Bislang 5,1 Millionen Euro geflossen

Corona-Überbrückungshilfe: „Sehr wichtiges Mittel“ für Industrie und Handel in der Region

Stücke vom Kuchen: Unsere Grafik zeigt, auf welche Branchen der größte Anteil des Überbrückungsgeldes fiel. Hier in Stadt und Landkreis Rosenheim.
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Stücke vom Kuchen: Unsere Grafik zeigt, auf welche Branchen der größte Anteil des Überbrückungsgeldes fiel. Hier in Stadt und Landkreis Rosenheim.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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„So bleiben die Grundpfeiler unserer Wirtschaft erhalten“: Zufrieden über die Corona-Überbrückungshilfe hat sich Andreas Bensegger geäußert. Wie der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Rosenheim mitteilte, sind 5,1 Millionen Euro an 474 Antragssteller in Stadt und Landkreis ausgezahlt worden.

Rosenheim/Mühldorf – „Die Wichtigkeit der Überbrückungshilfe schätze ich als sehr, sehr hoch ein“, sagte Bensegger den OVB-Heimatzeitungen.

Thomas Bugl, Wirtschaftsdezernent der Stadt Rosenheim, teilt die Einschätzung. „Die Überbrückungshilfe ist das einzige finanzwirtschaftliche Instrument mit denen Unternehmen, deren Umsätze zwangsweise corona-bedingt eingebrochen sind, überhaupt noch unterstützt werden können.“

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Ausgesprochen positiv sehen beide auch die Abwicklung des Programms über die IHK. „Es ist schlau, dass IHK darauf Wert gelegt haben, dass entsprechende Anträge nur über Steuerberater, Anwälte, Wirtschaftsprüfer et cetera eingereicht werden dürfen“, sagt Bugl. „Damit ist gewährleistet. Dass – im Gegensatz zur Soforthilfe – Missbrauch eingedämmt werden kann.“ Bei den Soforthilfen sei das noch anders gewesen, da habe Geld leichter von Unberufenen abgezweigt werden können, sagt Bensegger.

Viele Hilferufe vom Gastgewerbe

Durchschnittlich wurden pro Antrag in der Stadt 11 200 Euro und im Landkreis 10 600 Euro gezahlt. In keiner Sparte riefen so viele Betriebe nach Hilfe wie im Gastgewerbe. Der größte Anteil der Anträge in der Stadt Rosenheim wurde dem Gastgewerbe bewilligt –  32 Prozent. Im Landkreis kam jeder vierte bewilligte Antrag aus dem Gastgewerbe. „Die Gastronomie konnte schon beim ersten Lockdown nichts einnehmen“, sagte Bensegger, jetzt sei sie wieder besonders betroffen.

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Darüber hinaus hätten Wirte auch den Sommer über nur mit stark verringerten Kapazitäten wirtschaften dürfen, ohne Aussicht, auf den normalen Umsatz zu kommen. „Was aber wäre unsere Region ohne die Gastronomie?“ fragt Bensegger.

Unterstützung für Reisebüros

Der vergleichsweise hohen Anzahl an Bewilligungen zum Trotz: Die höheren Summen wurden an Firmen in anderen Bereichen ausgeschüttet. Mit insgesamt rund 470.000 Euro oder 34 Prozent führen „sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“ in der Stadt Rosenheim. Es folgt das Gastgewerbe mit 407 000 Euro (29 Prozent). Im Landkreis Rosenheim lag der Anteil der „sonstigen Dienstleistungen“ bei deutlich über einer Million, nämlich bei 1.173.000 Euro oder 32 Prozent der Gesamtsumme.

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Das Gastgewerbe kam auf 1.128 000 Euro oder 30 Prozent.

Mehr Anträge, insgesamt etwas weniger Geld fürs Gastgewerbe? Das hängt nach Auskunft der IHK mit zweierlei Faktoren zusammen. Erstens konnten viele Betriebe im Gastgewerbe in den entscheidenden Monaten Juni, Juli und August dank Sommerfrischlern wieder Boden gutmachen.

Die Höhe der Fixkosten entscheidet über Anteil an der Überbrückungshilfe

Zweitens haben die „sonstigen wirtschaftlichen Dienstleister“ höhere fortlaufende Fixkosten geltend machen können. Zu ihnen gehören Reisebüros, die mit hohen Provisionen in Vorleistung gegangen waren, bevor ihre Buchungen abstürzten.

So erklärt es sich, dass in der Stadt Rosenheim die durchschnittliche Unterstützung beim Gastgewerbe etwas über 10.000 Euro, bei den Dienstleistern aber über 33.000 Euro lag. Mit einem Schnitt von fast 17.000 Euro, 135.000 Euro insgesamt, lag die Branche „Kunst, Unterhaltung und Erholung“ an dritter Stelle.

Im Landkreis lag sonstige Dienstleistung mit einem Durschnitt pro Antrag von fast 27.000 Euro vorn, vor dem Baugewerbe (Durchschnitt 22.000 Euro, aber nur 2 Prozent der Anträge) und dem Gastgewerbe (13.000 Euro). Geschwächt sieht sich die Kfz-Sparte. Jeder siebte Antrag kam von Handel und Werkstätten, insgesamt wurden fast 260.000 Euro gezahlt.

„Stark von der Krise betroffen“ sieht Andreas Bensegger Gastronomie, Hotellerie, Reisebüro, Veranstaltungswirtschaft, Einzelhandel und viele Dienstleister. Sie bräuchten weitere Unterstützung durch das November-Programm.

3,6 Millionen für Nachbarlandkreise

Im Landkreis Mühldorf sind bislang mehr als 1,2 Millionen Euro an 105 Antragsteller ausgezahlt worden. Insgesamt gingen 111 Anträge von Betrieben mit Sitz im Landkreis ein, auf die durchschnittlich 11.500 Euro ausgezahlt wurden.

Die Statistik in Mühldorf.

Von den bewilligten Anträgen kamen 31 Prozent vom Hotel- und Gaststättengewerbe, 16 Prozent von der Auto-Branche. Reisebüros und Veranstalter meldeten sich auch in Mühldorf, mehr als jeder zehnte bewilligte Antrag kam von ihnen. Auch in der Region Mühldorf zeigte sich das Gastgebwerbe hiflsbedürftig – und erhielt 392 000 Euro, mehr als jede andere Branche. Betriebe „sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen“ kamen auf 230 000 Euro, das verarbeitende Gewerbe auf 180.000 Euro.

Ähnlich sieht es im Landkreis Traunstein aus. Dort wurden fast 2,4 Millionen Euro an 162 Antragsteller ausgezahlt. Insgesamt gingen 179 Anträge ein. Die durchschnittliche Auszahlung je Antrag beträgt 14.600 Euro.

Die Statistik für Traunstein.

Von den anerkannten Anträgen kamen 28 Prozent vom Gastgewerbe, 14 Prozent von den wirtschaftlichen Dienstleistern. Jeweils zehn Prozent der bereits ausgezahlten Anträge kamen von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie Betrieben der Kunst-, Unterhaltung- und Erholungsbranche. Auch in Traunstein wurden Dienstleister wie Reisebüros und Veranstalter besonders gefördert. Mit 1,2 Millionen Euro empfangen sie deutlich mehr als Gastgewerbe (345.000 Euro) und Kultursektor (170.000 Euro).

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