Jetzt gibt es die ersten Arbeitslosenzahlen aus der Region seit Beginn der Corona-Krise

Arbeitslosigkeit Agentur für Arbeit
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Die Agenturen für Arbeit in der Region haben die ersten Zahlen über den Arbeitsmarkt seit den Beschränkungen der Corona-Krise veröffentlicht.
  • Klaus Kuhn
    vonKlaus Kuhn
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Die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren auf dem regionalen Arbeitsmarkt: Entgegen der üblichen saisonalen Entwicklung ist die Arbeitslosenquote im Bereich der Agentur für Arbeit Rosenheim von März auf April um 0,6 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent gestiegen. Ähnlich schaut es in den Landkreisen Traunstein und Mühldorf aus.

Rosenheim/Traunstein/Mühldorf – Michael Vontra, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Rosenheim, führt die Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück: Zahlreiche Personen haben sich aufgrund von Entlassungen oder Aufgabe ihrer selbstständigen Erwerbstätigkeit neu arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig haben durch die Corona-Krise deutlich weniger arbeitslose Personen eine Beschäftigung als saisonüblich aufgenommen. Auch die Abgänge aus Arbeitslosigkeit in eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme gingen zurück.

Dabei ist im Bereich der Rosenheimer Agentur der Anstieg der Arbeitslosenzahl im Bereich des Sozialgesetzbuchs (SGB) III mit 1570 auf 6760 Betroffene deutlich höher als im SGB II-Bereich, wo sich die Arbeitslosenzahl um 370 Personen auf 3070 erhöht hat.

Viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

Vontra spricht von viel Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt: „Insgesamt haben sich im Betrachtungszeitraum 3790 Personen neu oder erneut bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern arbeitslos gemeldet, 2450 davon aus einem Beschäftigungsverhältnis. Dem gegenüber standen 1830 Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet haben, 960 davon in Arbeit“, sagt der Geschäftsführer .

Die meisten Arbeitslos-meldungen erfolgten aus den WirtschaftsbereichenTourismus-, Hotel-, Gaststättenberufe (380),Lebensmittelherstellung und -verarbeitung(230), Unternehmensführung, -organisation (200) und Verkauf (180)“. Vontra ist verhalten optimistisch: „Da sich besonders viele Arbeitnehmer aus den vom aktuellen Shutdown besonders betroffenen Bereichen arbeitslos gemeldet haben, besteht die Hoffnung, dass diese schnell wieder eine Arbeit bekommen, wenn Geschäfte und Gastronomie wieder öffnen.“

440 neue Stellen gemeldet

Der Stellenmarkt ist in der Krise keineswegs eingebrochen: „Die Betriebe aus dem Agenturbezirk haben dem Arbeitgeberservice im vergangenen Monat 440 neu zu besetzende Stellen gemeldet“, so Vontra. Die Angebote stammen vor allem aus den Bereichen sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (110), Gesundheits- und Sozialwesen (80), Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz (50) und Verarbeitendes Gewerbe (40)“.

Stadt Rosenheim

Für die Stadt Rosenheim errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (Vormonat 4,2; Vorjahr 3,9 Prozent). Derzeit sind 1822 Menschen ohne Arbeit. Bei den SGB III-Kunden, die durch die Agentur für Arbeit in Rosenheim betreut werden, erhöht sich die Arbeitslosenzahl um 213 auf 1002. Für 820 arbeitslose SGB II-Kunden, 97 mehr als im März, ist das Jobcenter Rosenheim Stadt zuständig. Insgesamt betreut das Jobcenter 2123 erwerbsfähige Leistungsberechtigte.

Landkreis Rosenheim

Der Landkreis Rosenheim hat aktuell eine Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent (Vormonat 2,4; Vorjahr 2,1 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt für den Landkreis liegt bei 4291. 2967 Männer und Frauen sind bei der Hauptagentur in Rosenheim arbeitslos gemeldet, 658 mehr als im Vormonat. Darüber hinaus kümmert sich das Jobcenter Landkreis Rosenheim um 1324 arbeitslose SGB II-Kunden, 190 mehr als im März. Insgesamt betreut das Jobcenter 3205 erwerbsfähige Leistungsberechtigte.

Landkreis Traunstein

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Traunstein betrug im April 3,4 Prozent, ein Plus von 0,5 Prozent im Vergleich zum März. Im Vorjahresmonat 2019 betrug sie 2,6 Prozent. 3306 Menschen sind arbeitslos gemeldet, 518 mehr als im März. Das entspricht einem Anstieg von 18,6 Prozent. 781 Menschen konnten ihre Erwerbslosigkeit beenden. Diesen Abmeldungen im April stehen 1296 Neumeldungen gegenüber. Das sind 491 Menschen mehr als im Vorjahresmonat, und 528 mehr als im März. 1274 Stellenangebote liegen aktuell vor. Neue Angebote kamen vorwiegend Angebote aus den Fertigungsberufen und aus den systemkritischen Berufsbereichen Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit.

Neue Stellen in systemrelevanten Bereichen

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Mühldorfbetrug im April 3,7 Prozent, ein Anstieg gegenüber März um 0,4 und gegenüber April 2019 um 0,8 Prozentpunkte. 2403 Menschen waren im April arbeitslos gemeldet, 253 mehr als im März. 717 Neumeldungen, 61 mehr als im März wurden bearbeitet. 460 Menschen, gegenüber 853 im März konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden. 699 Stellen sind im aktuellen Bestand. Mit 235 Angeboten aus Produktion und Fertigung, 102 aus Verkehr und Logistik und 159 Angeboten in Gesundheits- und Sozialberufen seien die Chancen für Fachkräfte in diesen systemkritischen Bereichen sehr gut, so die Arbeitsagentur.

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„Es wurden mehr Menschen arbeitslos, gleichzeitig konnten weniger Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, so sind zum Beispiel die Wiedereinsteller in Hotellerie und Gastronomie nicht zurückgerufen worden“, erklärt dazu Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein. Auch in Traunstein und Mühldorf nehmen tzdem deutlich weniger Menschen an Förder- oder Bildungsmaßnahmen teil.

Rechnerisch sind im Agenturbezirk noch 1802 Ausbildungsplätze unbesetzt. „Da jedoch unklar ist, wie lange sich die Beschränkungen noch auswirken, kann sich die Anzahl der Angebote in den nächsten Wochen noch reduzieren. Ein weiterer Grund für Bewerberinnen und Bewerber, sich um einen Ausbildungsplatz zu bemühen“, appelliert Müller.

Im März und April 2020 sind für den Agenturbezirk Traunstein knapp 4300 Anzeigen auf Kurzarbeitergeldeingegangen. Das entspricht rund einem Drittel aller Betriebe im Agenturbezirk. Über 60 Prozent der Anzeigen stammen von Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten, bei den Wirtschaftssegmenten ist der Handel mit gut einem Fünftel der Anzeigen am Häufigsten vertreten.

„Insgesamt beziehen sich die Anzeigen auf rund 55 000 Personen“, sagt Müller. Wie viele tatsächlich am Ende tatsächlich in Kurzarbeit waren, lässt sich nicht sagen: Eine Anzeige wird oft auch vorsorglich und für mehr Mitarbeiter gestellt. Die Agentur hat reagiert und das Personal deutlich aufgestockt: „Wir können die Anzeigen und Anträge innerhalb weniger Tage bearbeiten und das Geld auszahlen“, versichert Müller.

Anträge kamen im Minutentakt

„Die Anzeigen für Kurzarbeit sind in den vergangenen Wochen fast im Minutentakt per Mail, per Telefon oder mit der Post bei der Agentur für Arbeit eingegangen“, berichtet Vontra für den Agenturbezirk Rosenheim.

Auch in Rosenheim hat man rasch reagiert und Personal umgeschichtet: „Rund 80 Prozent unserer Mitarbeiter sind inzwischen in einem anderen Bereich beschäftigt als noch vor acht Wochen.“ Bis zum 26. April sind für die Monate März und April knapp 5700 Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit eingegangen, die insgesamt 55 171 Personen betreffen.

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