Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Interview

Wirtschaftsminister Aiwanger über Brenner-Nordzulauf: „Da darf Geld keine Rolle spielen“

Bierzelte kennt Hubert Aiwanger (rechts) aus dem Effeff – oft genug tritt er dort im Wahlkampf auf. Bei seinem Besuch auf dem Herbstfest stieß er mit Hubert Kamml, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Rosenheim-Chiemsee, an.
  • Anton Maier
    VonAnton Maier
    schließen

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) war zu Besuch auf der Rosenheimer Wiesn. Für die OVB-Heimatzeitungen nahm er sich Zeit für ein Gespräch über das Streitthema Brenner-Nordzulauf, über das regionale „Sorgenkind“ Kathrein und über die bayerische Wirtschaft.

Rosenheim – Das Herbstfest zieht immer wieder auch Prominenz an, zuletzt war Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) zu Besuch auf der Rosenheimer Wiesn. Keineswegs das erste Mal, wie er auf der Bühne der Musikkapelle schilderte. Für die OVB-Heimatzeitungen nahm er sich Zeit für ein Gespräch über das Streitthema Brenner-Nordzulauf, über das regionale „Sorgenkind“ Kathrein und über die bayerische Wirtschaft, die derzeit etwas schwächelt und nur geringes Wachstum erwarten lässt.

Das Thema Brenner-Nordzulauf bewegt die Menschen hier in der Region sehr intensiv. Die Gegner prangern vor allem die Zerstörung der Landschaft und den massiven Flächenverbrauch an. Wie sehen Sie das als Chef der Freien Wähler, die sich die Bewahrung der Heimat auf die Fahnen schreiben?

Hubert Aiwanger: Es gibt Prognosen zum Güterschienenverkehr, die eindeutig dafür sprechen, dass wir eine Neubautrasse benötigen. Darauf müssen wir uns wohl einstellen. Wichtig ist dabei, dass wir auf eine möglichst lange Untertunnelung der Trasse setzen. An der Stelle darf dann auch das Geld keine Rolle spielen. Da ist die Landschaft zu schützen und ist der Mensch zu schützen. Wenn eine Neubautrasse geplant wird, dann weitestgehend unter der Erde.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Den Vorschlag der Trassengegner, die Bestandsstrecke zu ertüchtigen, halten Sie also nicht für zukunftsfähig?

Aiwanger: Hierzu gibt es widersprüchliche Aussagen der Experten. Ich denke jedoch, wir müssen uns auf das Szenario vorbereiten, dass der Güterverkehr auf der Schiene in den kommenden Jahrzehnten deutlich ansteigen wird und die bestehende Trasse dafür nicht ausreicht.

Lesen Sie auch:

Brenner-Nordzulauf - Experte: "Ein Tunnel wäre ganz klar die Lösung"

Brenner-Nordzulauf: CSU-Abgeordnete Ludwig und Rosenheimer Grüne wehren sich gegen Planung

Ein anderes wichtiges Thema in der Region ist die bevorstehende Übernahme des Kerngeschäfts von Kathrein durch den schwedischen Ericsson-Konzern. Was sagen Sie zum Ende der 100-jährigen Firmenära, gerade mit Blick darauf, dass Bayern Vorreiter bei der 5G_Technologie werden will?

Aiwanger: Das ist natürlich äußerst bedauerlich. Ich habe den früheren Chef Prof. Dr. Anton Kathrein persönlich gekannt, er war ein innovativer und sehr umtriebiger Unternehmer. Leider ist es offenbar aus betrieblichen Gründen nicht möglich, dass das Unternehmen eigenständig weitergeführt wird. Sehr schade, aber leider nicht zu ändern. Wir müssen vorwärts schauen.

Bei der Vorstellung des Industrieberichts haben Sie gesagt: „Wenn das Automobil wegbricht, können wir hier das Licht ausschalten“. Ist diese enorme Abhängigkeit von der Automobilindustrie in Bayern nicht ein großer Unsicherheitsfaktor für die Zukunft?

Aiwanger: Da ist schon etwas dran. Bisher war es ein großer Vorteil des Standorts Bayern, dass wir mit Autoexporten viel Geld verdient haben. Aber natürlich ist es immer ein Risiko, wenn man zu sehr auf einem Standbein steht. Man denke nur an die Rhein-Ruhr-Gegend, wo man vor allem auf die Stahl- und Kohleindustrie gesetzt hat. Diese Industriezweige sind dann von anderen überholt worden, was zu großen Problemen geführt hat und manche Gegenden in ein Armutsloch gestürzt hat. Diese Gefahr sehe ich für Bayern nicht. Wir sind nicht so einseitig auf die Automobilindustrie aufgestellt und Auto wird auch in Zukunft gefahren werden. Aber wir müssen heute das Auto von morgen entwickeln und produzieren.

Lesen Sie auch:

Info-Offensive zum Brenner-Nordzulauf: Im Tunnel der Sorgen und Ängste

Brenner-Nordzulauf: Projektleiter sieht keinen zwingenden Bedarf für neue Trasse im Inntal

Sie haben Wasserstoff als Schlüssel zur Energiewende bezeichnet, der sich ja auch für Fahrzeugantrieb eignet. Hier ganz in der Nähe entsteht bei Kufstein eines der größten Wasserstoffzentren Europas. Wie zuversichtlich sind Sie, dass die deutsche - und allem die bayerische - Automobilindustrie ihre Forschung dazu intensiviert? Das Thema Elektroantrieb haben die heimischen Unternehmen Ihrer Meinung nach nicht intensiv genug vorangetrieben.

Aiwanger: Meine Zuversicht hält sich derzeit ehrlich gesagt noch in Grenzen. Und genau deshalb will ich jetzt in diesem Bereich anschieben und politische Unterstützung leisten, zum Beispiel durch entsprechende Forschungsmittel. Ich sehe vor allem den Wasserstoffantrieb als zukunftsweisend, auf diesen müssen wir meiner Meinung im Automobilbau setzen. Ein Ziel ist daher, dass wir in Bayern in den kommenden Jahren rund 100 Wasserstoff-Tankstellen haben, pro Landkreis mindestens eine. Der Bürger soll auch tanken können, wenn er sich ein Auto mit Wasserstoffantrieb kauft. Wir tun hier als Staatsregierung, was wir können. Ich erwarte daher auch von der Autoindustrie sehr ernsthaft, dass sie diesen Zug nicht verschläft und mitzieht.

Mehr zum Thema

Kommentare