Das Corona-Infektionsrisiko senken: Reit im Winkler Firma hat dazu ein Gerät entwickelt

Unter anderem in Büroräumen
               können die Geräte von Halton genutzt werden, um die Luft von Viren zu filtern. Halton
+
Unter anderem in Büroräumen können die Geräte von Halton genutzt werden, um die Luft von Viren zu filtern. Halton

Viele Gastronomen und Arbeitgeber haben sich in den vergangenen Monaten zu Experten für Aerosole und Infektionsgefahr in ihren Betrieben entwickelt. Die Reit im Winkler Firma Halton bietet nun Geräte an, die das Ansteckungsrisiko in Räumen deutlich minimieren soll.

Von Heidi Geyer

Reit im Winkl – Die Firma Halton kommt eigentlich aus einem anderen Gebiet: Sie ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer auf dem Sektor für gewerbliche Küchenabluftdecken und hat Expertise zum Einsatz spezieller elektromagnetischer Strahlung im UV-Bereich. „Deshalb war es für unsere Entwickler naheliegend, sich mit dem Thema Corona Viren zu beschäftifgen“, erklärt Geschäftsführer Heinz Ritzer.

UVC-Strahlung gegen Fettsäuren

Die sogenannte UVC-Strahlung werde bereits für die Nachbehandlung der Küchenabluft eingesetzt, um damit Fettsäuren umzuwandeln. Ultraviolettstrahlung (UV) ist elektromagnetische Strahlung im optischen Frequenzbereich mit kürzeren Wellenlängen als das für den Menschen sichtbare Licht. Das „C“ steht für den Wellenlängenbereich von etwa 100-280 Nanometer.

Lesen Sie auch:Zeit zu lüften – Pilotprojekt am Karolinen-Gymnasium in Rosenheim mit Raumluft-Sensoren

Bereits seit über 100 Jahren sei bekannt, dass UVC Viren inaktiviert und Mikroorganismen, wie Bakterien, abtötet, so Ritzer, daher setze man sie in hoher Dosis zur Desinfektion von Oberflächen, Wasser oder Luft ein.

Bei den Halton-Geräten werde das Prinzip nun genutzt, indem die Luft von unten angesaugt, gefiltert und mit UVC bestrahlt werde. Dadurch erhöhen sich die sogenannten Luftwechselraten: Je mehr gefilterte Luft in einem Raum vorhanden sei, desto geringer sei die Belastung durch Viren und das Infektionsrisiko.

Faktoren für hohe Übertragungsrate

Das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt, dass kleine Räume mit gar keiner oder nur geringer Frischluftzufuhr und längere Aufenthaltsdauer eine hohe Übertragung von Corona-Viren begünstigen.

Lesen Sie auch:Corona-Masken-Pfusch? Offenbar schützen nicht alle FFPs - woran Sie „echte“ Produkte erkennen

„Für uns wäre es ein Traum, mit unseren Geräten einen Wandel einzuleiten und Personenbeschränkungen etwa in Kantinen, Schulen und Gasträumen abmildern zu können“, sagt Manuel Kirchner, Leiter der Entwicklung bei Halton. Die Anzahl der Geräte sei von der Raumgröße und der Zahl der Personen abhängig. „Allerdings verlassen wir uns nicht nur auf diese Berechnung, sondern haben im Labor verschiedene Messungen vorgenommen: Luft wurde mit Viren infiziert, bestrahlt und anschließend untersucht“, so Kirchner.

Die Kosten liegen nach Auskunft von Halton zum Beispiel bei einem mobilen Gerät für einen Raum zwischen 100 und 150 Quadratmetern etwa bei 4500 Euro, wobei die Personenzahl, die sich hier aufhält, mit berücksichtigt werden müsse.

Mobile Einheit oder Deckenkassette

Als mobile Einheiten oder als Deckenkassetten bietet Halton die Geräte an und nutzt sie in den eigenen Büroräumen in Kürze selbst. Eine Einschränkung gibt es jedoch: Die Deckenkassetten bestrahlen sämtliche Oberflächen, wobei dies nur außerhalb der Belegungszeiten geschehen dürfe. Die UVC-Strahlung könne sonst eine Schädigung der Netzhaut zur Folge haben. Daher sind die Geräte nach Auskunft von Halton mit Präsenzmeldern und Zeitschaltung ausgestattet.

Lesen Sie auch:Lüften gegen Corona – Wann und wie es in Büro und Wohnung sinnvoll ist

Das unabhängige Prüflabor LMS Technologies, Inc. in Minnesota hat die Effektivität nach Angabe der Firma Halton das System getestet und bestätigt. Zwar seien keine Corona-Viren getestet worden, allerdings Viren und Bakterien, die ähnlich auf UVC Strahlung reagieren.

Geräte in Japan und den USA verkauft

Nachdem in Japan und in den USA bereits UVC-Geräte verkauft werden, solle nun auch Deutschland folgen. Anfragen hätte die Firma bereits erhalten, sagte Ritzer. Das Marktpotenzial schätzt er angesichts der Pandemie als sehr groß ein. „Die Marktchancen sind schwierig einzuschätzen, da es mittlerweile eine Unmenge von Lösungen und Produkten auf dem Markt gibt.“ Strategisch mache es Sinn sich auf gewisse Anwendungen, wie etwa Schulen, Messehallen oder Restaurants zu fokussieren.

Kommentare