit Wirtschaftsthemen beschäftigen.

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Für Denise Schurzmann war es allerdings zunächst die Gemeinschaft, die ihr Stärke gegeben hat. Mit 26 Jahren starb ihr Vater und Geschäftsführer der Krause GmbH unerwartet an schwerer Krankheit. Der Todestag sei ein Freitag gewesen, am Montag habe sie vor der Belegschaft gestanden, erzählt sie.

Zu dem Zeitpunkt war sie zwar schon durch ihr duales Studium in der Firma tätig und eine etablierte Ansprechpartnerin für die Mitarbeiter – doch sie habe zum Beispiel noch nie selbst ein Verkaufsgespräch geführt. „Sich als so junge Frau in einer Männerdomäne durchsetzen, das war schon sportlich“, erinnert sie sich. Dennoch sei es für sie immer klar gewesen, dass es mit dem Unternehmen weitergehen soll. Also zeigte sie Stärke, stand zu ihren Schwächen und übernahm die Führungsrolle – wobei ihr der Austausch mit den Wirtschaftsjunioren zu Gute kam.

Hilfe durch Rat und Tat

Denn die anderen Mitglieder, ebenfalls viele Geschäftsführer mittelständischer Familienbetriebe, kannten die Sorgen und Ängste der Unternehmerin, standen mit Rat zur Seite. Durch die Fördermitglieder – Wirtschaftsjunioren, die die Altersgrenze von 40 Jahren überschritten haben – konnte sie von „alten Hasen“ lernen.

Weitere Informationen zu den Rosenheimer Wirtschaftsjunioren finden Sie hier.

Heute stehen für die Landesvorsitzende Themen der Zukunft im Mittelpunkt. Unter dem Jahresmotto #Unternehmerzukunft will man ein positives Bild vom Unternehmer verankern, Schüler für wirtschaftliche Zusammenhänge sensibilisieren, Nachhaltigkeit und Digitalisierung in den Unternehmen vorantreiben und die Stärke der dualen Ausbildung verdeutlichen.

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Viele dieser Themen sind auch bei der Krause Industrieschaltanlagen GmbH aktuell. Das Unternehmen fertigt individuelle Schaltanlagen für die Industrie und hatte 2019 einen Jahresumsatz von 14 Millionen Euro. „Es ist für uns elementar, den Nachwuchs selbst auszubilden“, sagt Schurzmann. Von den 50 Mitarbeitern sind sieben Azubis. In der derzeitigen Arbeitsmarktsituation müssten Unternehmen um Facharbeiter werben. Auch die Digitalisierung in der Produktion spielt für das Unternehmen eine wichtige Rolle. Nicht, um Arbeitsplätze zu ersetzen, dazu seien die Kundenaufträge viel zu individuell, doch um Arbeiten zu erleichtern und damit die Stückzahl zu erhöhen.

Nicht rumsitzen, sondern aktiv werden

Die Themen, die die Wirtschaftsjunioren aufgreifen, werden von den Mitgliedern gemeinsam definiert. Dann geht es an die Arbeit. „Wir wollen nicht rumsitzen und jammern, sondern aktiv werden“, so Denise Schurzmann. Dazu geheören zahlreiche Veranstaltungen, wie etwa Netzwerktreffen oder Gespräche mit der Politik. Freizeit bleibt da für die junge Frau kaum noch. Neben der Arbeit stehen ihre zwei Pferde an erster Stelle. Zwar hat die begeisterte und erfolgreiche Springreiterin ihre Turnierambitionen inzwischen zurückgeschraubt - ein wichtiger Ausgleich bleibt das Reiten für Schurzmann dennoch. Auf dem Rücken der Pferde lässt es sich schließlich gut abschalten. Das hilft der Unternehmerin und Wirtschaftsjunioren-Landesvorsitzende sicherlich dabei, auch zukünftige Herausforderungen in Chancen zu verwandeln.

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