Corona verändert Geschäft von Rosenheimer Arbeitsplatzgestaltern

Der Steelcase-Standort Rosenheimmit seinem Verwaltungsgebäude. re

Der Rosenheimer Büro-Spezialist Steelcase entwickelt ein neues Konzept fürs Arbeiten in Zeiten der Pandemie. Die Raublinger IT-Firma Halvotec entwirft den passenden digitalen Arbeitsplatz. Social Distancing und Home Office sind die beiden Trends.

Rosenheim – Wird hier eigentlich auch gearbeitet oder nur gekickert und Kaffee getrunken? Unweigerlich stellt man sich diese Frage in modernen Office Spaces. Das Home Office hat in den letzten Jahren ebenfalls seinen Siegeszug begonnen. Zwei Rosenheimer Unternehmen sind von diesen Entwicklungen unmittelbar betroffen, denn sie gestalten Arbeitsplätze. Nun sorgt Corona für neue Entwicklungen.

Umgeräumt wurden in den letzten Wochen viele Büros, um die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Die Menschen gingen am Arbeitsplatz wortwörtlich auf Distanz zueinander. Die Firma Steelcase, die nicht nur Möbel herstellt, sondern auch Gestaltungskonzepte anbietet, war am Standort Rosenheim selbst betroffen: „Rosenheim war eines der wenigen Werke weltweit, das zu keinem Zeitpunkt geschlossen werden musste“, sagt Fabian Mottl (39), Brand Communications Manager. Die konsequente Erweiterung und Umsetzung von Hygienestandards war das Erfolgskonzept in der Corona-Krise. Das Werk ist nur einer von weltweit über 800 Standorten. Die komplette europäische Tischproduktion wird in Rosenheim abgewickelt.

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Büros werden heute ganz anders geplant als noch vor einigen Jahren. Entspannt und hip solle es wirken, berichtet Fabrian Mottl. „Büros ähneln heute häufig eher einer Cafeteria oder einem Boutique-Hotel als einem Labyrinth aus Parzellen, Einzelbüros und Besprechungsräumen“, sagt Mottl.

Statt Austausch nun Abstand als Ziel

Wurden vor Corona gerade Möglichkeiten gesucht, dass Mitarbeiter sich austauschen und viel interagieren könnten, seien die Rahmenbedingungen nun völlig anders. Statt der Förderung von Innovation und Kreativität ginge es nun in erster Linie um die Begrenzung von physischen Kontakten – somit eine komplette Abkehr von den bisherigen Konzepten.

„Unternehmen auf der ganzen Welt waren nicht darauf vorbereitet, bei der Gestaltung des Arbeitsumfelds plötzlich auftretende Gesundheitsrisiken zu berücksichtigen“, sagt Mottl. Was können Unternehmen aus Sicht von Steelcase tun, um die Sicherheit ihrer Angestellten zu gewährleisten? „Schutzvorkehrungen müssen sofort umgesetzt werden. Gleichzeitig muss die Arbeitsumgebung auch belastbar und deutlich adaptiver als bisher werden.“

Was Mottl damit meint, sind nicht nur neue Möbel, sondern Komplettlösungen, die Materialien, Technologie, Planungsvorgaben und sogar Verhaltenstipps am Arbeitsplatz beinhalten. Konkret können derzeit Abstände vergrößert und die räumliche Anordnung verändert werden, etwa durch die Teilung von Räumen.

Agilität und Infektionsschutz

Agilität, also die Fähigkeit, sich kontinuierlich an neue Situationen anzupassen, ist heute für Unternehmen besonders wichtig. Steelcase sieht keinen Widerspruch zwischen agilen Methoden und Infektionsschutz. Die Firma hat selbst ein Konzept erarbeitet, dass beidem gerecht wird. „So haben wir beispielsweise ganz aktuell Screens aus Plexiglas, die langlebig, strapazierfähig und leicht zu reinigen sind und die sich ohne Aufwand umstellen lassen“, sagt Mottl.

Das Wohlbefinden der Mitarbeiter

Sobald sich wieder eine gewisse Normalität eingespielt hat, sieht Steelcase Potenziale zur Anpassung der Arbeitsumgebung, um langfristigen Schutz gewährleisten zu können. Dafür eigneten sich Begrenzungen aus festem Material oder Stoff, außerdem eine flexible Möblierung, die auch über eine Stromzufuhr verfügt. Zudem rät Mottl, Besprechungen im Stehen einzuführen, agile Arbeitsmethoden zu nutzen und Kontakte nachzuverfolgen.

„Langfristig werden die Arbeitsumgebungen der Zukunft quasi neu erfunden werden müssen“, ist sich Mottl sicher. Er geht davon aus, dass ökonomische, klimatische oder gesundheitliche Entwicklungen und das Wohlbefinden der Mitarbeiter künftig im Vordergrund stehen. Aus Sicht von Steelcase böten sich hier Potenziale, etwa bei der Steuerung von Tischhöhen über die Stimme oder der Einführung von neuen Materialien, die leicht und oft gereinigt werden können.

Standort Rosenheim „sehr, sehr wichtig“

Wie steht es bei der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung um den Rosenheimer Standort? Der Standort sei für Steelcase „sehr, sehr wichtig“, so Mottl. Erst im vergangenen Jahr habe Steelcase in eine neue Produktionslinie für höhenverstellbare Schreibtische investiert und Wertschöpfung wieder ins Unternehmen hereingeholt, sagt Mottl. Außerdem zeige auch die Investition in die Laserbekantung von Tischplatten oder die Laserschneideanlage das Bekenntnis zu Rosenheim.

DasRaublinger IT-Unternehmen Halvotec gestaltet keine haptischen, sondern digitale Arbeitsplätze. Als Segen in der Corona-Zeit hat sich das Home Office für viele Unternehmen erwiesen, schließlich konnte der Betrieb einfach weiterlaufen. Alexander Lerch, CEO von Halvotec, sieht in der Digitalisierung eine große Chance, die weiter gedacht werden müsse: „Dazu gehört nicht nur der Produkt- und Produktionsbereich, sondern ebenso interne Prozesse in Form eines digitalen Arbeitsplatzes, dem sogenannten Digital Workspace.“

Viele Unternehmen erleben aus Sicht von Lerch nun die digitalen Möglichkeiten, bei denen Halvotec mit der entsprechenden Infrastruktur unterstützt. Sowohl Steelcase, als auch Halvotec rechnen damit, dass die Arbeitswelt keinen Rückschritt zu den Zeiten vor Corona machen wird.

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